Romantische Landschaft mit Menschenopfer

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Weißt Du wieviel Wolken gehen weithin über alle Welt...
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Sonntag, 13. Dezember 2009

Im Spaßbad

Politische Parteien, Bürgermeister, Unternehmer sind im Wesentlichen darauf eingestellt, immer größere Großstädte mit ihren ihnen je eigentümlich zur Verfügung stehenden Mitteln auf die verschiedenste Art und Weise immer lebenswerter werden zu lassen. Das alles bewegt sich im Rahmen des global wahrgenommenen stellvertretenden übergreifenden Verantwortlichkeitsbewusstseins stellvertretend repräsentativer Verantwortlichkeitswahrnehmer. Und deshalb ist es auch richtig, sie so wahrzunehmen wie sie wahrgenommen werden wollen. Denn ‚esse est percipi’. Daher muss man stets bemüht sein, für die entsprechende Wahrnehmung zu sorgen, oder besser, für das entsprechende Wahrgenommenwerden, indem man für die Einrichtung des Wahrnehmungsvermögens sorgt. Das lässt sich machen mittels flächendeckend und nachhaltig verstaatlichter Erziehung und einer nachrichtentechnischen Aneignung der Bedeutungszusammenhänge der sozialen Lebenswelt mit den Mitteln staatlicher oder privater Großunternehmen, die dafür sorgen, dass nur oder jedenfalls hauptsächlich wahrgenommen und bedeutet werden kann, was im Interesse der Selbsterhaltung der Großorganisationen wahrgenommen werden sollte.

Im Zuge der allgemeinen Kampfhandlungen entsteht derart auch ein Spaßbad, oder wenigstens ein Hallenbad, als integraler Bestandteil etwa eines Einkaufszentrums. Was Modernität auf den neuesten Stand bedeutet lasst sich auf diese Weise nebenbei demonstrieren. An der Kasse vorbei wird der potentielle Schwimmer oder die bekannte Badende durch ein im Wesentlichen kastenförmiges Labyrinth geschleust, das von nur mittels eines Plastikchips zu bewegenden Chromstahlbarrikaden und Einrichtungen gequert ist, die aus der Großviehverwertung besonders in nächster Nähe des Schlachthofs oder im Kontext des Viehauftriebs für den Schlachthof mehr oder weniger bekannt sind, jene sortierenden Verteilerschluchten, deren imperativer Charakter sich aus der archtitektonischen Gestaltung derart selbstverständlich ergibt, dass das hindurchgetriebene Vieh sich entlang der je nach Bedarf hoch‑ oder heruntergeklappten Barrikaden, hermetisch schließenden und im Bedarfsfall geöffneten Türen zu immer dünneren Rinnsalen verteilt bis endlich irgendwo das Individuum heraustritt, das dann, obwohl ‚unteilbar’ entsprechend seinem Namen, dennoch in Hälften und Viertel oder noch kleiner zerteilt werden wird, wenn nicht die Einrichtung aus mehr oder weniger nützlichen Gründen Gnade vor Recht ergehen lässt, und das Individuum ungeteilt seiner Bestimmung zuführt.

