Romantische Landschaft mit Menschenopfer

Romantische Landschaft mit Menschenopfer
Weißt Du wieviel Wolken gehen weithin über alle Welt...
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Sonntag, 13. Dezember 2009


Der Mord als ‚Schöne Kunst’ betrachtet.

Thomas de Quincey liefert mit dem Titel seines gleihnamigen Buches ein Stichwort für das Verhältnis der Bildung zu den modernen Humanwissenschaften (Psychologie, Soziologie und Therapeutik), je deutlicher sie zu Funktionen einer wissenschaftsgestützten Bearbeitung der unterworfenen und auf Reflexe reduzierten Subjektivität mittels Techniken der Gehirnwäsche, zu der die wissenschaftliche oder die wissenschaftsgesteuerten Ausbildungen immer mehr degenerieren unter dem Druck ihrer mehr oder weniger unmittelbar eingreifenden politischen und privaten Auftraggeber. Privatisierung der ‚Wissenschaft’, Wissenschaftsförmigkeit als Propaganda‑ und Manipulationsinstrument, in der Fomr der Instrumentalisierung der wissenschaftlichen Form als bloße Hülle zur Durchsetzung von Geschäfts‑ oder politischen Interessen. Verfügbarkeit von Wissenschaft für jeden Auftraggeber im Prinzip. Da aber nur die potenten Geldgeber in Frage kommen, bedeutet das faktisch eine Reduzierung von Wissenschaft auf die bloße Form und die Unterordnung der wissenschaftlichen Form unter Machtinteressen. Das ist der Grund dafür, warum es keine den objektiven Interessen des Einzelnen an seiner Orientierung gibt, sondern nur die statistische Verarbeitung der an ihm abgelesenen ‚Reaktionen’ und ‚Verhaltensweisen’ – ganz ohne Rücksicht auf die je für diese in Betracht zu ziehenden Gründe, die ohnehin dem totalitären (wissenschaftlich begründeten) Verdacht der bloßen Rationalisierung unterliegen, von dem mit den Mitteln derselben ‚Wissenschaft, die ihre Objekte diesem rücksichts‑ und ausnahmslos unterwirft, die als ihre Subjekte auftretenden ‚Wissenschaftler’ so gut wie ihre politischen und administrativen oder finanziellen Auftraggeber aus der Geschäftswelt, die ihre eigentlichen Adressaten sind, ganz selbstverständlich ausgenommen sind nicht nur, sondern die vielmehr, ohne dass die Bezeichnung eigens fällt, als Elite selbstverständlich nur als Subjekte dieser Wissenschaft, oder besser dieser ‚Wissensform’ (denn darum handelt es sich durchaus) in Betracht kommen, während ihre politischen Auftraggeber in Verwaltung und Wirtschaft quasi exterritorialen Status erhalten, so wie etwa nach der Psychopathologie der Nazieliten oder der Mediziner, Psychiater und Psychologen nicht gefragt werden kann, die den Massenmord angeordnet haben, als Handelnde, oder die die Diagnosen stellten, die gleichbedeutend waren mit dem Todesurteil. Entsprechend wird nicht auf die Geschichte der Institutionen und der in ihnen Handelnden gefragt, so wenig wie nach dem Problem der Kontinuität, das etwa in der Form sich stellt, dass dieselben Diagnosen bzw. dieselben ihnen zugrunde liegenden Prinzipien der organisierten Verwaltung und der ‚wissenschaftlichen Herangehensweise’ gleichermaßen jeder Form der organisierten Gewaltherrschaft in Ost und West wie der gegenwärtigen institutionalisierten Form der mittels ihrer legitimierten Menschenbehandlung zugrunde liegen, während gewissermaßen zufällige Umstände bestenfalls dafür geltend gemacht werden können, wenn ihre Konsequenz nicht der sonst ganz gewöhnliche und durch sie legitimierte Mord ist oder sein kann, ganz so wie jede andere Verfahrensweise gleichsam nut zufällig an sie anschließt, so dass es also jederzeit möglich ist, die aus ihnen abgeleiteten Konsequenzen für die Objekte dieser ‚angewandten Wissenschaften’ nach Belieben zu ändern, insofern sie stets durch Verfahren legitimiert werden können, durch Verfahren, von denen eines die Form der ‚Gesetzgebung’ hat. Überhaupt scheint die ganz offensichtliche Ausklammerung des Geisteszustands der Eliten selbst, den die Psychiatrie oder auch die Psychoanalyse doch zu betrachten hätten, sei es