Chips öffnen stählerne Sperren, Schlüssel müssen in Schließfächern gedreht werden, das Individuum, dem noch einige Schritte ‚aus eigenem Willen’ in vorgeschriebenen Richtungen zugemutet werden – etwas Mitarbeit ist ja wohl nicht zu viel verlangt – verschwindet in einem Labyrinth von Kabinen, taucht mehr oder weniger entkleidet irgendwo auf ‚einer anderen Seite’ wieder auf, verstaut bis auf weiteres Gegenstände in Spinden, in eigenem Interesse, und betritt, nach einer Dekontaminierungsdusche, die es vom Staub und den Profanationen der Strasse und seines bisherigen Lebens endlich eine Art großer rechteckiger Kiste, in deren Boden eine ebensolche – oder auch zwei – rechteckiger Gruben ausgehoben sind, die mit Wasser gefüllt sind. In der Längsrichtung sind Bahnen abgeteilt, in der sich bei einiger Achtsamkeit der Verkehrsteilnehmer für einander aneinander vorbeikommen lässt, wenn sich auf dieser Bahn alle Schwimmer verhalten wie im Strassenverkehr, indem sie die jeweilige Bahn stillschweigend und ohne eigens dafür verabredet zu scheinen, in zwei aufteilen, auf denen sich jeder in einer bestimmten Richtung hält, so dass ein dem Straßenverkehr ähnliches Bild entsteht. Auch die Orientierung und der Verkehr richten sich offensichtlich nach den Strassenverkehrsüblichkeiten. Das vornehmlich genutzte Wahrnehmungsorgan ist offensichtlich der Sehsinn. Daher vollzieht sich alles mehr oder weniger schweigend. Wer oder was an einem vorbeidriftet, ist vor allem im Sinne der Vermeidung von Berührungen von Bedeutung. Darüber hinaus scheint keinerlei Interesse zu bestehen, oder sogar eher unerwünscht.

Die großstädtischen Menschen, die dem Straßenverkehr zu Fuß oder in Bahn oder dem eigenen Fahrzeug entstiegen, durch die Schleusen und Verteiler sowie durch ein Reinigungsbad gegangen an diesem Ort angelangt sind, vollziehen alles nach denselben Regeln wie jenseits dieses Ortes, nur dass sie nun beinahe unbekleidet und sich sehr viel näher sind in einem geschlossenen Raum, der sich noch einmal verengt auf die Maße der Oberfläche des Wasserbeckens, in dem sich ein dem öffentlichen Betragen schweigend aneinander vorbei vollzogener Ortswechsel gleiches Ritual auf sehr viel kürzere Distanzen vollzieht als sonst, was urplötzlich den Bizarrerien dieses öffentlichen Benehmens der an diesem Ritual Beteiligten angesichts seiner Versetzung in diesen geschlossenen Raum sowie seiner Übertragung auf das in keiner Weise gemeinsam vollzogenen Ritual des Schwimmens nicht nur den Hauch des vollständig Absurden verleiht, indem es auf die Spitze getrieben wird. Gemeinsamer Vollzug ist in alledem nur insofern als jede der schweigenden Monaden demselben allgemeinen Automatismus folgt, mit dem von Leibniz bereits bemerkten Ergebnis einer nicht verabredeten, aber resultierenden prästabilierten Harmonie der Vollzüge, die zugleich mögliche Abweichung definieren, deren Korrektur die am Rande lauernde Überwachung dient, die indessen fest mit ihrer eigenen Überflüssigkeit rechnen kann, insofern auch der Neuling sofort auf geheimnisvolle Weise in das keiner sprachlichen Erläuterung bedürftige Regelwerk der Vorgänge magisch einbezogen ist. Denn alles versteht sich ohne Worte. Kaum ist vorzustellen, dass der Homo sapiens für diese Vollzüge bzw. die Anpassungsleistung an ihr stummes Regelwerk, das im gleichgerichteten Verhalten der Individuen erscheint, der Sprache bedürftig gewesen sein sollte. Wo es doch genügt, sich in diesen Raum zu begeben um sogleich von seiner magischen Gleichrichtungsgewalt überzeugt worden zu sein, ohne dass jemand ein Wort spricht.

Dennoch ist der Vielfalt auch sonst zu beobachtender Individuationschancen in dieser gleichgerichteten Einförmigkeit zu bemerken. Auch hier ist der Straßenverkehr offensichtlich Vorbild. Was auf der Strasse der Sportwagen oder das großvolumige Fahrgerät, ist hier allerdings auf die bloße physische Ausstattung eingeschränkt, und wird durch die ausführbaren Schwimmstile weiterer Differenzierung unterzogen. Dazu wird dann das jeweils passende, entsprechende Neigungen, Vorlieben und auch Entschlossenheiten dokumentierende bzw. anzeigende Outfit getragen. Kernunterscheidung ist das Tragen einer Schwimmbrille. Sie deutet Entschlossenheit zu einem leistungsbezogenen Programm an, das in diesem Verkehrsgewühl realisiert werden soll. Es beansprucht stillschweigend den Raum, der dazu notwendig ist und kündigt die höheren Durchschnittsgeschwindigkeit sei es des seine Bahnen ziehenden Brustschwimmers oder des Crawlschwimmers schon in Habitus und Erscheinung an, das gewissermaßen Professionelle an den korrespondierenden Entschlossenheiten.

Vermutlich ergibt sich nicht zuletzt aus derartigen Beobachtungen mehr oder weniger mechanisch präkoordinierter Verhaltensweisen von Individuen, die auf kürzeste Distanzen mittels möglichst höchsten Geschwindigkeiten sei es einzeln oder in Gruppen vor allem aneinander vorbei kommen wollen, die einen jeweils dorthin streben, woher die anderen gerade kommen, so dass alles in jeweils einander entgegen gesetzte Richtungen ohne Rücksicht auf die Himmelsrichtungen zu fliehen scheint mehr als zu streben, der als Wissenschaft postulierte Wahn der dafür ermächtigten Zuständigkeiten, es handele sich hier um ‚soziale’ Vorgänge oder sogar, wenn es sehr hoch kommt, um ‚Verhaltensweisen’. Das darin allerdings nur indirekt erscheinende Bestreben, die Wahrnehmung der Vorgänge auf den allerdings in Kürze nur noch anhand von Archivaufnahmen in ihrer einstigen Existenz zu belegenden Ameisenstrassen, mit denen im Straßenverkehr und nota bene – in ‚modernen’ Schwimmbädern und vielleicht an Robbenbänken – mit denen die ebenfalls in Kürze nur noch aus Archivaufnahmen zu belegenden Vorgänge auf oder an denselben indessen nicht vergleichbar sind – unter einen, nämlich den ‚wissenschaftlichen’ Gesichtspunkt subsumieren zu können, mag dafür verantwortlich sein, dass die einstige Ameisenstrasse und die Vorgänge auf ihr tatsächlich so viel gemeinsam zu haben scheinen mögen wie die Gleichsetzung das suggeriert. Eine Stellungnahme der in der Sache vermutlich – wenigstens bis zu ihrem Untergang – für sich selbst zuständigen Stellen bei den Ameisen ist, so weit ich das überblicke, weder bekannt noch archiviert, so dass sie uns auch nach ihrem Untergang noch erreichen könnte, wie die Hinterlassenschaften der Gräberkulturen, die sich die Mühe machten, sich uns als dem Jenseits und den Göttern, das sie selbst dann gemeint haben müssen, selbst und gerade weil sie es nicht ganz genau wussten oder ausdrückten, die uns dank der Unterstellung ausschließlich erreicht haben dürften, weil die Menschen, die sich diese Mühe machten, in dem wohltätigen Irrtum lebten und handelten, in uns, als den Späteren, die Götter und die vernunftbegabten Wesen erkennen oder wenigstens voraussetzen oder antizipieren zu dürfen, denen solche Mitteilungen zu machen sich unbedingt lohnen müsste. Wie gut, dass wir keine Zeitmaschinen bauen können, mittels derer ein perfider Saboteur in der Zeit zurückzureisen vermöchte um den damals Handelnden ein Licht aufzustecken über diese Nachfolger und Erben ihrer Welt, die sich die Dreistigkeiten leisten, sie auf jede Weise zu bestehlen – jeder Designer, jeder Archäologe, jede(r) Museumskurator(in) und seine/ihre Gehilfen ein(e) Grabräuber(in), jeder Auktionator ein Hehler usw. -, ihre ‚Kultur’ zu ‚bestaunen’ während sie zugleich angesichts ‚unserer modernen Technik und Wissenschaft’ – man fragt sich, wer hier spricht und dieses ‚unser’ an welche Gemeinde richtet, an welche Gruppe, ja an welche Wesen oder, wenn das nicht geht, an welche bloße innerweltliche Erscheinung? – mehr oder weniger stillschweigend meinen, in diesen Urhebern solcher Mitteilungen zurückgebliebene oder böse Wesen oder die Opfer von solchen oder alles zugleich sehen zu dürfen, ungeachtet von Form und Inhalt der Mitteilungen und eigentlich nur aufgrund eines in den Grenzen der je eigenen Vermögen überverallgemeinernd gewähnten Projekts, das sich eben – nach dem Muster: „Ich denke mal…“ – etwas einfallen lässt und dann, weil nichts anderes einfällt oder ‚einleuchtet’, auch meint, zu wissen und gedacht zu haben, was bloß eingefallen ist, Erinnerungsreste aus rezenten Erlebnissen, die es nie auch nur zum Status einer Erfahrung zu bringen imstande sind.