auch im Nachhinein, falls die organisierten Gewalten sie daran gehindert haben sollten, das im auftretenden und in den Blick geratenden aktuellen Fall sogleich zu tun, insofern die Selbstreflexion bzw. die Selbstreferentialität des Paradigmas, das vor der es verkörpernden Personalgruppe jedenfalls nicht von sich aus Halt macht, einerseits, und die grundsätzliche Rekursivität, die auch in der grundsätzlichen Intersubjektivität, also dem Umstand steckt, dass alle diagnostischen Größen und Befunde grundsätzlich relationaler Art sind – was die Neurologen und die Genetiker gern aus der Welt schaffen würden; auch das kann die Attraktivität eines Wissensparadigmas zum guten Teil erklären – jeden Versuch der Verschanzung hinter ‚Kompetenzen’ und Zertifikaten, wissenschaftlicher Expertise und anderen, gröberen Machtstrukturen, von denen Organisation, Berufspolitik, politische oder finanzielle Machtexekution die hervorstechendsten sind, während der Ausschluss vom Zugang zu legitimer Inanspruchnahme des prinzipiell aufgrund seiner Form als Wissenschaft jenseits jeder anderen Einschränkung als der, die die Fähigkeit des Verstehens einer nachvollziehbaren Erklärung bietet, teils subtiler organisiert werden kann, unter anderem in der zeitlichen und sachlichen Dimension durch ‚Wissenschaftsfortschritt’, also jene undurchsichtig gemachten bzw. sich selbst undurchsichtig gemachten Prozess der Bearbeitung des Wissens, seiner sprachlichen Formen und Befunde, die dieses auf eine Weise in Bewegung halten, die den nachlaufenden Lernprozess einer Öffentlichkeit zu verhindern imstande sind, die sich darüber informieren will, wie der Stand der Dinge jeweils ist. Derart kann ‚Wissenschaftsfortschritt’ u. a.. auch darin bestehen, dass angestrengt statt dessen etwas anderes thematisiert wird, oder dass Wissen, das schon einmal zur Verfügung stand, einer subtil organisierten ‚Veralterung’ oder ‚Überholung durch neue Forschungsergebnisse’ organisiert unterzogen wird, so dass ein Wissenschaftsparadigma nicht etwa wegen seiner Unfruchtbarkeit oder angesichts neuer, von ihm nicht zu integrierender Ergebnisse verschwindet aufgrund einer ‚wissenschaftlichen Revolution’, sondern weil sein problematisches Potential darin besteht, dass es ausgesprochen unliebsame Konsequenzen in Form von Erkenntnissen mit sich führen müsste, falls diese Potentiale wirklich in eine ihnen – und nicht heteronomen politischen und organisierten bzw. wirtschaftlichen Interessen - sich fügende entsprechende Forschung eingebracht und von ihr entfaltet würden.

Das Problem ‚wissenschaftlicher Revolutionen’ bzw. von ‚Paradigmawechseln’ ist im Bereich der Sozialwissenschaften, der Ökonomie und der Psychologie so wenig untersucht wie in den anderen Human‑ bzw. Geisteswissenschaften (den ‚moral sciences’ und etwa der Pädagogik), wenn man von diesen die Mathematik einmal ausnimmt. Ohne weiteres ist denkbar, dass diese nicht ohne Weiteres und ganz selbstverständlich rein innerwissenschaftlichen Impulsen folgen, die sich aus der Forschungsdynamik selbst ergäben. Man wird – nicht ersat angesichts des Problems, das in den USA inzwischen unter dem Titel ‚junke science’ notorisch geworden ist, davon ausgehen können, dass, je größer der Einfluß von Verwaltung und Politik oder Wirtschaft auf die Human‑ und Geisteswissenschaften ist, desto weniger folgt der ‚Wissenschaftsfortschritt’ ausschließlich wissenschaftsimmanenten Kriterien und Determinanten. Man kann diesen Einfluss auch erkennen. Er ist am Wechsel der terminologisch dominanten Bezeichnung erkennbar, die sich als führende zur Kennzeichnung der Art dieser Dynamik durchsetzt. So ist z. B. kaum davon auszugehen, dass der Wechsel von den zunächst in den siebziger Jahren noch immer vorherrschenden Terminus ‚Wissenschaftsfortschritt’ zu dem scheinbar neutraleren ‚Wissenschaftsentwicklung’, denen dann die systemtheoretisch inspirierten Erläuterungen der Vorstellung folgten, die man sich von dieser