Tatsächlich ist denn auch der bloße Vorgang des Straßenverkehrs auf diese kürzest denkbare Distanz eines immer beinahe möglichen unbeabsichtigten Körperkontakts unter den Bedingungen eines Maximums zugelassener Entkleidung des Körpers nicht gleichbedeutend mit einer keineswegs ganz ohne sonstige ‚kommunikative Strukturen’ oder Vorgänge. Die sich sogleich einspielenden Nähe/Distanz-Spiele sind zwar stellen sich in einer unbeabsichtigt erscheinenden Drift oder einem Ortswechsel bzw. durch diese hindurch dar, während sie zunächst als absichtslose Vorgänge der unbezogenen Verteilung der Körper n Raum bzw. über die Fläche erscheinen oder mögliche intentional gesteuerte Vorgänge in diesen Bewegungen nach Möglichkeit verschwinden, jedenfalls aber in unprüfbare Unverbindlichkeit unterzutauchen jedenfalls lizensiert sind. So kann, so scheint es, niemand niemandem ‚etwas nachweisen’. Umgekehrtes vollzieht sich oft im Straßenverkehr, wo die ‚Kontaktaufnahme’ erkennbar aggressiv ist, um sich ggf. darauf hinausreden zu können, das entspräche keiner festzustellenden Absicht, jedenfalls nicht in dem vermeintlich ‚harten’ juristischen Sinne eines Tatbestandes. Man bedenkt dabei nicht, dass die scheinbar solide ‚Härte’ des Verlangten nichts ist als eine Funktion des Mangels an Wahrnehmungsfähigkeit bzw. der gewöhnlichen Brutalität der Profession, die sich auf solche Soliditäten zurückzieht, und damit denen beispringt, die den auf diese Weise aufgelassenen Spielraum auf ihre Weise, aber in demselben Sinne für ihre Vorteilswahrnehmung oder auch nur für das jeweils auszuagierende Gewaltpotential zu nutzen, das eine nebenher sich mit ergebende Normalität durchsetzungsstarker und entscheidungsfreudiger Charaktere ist, kurz, die Hauptpersönlichkeitseigenschaft aller Vergewaltiger, Schänder und Gewalttäter in allen herausgehobenen Positionen der nicht zufällig unverändert so genannten ‚Hierarchie’, deren Einkleidung mit dem Prädikat des ‚Sozialen’ kaum mehr ist als etwa der Schöpfungsvorgang – bzw. die ‚Herstellung’ – einer Schimäre aus demselben Geist, insofern er unter Nutzung der vorgenannten, sprachlich erzeugten und mit Machtmitteln ‚implementierten’ Systemvorgaben des ‚Normalen’ den Freiraum erzeugt, in dessen Niemandsland sich alle derzeitigen hochorganisierten Verbrechen am Sozialen und an den durch diese Vorgaben genormten Gattungsexemplaren abspielen dürfen aufgrund des ihnen eingeräumten Spiels zwischen der positivierten Gesetzgebung und Rechtsprechung einerseits, und dem Eigenrecht des individuierten Kulturerbes andererseits, dessen Überblendung mit organisierter Gewalt das vorwiegende Ziel dieser Strategien ist. Niemand hat ja bisher untersucht, warum und aufgrund welcher wirklicher Eigenschaften etwa die aus den politisch institutionalisierten selektiven Prozessen hervorgegangenen, als ‚besonders intelligent oder förderungswürdig’ geltenden Individuen tatsächlich qualifiziert sind bzw. sein sollen für Berufe, die zumeist damit zu tun haben, allgemeine Rahmenbedingungen für die Existenz und die Lebensführung großer und anonymer, vorwiegend statistisch ‚erfasster’ und segmentierter sowie unter bestimmten Gesichtspunkten bewerteter Individuenmassen der Gattung Homo sapiens nicht nur zu setzen, sondern damit mehr oder weniger direkt, jedenfalls aber