Entwicklung zu machen hatte, ein Hinweis darauf, dass Wissenschaft selbst einem Vorgang der Planung, des Design unterworfen worden war, der die Richtung dieser Entwicklung zu lenken versuchte. Darin aber ist der politische ‚Wille’ unmittelbar greifbar. Aber n icht einmal bei der Physik als Form der modernen Großforschung unter den Auspizien der vergangenen Kriege war einfach wissenschaftsimmanente Entwicklung so der Fall, wie die Wissenschaftsgeschichtsschreibung des Faches das noch immer gern darstellt, und wie die schon früh auf ‚Nutzung der Atomenergie’ zielende Forschungsförderung hinreichend zeigt. Besonders die Geschichte der Weimarer Republik kann als Vorfeld der Konfiguration von bereits latenten Verfeindungszwängen betrachtet werden, die der Scientific Community der Zwischenkriegszeit noch einmal eine Blüte der internationalen Diskussion bescherte bevor die sich abzeichnenden politischen Frontstellungen der in die Kriegsvorbereitungen übergehenden Staaten der späteren kriegführenden Mächte diese Kommunikation zum Stillstand brachte und zum Teil auch ‚Frontwechsel’ erzwang, wie die Vertreibungs‑ und Exilgeschichte unter Wissenschaftlern und Intellektuellen in Deutschland zeigt. Diese Überlegung ist also nicht mit der alten, ihrerseits schon irreführenden Fragestellung nach ‚Fluch und Segen’ von Wissenschaft bzw. ‚wertfreier Forschung’ mit problematischem Übergang in die Anwendung gleichzusetzen. Es gibt vielmehr immer deutlichere Hinweise darauf, dass die Akkumulation des Wissens selbst und die Entwicklung von bestimmten Wissensparadigmen inzwischen sowohl der Wissenschaft selbst als auch den Interessen, denen sie dient, bestimmte dieser Formen und bestimmte der sich aus ihnen ergebenden Ergebnisse bzw. ganz ungenutzte Potentiale, die nicht zufällig nach Art toter Flussarme stillgelegt, dann trocken gelegt und endlich stillschweigend per Beschluss der Verwaltung oder auch durch passive Renaturierung wieder begrünt und der Verwilderung überlassen werden, damit Gras und Gebüsch über die Sache wächst, während der ‚mainstream’, hier ganz treffend bezeichnet, nicht zuletzt aufgrund von eigens dafür getätigten Großinvestitionen und massiver Baggerarbeiten mit schwerem Gerät aus den Maschinenfabriken der staatlich bezuschussten Großindustrie, scheinbar aufgrund seiner Eigenträgheit und Eigendynamik in eine ganz andere Richtung weiter fließt, so dass zugleich dafür gesorgt werden kann, mit den Mitteln der organisierten Großforschung und dem Zwang zur Drittmitteleinwerbung (etwa bei der Max Planck‑Gesellschaft oder dem Fraunhofer‑Institut), dass der mainstream nicht zufällig oder gar beabsichtigt etwa erneut in der Richtung ‚mäandert’, aus der er gerade mit so großem Forschungsaufwand an Eliteuniversitäten abgelenkt wurde, insofern natürlich auch der eigens dazu eingeführte Begriff der Elite durch die politischen Interessen und organisierten Interessen an der Beherrschung der Biomasse des Homo sapiens in einer globalem Welt und mit globalisierten Mitteln den Zweck hat, den Zugang zum ‚richtigen Wissen’ zu lizensieren im Sinne der sozialpsychologischen Lenkung der nachwachsenden Generationen – die dazu veranlasst werden sollen, durch die Einführung von Kontrollen und Beschränkungen und Ausleseverfahren darauf aufmerksam gemacht zu werden, dass jede idiosynkratische Regung das Risiko des Ausschlusses auf jeder beliebigen Stufe ihrer sogenannten ‚Qualifikation’ bedeuten kann, was das Resultat, die Erwartung, dass die Klügsten das auch am schnellsten und am besten verstehen, wie man an ihren Lernerfolgen und ihren Klausurergebnissen sehen kann, dann kaum enttäuschen dürfte, während die enttäuschten Erwartungen sich im Jenseits der durch den Begriff der Elite abgesteckten Raum nicht einfach diffus sammeln, sondern zugleich in einer Weise, die diese Sammlung gerade wirksam verhindert, indem sie sie derart fein abstuft und die jeweiligen Teilsegmente dieser Abstufung durch ihre beliebig vermehrbare Parallelisierung in je eigenen, gegenüber anderen (Ausbildungsgängen abgeschotteten) Threads auch nebeneinander in einer Weise anordnet, die die ausgeschlossenen Individuen auf sich selbst zurückwirft, indem sie sie dazu zwingt, den über sie verhängten Terror aufgrund der Perfektion seiner versachlichten Rationalisierung und aufgrund seiner rationalen, dem Ausgeschlossenen unausweichlich als sein eigenes Versagen vorgeführten Anerkennungszwang zu internalisieren als je eigene, individuell zu übernehmende und zu ratifizierende Minderwertigkeit. Die Abstimmung der entsprechenden wissenschaftlichen Begleitforschung auf diese Zielbestimmung ergibt sich zwanglos aus dem Selbstbewusstsein von Eliten, die diese Forschung betrieben, ein Selbstbewusstsein, das einerseits auf dem je individuell errungenen Erfolg und der Zugehörigkeit zur Elite beruht, ohne indessen ganz zwanglos zu sein, insofern die Aufgabe jeder Fraktion dieser Elite u. a. ist, das Selbstbewusstsein der Elite als Ganze nicht zu untergraben, um das Mindeste zu sagen, oder, um mehr zu sagen, die Stützung dieses Selbstbewusstseins zu besorgen dort, wo gesellschaftliche Ungleichheit sich auf Rationalisierungen stützen muss, die gerade von den jeweils angewandten Techniken und Strategien der wasserdichten Stratifizierung von Massengesellschaften in einem wissenschaftlich‑technischen Zeitalter geliefert werden müssen, insofern, um durch den Vergleich das Gemeinte besser zu beleuchten, die katholische Gnadenwahl oder protestantische Idee der Erwähltheit, die der Erfolg sozialdarwinistisch wie theologisch beweist – was bedeutet, dass die am Ende ausgerotteten Menschen‑ und Tierarten nicht erwählt waren, die Fortschritte der Zivilisation zu überleben, was ihre Überflüssigkeit wiederum hinreichend ebenso belegt wie ihre Minderwertigkeit und ihre Qualifikation als ‚inkompetent’ bzw. überflüssig vom Anfang aller Dinge an praktisch (pragmatisch, um es wissenschaftlich und philosophisch im Sinne des entsprechenden Paradigmas auszudrücken) beweist. – nicht mehr hinreicht, um die soziale Stratifikation, zumal von Oben herab zu legitimieren, und es wirksamer ist, die Ausgeschlossenen und derart mittels Internalisierung Unterworfenen davon zu ‚überzeugen’, dass die minderwertig sind, um mittels dieser sozialtechologischen Technik eine entsprechende Selbststeuerung des damit ansonsten frei sich selbst überlassenen Individuums bewirken zu können, eine Technik also, die aufwendigere Steuerungstechniken überflüssig macht oder auf residuale Funktionen beschränkt. Ein Strafgefangener ist teuer als ein Sozialhilfeempfänger oder als ein Arbeitslosenhilfeempfänger, der sich im Übrigen an die ihm zugewiesene Stelle im sozialen System begibt und dort entweder verharrt oder alles, aber alles ausschließlich legale und von ihm nach Bedarf Verlangte tut, um diese Position wieder verlassen zu können um sich wiederum an dem ihm dann zugewiesenen sozialen Ort zu begeben und dort zu verharren usw., während alle Formen der Abweichung von diesem Paradigma der konformen Einordnung der Definition nach auf Defekten beruhen müssen, die so oder so – meint: Im Guten oder Bösen – auf die sozial ‚vorgeschriebene’ Form gebracht werden müssen, mit mehr oder weniger ‚weichen’ oder härteren Techniken, die von der Entgiftung des Süchtigen, der Beratung von Suizidanten, über die juristische und den Strafvollzug organisierte Disziplinierung bis zur zwangsweisen Ausgliederung aus dem sozialen System als Ganzem reichen, unter denen die Liquidierung des Individuums derzeit in Europa zunächst noch verpönt ist, während das weltweite Beispiel des in Hinsicht auf die Anwendung von Sozialtechniken der Außensteuerung bei Nutzung der Innensteuerung als Hilfsmittel der Außensteuerung am fortschrittlichsten organisierten politischen Systems der USA vermutlich auch in dieser Hinsicht in the long run die entsprechende ‚Modernisierung’ erwartbar sein lässt.