durchaus entschlüsselbar, auch sehr komplexe Folgen für jedes dieser Individuen mitzuerzeugen und letztlich zu verantworten, während zugleich mehr oder weniger offensichtlich ein dieser Tätigkeit und ihren Folgen für Andere entsprechendes Verantwortungsbewusstsein auf der Höhe des analytischen Vermögens gewöhnlich sehr zugunsten einer an dessen Stelle vorfindlichen Kombination von sozialer und handlungsfolgenrelevanter Blindheit in Einheit mit der diese gewissermaßen ‚von hinten’ her, aus dem ‚background’ des Wahrnehmungsorgans gestützten Anästhesie zu bemerken ist, die ihrerseits die Voraussetzung ist für die diagnostizierbaren gewohnheitsmäßigen Brutalitäten der derart in der sozialen Normalität des Akzeptierten oder wenigstens ohnmächtig Hingenommenen so gut wie bedenkenlos Ausagierten ist, die dann die Fakten schafft, die die sich schließlich herauskristallisierenden Verlierer der Bestialität des zum allgemeinen Sozialfall erhobenen Kampfes um das nackte Überleben, den die Exemplare der furchtbarsten Bestie, die jemals den Planeten bevölkerte einander unablässig als ganz gewöhnlichen Alltag zumuten, nicht zuletzt deshalb schweigend akzeptieren, weil sie gelernt haben (!) die Spielregeln, nach denen sie zu dem wurden, was sie sind, Verlierer und Unterliegende und in diesem verächtlichen Sinn ‚Subjekte’ der Herrschaft, die zu ihren bloßen Objekten schrumpfen, schon in einem Lebensalter blind zu verinnerlichen als das ihnen Gemäße, in dem sie weder über ein Urteilsvermögen noch die Kenntnisse, die dieses zu beurteilen hätte, noch die für die Ausbildung eines Urteilsvermögens unabdingbare Fähigkeit zur Reflexion auf den Unterschied von Erlebnis, Erfahrung und Urteil sowie auf die genetische Konstitution und die Bedingungen ihrer Möglichkeit verfügen konnten, das sich auch nur der Chance zu nähern vermöchte, mittels dieser Unterscheidungen und dem dazu vorauszusetzenden Unterscheidungsvermögen sowie der Reflexion auf die je eigenen Konstitutionsbedingungen einer Welt zu versichern, in der nicht nur die Natur der von Predatoren in allen denkbaren Verkleidungen, die die von ihnen erzeugten Erscheinungsbilder der ‚Hierarchien’ auf ihrer Außenseite, ihren den Objekten ihrer ‚Arbeit’ zugewandten Oberfläche darbietet, und damit zugleich einer Bewusstseinsverfassung, die mit im Großen und Ganzen ‚politischen’ Mitteln von denselben allgemeinen Verhältnissen systematisch erzeugt wird, deren Produkte sich dann, indem sie sich am Epiphänomen der sich ihnen derart bildenden Welt, nämlich ‚ihrem eigenen Bewusstsein’, so wie sie es eben an sich vorfinden, als ‚Ich’ oder ‚Selbst’ meinen identifizieren zu können, das sich im Bewusstsein einer ihm mehr oder weniger verfügbaren Welt auch ‚wissen’ darf, indem es über diese gar als über einen ‚Erkenntnisgegenstand’ aus eigenem Urteil verfügt. Kaum etwas ist lächerlicher als diese Illusion, und es ist eben kein Trost, dass dieselbe Illusion gleichermaßen Sieger wie Verlierer, allgemein die an Individuen wahrnehmbaren Zufallsergebnisse der Prozesse, denen die Körper unterworfen werden, also die durch organisierte Bifurkationen erzeugten Ergebnisse dieser Techniken der Individuierung bzw. der industriellen Erzeugung von Individuen gleichermaßen beherrscht und, wenn auch in unterschiedlichen Formen des