Finanziell am günstigsten ist offensichtlich der spätestens in der Adoleszenz begangene sozial kostengünstige und sozial unauffällig Suizid, etwa mittels eines Fahrzeugs, obwohl das Probleme aufwirft, die andere, ‚Unbeteiligte’ im Mitleidenschaft zu ziehen vermögen. Absprünge von Brücken und Hochhäusern, Erhängen im Garten oder im Hinterhof sowie Drogenüberdosen (Alkohol oder sonst verfügbare, in hohen Dosen tödlich wirksame Nervengifte sind hier sozial gesehen das Billigste) sind gegenüber den Störungen des öffentlichen Verkehrs (etwa bei der Bahn oder im Straßenverkehr) ohne Zweifel die rücksichtsvollsten Varianten, während die in Mode kommenden Kombinationen von Selbstmord und Attentat auf die zunehmend unkonformistischer werdenden, sozial aggressiven Formen verweisen, ein Hinweis zugleich darauf, dass die Suizidanten offensichtlich zunehmend weniger sozialkonforme Varianten der Selbstabschaffung wählen, und auch darauf, dass die vor allem staatliche Erziehung nicht konsequent genug darauf hinwirkt, dass das betreffende Individuum die jeweils richtige, seinem Unbewussten suggerierte Konsequenz aus den sozial bevorzugten Übernahmetechniken in Bezug auf das Problem der Verantwortung für die je eigene minderwertige und sozial nicht verwertbare Existenz zieht, sondern ganz offensichtlich dazu zu neigen beginnt, dem sozialen Umfeld bei seinem Abgang eine Mitteilung darüber zu hinterlassen, dass es nicht ganz einverstanden zu sein und gewillt scheint, das mit dem Übernahmezwang für das über es von dem Kollektiv, dem es angehört, wollend oder nicht, verhängte Urteil über es verbundene Todesurteil an sich im Sinne des von ihm verlangten Konformismus zu vollstrecken. So dass es zwar einerseits das Urteil an sich vollstreckt, andererseits aber dagegen in der Form protestiert, die sich in der Inanspruchnahme des ganz anonym – und insofern auch ganz richtig – verstandenen sozialen Feldes für die Aufführung der Urteilsvollstreckung zeigt, und darin, dass dieses Feld als solches, als anonyme Größe bewusst und vorsätzlich in Mitleidenschaft gezogen wird, eine Form der Inanspruchnahme anonymer Anderer, die der je eigenen Anonymität, und der Anonymität des gegen es ergangenen Urteils reflektiert.

Ohne Zweifel stellt der protrahierte Suizid und die Ambivalenz des Alkoholikers gegenüber sowohl dem Leben als auch dem engeren und weiteren sozialen Gefüge, nicht zuletzt auch der mit dem Alkoholismus nicht kompatiblen Industriestruktur und dem Verkehrswesen, eine besonders sozial in jeder Hinsicht besonders aggressive Art der Auseinandersetzung mit dem sozialen Umfeld mit den Mitteln der Selbstzerstörung dar. Das erklärt zu einem guten Teil die sei es auch unterschwellige Ungeduld des mit seinem selbst verschuldeten Schicksal befassten Personals, das ungeachtet der ‚Anerkennung’ des Alkoholismus als Krankheit stets wieder auf die Position des gesunden Menschenverstandes zurückzufallen droht, und derart dann zu der Ansicht kommt, dass das Ausmaß der Verursachung von Kosten für das Gemeinweisen eigentlich eine Unverschämtheit sei, der es endlich jedes Entgegenkommen zu verweigern gälte. Merkwürdig genug geht dabei gewöhnlich das Bewusstsein verloren, dass dasselbe Personal davon seine Selbsterhaltung bestreitet, dass der Alkoholiker diese Kosten verursacht und eine Sozialgemeinschaft dafür aufkommt, die die Gehälter und die soziale Sicherung dieses Personals finanziert.

Zähneknirschend – oft unter allen Anzeichen persönlichen Beleidigtseins - wird angesichts des zu erwartenden und gewissen Misserfolgs bei dem Versuch, dem Alkoholiker sein Verhalten ‚abzugewöhnen’ (So jedenfalls lassen sich die gewöhnlich ‚verhaltenstherapeutisch’ inspirierten Maßnahmen zusammenfassen, die an Körper und Geist des Alkoholikers gewöhnlich vorgenommen werden, und zwar selbst dann, wenn man davon absieht, dass sich hinter dem meist angelernten Jargon meist kaum mehr als ein ganz alltägliches, aus der Volksethnographie zu entnehmendes Erziehung verbirgt, das gewöhnlich nicht auf die Frage hin untersucht wird, inwieweit oder ob es nicht selbst als Mitursache für das derart behandelte ‚Verhalten’ in Frage kommt.), mit Routinen weitergemacht, deren Grundlage eher ein unreflektierter ‚Erziehungsstil’ ist als eine wissenschaftlich angeleitete und reflektierte Überlegung. Zustande kommt der Konsens, auf dem die dann tatsächlich, jenseits der nach Außen gewendeten Terminologie und den in sie eingehenden Kompetenzprojektionen, mit denen sich Öffentlichkeit und Verwaltung ebenso wie die Akteure der ‚therapeutischen Praxis’ selbst beruhigen, durch eine Interaktion zwischen den beteiligten professionellen Akteuren, die sich am Ende auf ein gemeinsames Verständnis dessen einspielt, was den Betrieb mit einem Minimum an die Routinen störenden Aufwand ‚am Laufen hält’. Dabei setzt sich das ‚wissenschaftlich elaborierte Verständnis des Problems erst in letzter Linie mit durch, und zumeist in der Funktion der Absegnung dessen, was auf den darunter liegenden Ebenen ohnehin geschieht und nicht verhindert, sondern bestenfalls hinterher, nachdem es sich schon als das Faktische durchgesetzt hat, ‚analysiert’ werden kann. Der Kündigungsschutz sorgt für alles Übrige und dass es so bleibt. Unversehens begegnen sich die sozialen Verlierer und die Verlierer unter den Gewinner an der tektonisch kritischen Zone des sozialen Gefüges wieder, mit der Konsequenz einer erneuten Bestätigung ihres sozialen Status als ‚underdogs’ unterhalb der untersten Schicht der Partizipation, den das Hilfspersonal in den Kliniken gewöhnlich repräsentiert, insofern sie gewöhnlich nicht nur nach Maßstäben der sozialen Umgebung, die die Einrichtungen sind, als die schlechtest bezahlte und am meisten belastete Personalgruppe darstellt.

Dem korrespondiert dann zwanglos und selbstverständlich (gewöhnlich unter Hinweis auf den dazu gerade recht kommenden Mangel an Zeit) die Weigerung, sich in den Kranken hinein zu versetzen, um ihn zu verstehen, was angesichts des Risikos, das eingeht, wer es versucht, kaum verwundert, bekäme er doch eine ganz andere oder vielmehr dieselbe, ihm vertraute Welt auf eine ganz andere Art und Weise zu sehen, wobei sich aufgrund, des Umstands, dass das, was man so leichthin Wirklichkeit nennt, als handele es sich um eine einfache Komplexion von Wahrnehmungen, die ‚quer durch die Bank’ mit einer bemerkenswerten Scheinnaivität, die es ‚faustdick hinter den Ohren hat’ und davon ausgeht, dass das von der oder als Welt jeweils Wahrgenommene für jeden ‚normalen Menschen’ sich als Dasselbe unterstellt, seinen Zusammenhalt durch Werturteile erhält, die man als Konstituentien der Wirklichkeit desto weniger vermutet, je einseitiger die Ausbildung an naturwissenschaftlichen Analogien befestigt worden ist, oder je mehr jede wirkliche reflektiert angeleitete Einsicht (im Gegensatz zum auf Knopfdruck auswendig Hergesagten) in das Problem fehlt, ob wissenschaftlich erworben oder alltagspraktisch eingelebt. Die Routine entspricht einem Abwehrmechanismus, der sich recht gut dazu eignet, einen Alltag seitens des Personals ebenfalls mit einem Minimum an affektiven Kosten zu bewältigen ohne dass dabei die angelernten, auf Knopfdruck zu reproduzierenden Topoi eines ‚professionellen Verständnisses des Problems’ verloren gehen, die bei Bedarf aktiviert und aufgesagt werden können. Derart wird jenseits der entstehenden Affekte, die den Alltag doch konstitutiv durchziehen, auch in der Form von Zynismus und Sarkasmus, ironischer Distanzierung und Spott usw. mit Verwaltungsroutinen weiter gemacht, gewöhnlich ebenso im offiziellen Verkehr des Personals untereinander, mit den Klienten oder mit der Verwaltung, der dieser Art die Eigenart der Kompetenz vorgeführt wird, dass ein Jargon sich einspielt, der zugleich das Verständnis des ‚Phänomens’ im Sinne seiner angemessenen ‚Einschätzung’ darstellt und die Notwendigkeit seiner Unterordnung unter die Vorgaben vor allem der Finanzveraltung und die von ihr durchgesetzten allgemeinen Formen der verwaltungstechnischen Handhabung des Problems erkennen lässt.