Einverständnisses, in ‚Einstellungen’ resultieren lässt, die dann die Haltung gegenüber der Welt insgesamt determiniert, während die Differenzen, die sich ergeben aus den unterschiedlichen Positionierungen im asozialen Gefüge der Chancen zur Benutzung Anderer zu mehr oder weniger sinistren und eingestandenen oder nicht eingestandenen Zwecken, endlich aufgrund von Gewohnheit, Einschüchterung, der Verteilung der zugelassenen Formen von Aktivität und Passivität, Vorteilen und Nachteilen, Privilegierungen und Depravationen zum ‚dynamischen’ Zufallsresultat dessen zusammenschießen, was sich den Beteiligten dann jeweils aus den von ihnen repräsentierten Blickwinkeln, die ebenso viele Facetten des sich auf diese Weise mittels Kommunikation als Gebilde konstituierenden und erhaltenden Gebildes als Welt darstellt, als Lebensraum, der sich in der Zeit so oder so verändern kann aufgrund von unablässig in ihn aus den verschiedenen Perspektiven in ihn eingespeisten Impulsen, deren Gesamtresultante dann aufgrund eines nicht ohne Weiteres vorhersehbaren und auch in niemandes Verfügung stehenden Vorgangs jeweils das ausmacht, was im Durchgangspunkt des auf der Zeitlinie mitlaufenden ‚Jetzt’ sich ergibt, ein vorauszusetzender Istzustand, zu dem die darauf gerichtete Reflexion im Verhältnis einer unaufhebbaren Nachträglichkeit steht, der also zu dem Zeitpunkt einer ‚idealisiert’ hypostasierten vollständigen Erkenntnis – die ihrerseits in Frage steht als mögliches empirisches Ereignis – mit Sicherheit bereits nicht (mehr) existiert und ersetzt ist durch einen anderen, auf ihn folgenden, der die unerkannte Grundlage der im Zeichen und Verhältnis der Nachträglichkeit zu ihrem Gegenstand sich ‚verhaltenden’ Reflexion bzw. Erkenntnis. Dieses Verhältnis von Zeit und Erkenntnis ist für die Sozialwissenschaften möglicher Weise noch gar nicht genügend gewürdigt und erforscht, und man mag nach Leistungen suchen, die für die Naturwissenschaften solche Verhältnisbestimmen erbracht haben wollen, um zu sehen, was sich daraus, falls sie übertragbar sind, für die Sozial‑ und Geisteswissenschaften bzw. die Kulturwissenschaften machen lassen kann.

Es ist zu beachten, dass auch die Individuation ständig – wenn sie es denn dahin bringt – unter dieser Regel so gut wie diesem Verhängnis, neutraler (weil es Leute gibt, die darauf dressiert sind, die pathischen Aspekte dieser Existenzbedingungen auszublenden im Interesse der ‚reinen Erkenntnis’ jenseits der ‚Werturteile’, und gelernt haben, das für so unbezweifelbar richtig zu halten, dass sie sogleich mit einem Reflex reagieren, der vor allem ihr aus den Fugen geratenes konditioniertes Gleichgewicht wieder herstellt, im Namen der ‚Wissenschaft’ natürlich, deren Hüter und Protagonisten sie zu sein beanspruchen) der Bedingung steht, die durch die Nachträglichkeit des Urteils im Verhältnis zu dem Beurteilten gesetzt sind. Streng genommen wissen wir bestenfalls immer erst nachträglich, wer wir waren, und was gewesen ist, und auf dieses Verhältnis gründen wir das, was wir meinen, erwarten zu dürfen. In welchem Verhältnis stehen also unsere Antizipationen zu dem, was wir sind und der Reflexion bzw. zu dem damit gesetzten Verhältnis von Gegenstand und Urteil?

Freitag, 3. Juli 2009


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