Nicht zufällig wächst das Verständnis für den Patienten mit dem sozialen und entsprechend auch dem durch die Vorbildung konstituierten Abstand von ihm. Psychopathologisch trennt die an der tektonischen Grenze arbeitenden Personalgruppen und die Klienten zumeist nicht so sehr ein Unterschied von Bildung und Herkommen als vielmehr eine je unterschiedliche Resultate derselben sozialen Dynamik, die mit den Siegern der sozialen Kämpfe um Selbsterhaltung eben auch die sozialen Verlierer in diesem Kampf generiert entsprechend einer Mechanik, von der man sich zwar fragen kann – als gäbe es darauf nicht schon verfügbare Antworten – wie sie im jeweiligen Einzelfall zur Wirkung gekommen sind oder weiter wirken, nicht aber, dass oder ob sie, aufs Ganze gesehen, tatsächlich existent und wirkend sind. Die oft hauchdünne Differenz, die die Richtung der Entwicklung der individuellen Biographien voneinander in einem sozialen Feld trennt, dessen magnetische Feldlinien sich an der tektonischen Grenze, die sich in den Einrichtungen zugleich als Berührungslinie zwischen den Feldern konstituiert, umkehren entsprechend einer generellen Bifurkation, die den Gegensatz der positiven und der negativen Richtung der Sozialbiographien manifest werden lässt im sozialen Kraftfeld des unablässigen Gewoges der Übertragungen, die die Kommunikation und die Interaktion derart transportieren, dass sie sich dem Bewusstsein der Beteiligten gewöhnlich entziehen, während sich dieses an den Resultaten der davon verursachten Wirkungen ausrichtet und dem entsprechend in einem Sinne lernt – in jedem Fall – dessen Erfolg sich an der Art der Bifurkation aufs Ganze gesehen ablesen lässt, bewirkt zugleich ein hohes Maß an Virulenz der beteiligten affektiven Lagen, und zwar auf beiden Seiten der Grenze. Steht einerseits vor Augen, wie hauchdünn das Entkommen gewesen sein mag, so steht andererseits dasselbe vor Augen, nämlich, wie wenig – wenn überhaupt Greif‑ und Begreifbares – den endgültigen Misserfolg vom gerade noch erreichten Erfolg trennt. Buchstäblich fällt selbst dem Ungebildetsten wenigstens intuitiv, auch ohne dass er einen geeigneten Ausdruck dafür findet, auf, dass der Zufall ganz buchstäblich über ein Leben entscheidet, also das gänzlich Irrationale, keiner Gerechtigkeit Zuzuführende maßgebend gewesen sein kann für die Art der Existenz, in der ein Individuum sich eingeschlossen fühlen mag wie an einem geschlossenen Ort ohne Türen. Man muss sich schon eine Vorstellung machen können von den unmenschlichen Qualen zu denen Existenzen verurteilt sein können, die sich ihr inneres Gefängnis nicht nur mittels eines Vorgangs ganz gewöhnlichen Lernens – man verwechselt das gern mit dem Urteil, das über das Resultat eines solchen Lernprozesses sich ergeht, indem es festhält, der Betreffende habe eben nicht gelernt, obwohl er anders gekonnt hätte usw., macht also in einem im Ganzen einheitlich zu verstehenden Feld einen prinzipiellen Unterschied auf zwischen denen, die fleißig und erfolgreich – gar aufgrund besonderer Begabungen – gelernt haben, und solchen, die nicht gelernt haben, sei es aufgrund mangelnder Lernfähigkeit, Begabung oder Willen oder Bereitschaft usw. Diese Betrachtung lässt sich vor Occhams Messer nicht rechtfertigen und belegt nichts anderes als den Status derartiger Ansichten, und im Falle es wissenschaftlich fundierte sein wollen, den Status und Stand der entsprechenden Wissenschaft. Richtig im Sinne des ‚hypotheses non fingo’, dem Prinzip, keine überflüssigen Hypothesen zu erfinden, ist es vielmehr, hier durchweg und einheitlich entsprechend der Notwendigkeit, die Einheitlichkeit des Objektbereichs wissenschaftlich zunächst einmal zu begründen und zu sichern, die Einheit eines Prinzips auf alle Erscheinungen anzuwenden, und dem entsprechend davon auszugehen, dass entweder alles Lernbare Lernprozessen verdankt ist und auf sie zurückzuführen, oder nichts. Es entspricht der Technik der Epizykelbildung zu behaupten der eine habe eben gelernt und der andere nicht, und das erkläre die Unterschiede etwa einer sozialen Lage, insofern diese eben Lernen belohnt. Ebenso schräg ist die Hilfshypothese, dieser habe eben ‚das Richtige’ gelernt und jeder ‚das Flasche’ oder wenigstens ‚nicht das Richtige’. Man mag solche ‚Erklärungen’ auf der Ebene eines Alltagsverstandes für akzeptabel halten, der es für unproblematisch hält, das Betreiben von Wissenschaft und das Recht auf Selbsterhaltung (der jedes Mittel recht ist, wenn es nur den Erfolg sichert oder zeitigt) gleich zu setzen. In der Tat ist es diese Konfundierung, die längst Eingang und Legitimität in der organisierten Wissenschaft gefunden hat, die den gegenwärtigen Zustand einer Wissenschaftlichkeit zu charakterisieren erlaubt, und auch ihre Fortschritte besser verstehbar macht, die zugleich das Zurückbleiben der Wissenschaft selbst hinter dem Stand des potentiell verfügbaren Wissens, eigentlich, hinter der durch das verfügbare Wissen bereits konstituierten Welt erklärbar macht, damit zugleich aber auch, warum dieses regressive Erscheinungsbild, das der Politik inzwischen bereits als Alibi und Rechtfertigung für die gegen die noch vorhandenen Potentiale vorgetragenen Angriff und die darin erkennbaren Liquidationsabsichten, sich mit wachsend beschleunigter Geschwindigkeit in eine immer widerstandsloser und immer bereitwilliger der Politik entgegenkommende Bereitschaft zur Prostitution der Sozial‑ und Geisteswissenschaften gegenüber politischern und den Machtinteressen der neofeudalen Wirtschaftsgebilde transformiert. Es ist gleichbedeutend mit einer sich anbahnenden Bankerotterklärung einer in die Gefangenschaft von Machtinteressen geratenen, verbeamteten Wissenschaftlichkeit, deren ‚motivierendes’ Merkmal das Karriereinteresse ist, Sekuritätsstreben, das sich seine eigene Feigheit in die Kühnheit eines Überlegenheitsanspruchs umdeutet, der sich realisieren lässt nicht so sehr durch das unbeirrbare Interesse an einer wissenschaftlichen Durchdringung des Gegenstandsbereichs Gesellschaft und Mensch, als an einer Karriere im Bereich bestimmter Positionen in der sozialen Hierarchie. Die naive Unterstellung, die das Ganze doch tragen muss, am liebsten ohne zu erscheinen: Dass das eine mit dem anderen unter allen Umständen identisch sein müsse oder auch nur könne, bzw. zufälligen Parallelen entspräche ist so absurd, dass sie zu formulieren sofort klar machen muss, dass die interessierte Gleichsetzung eben darauf beruhen muss, dass sich der wissenschaftliche Geist gar nicht zutraut, was er können müsste, um tatsächlich zu der Elite zu zählen, deren verstreute Namen die Geschichte entfernt nicht so bedecken wie die Streusel einen guten Streuselkuchen, und kaum so, wie die im Kosmos verstreuten Galaxien des Kosmos, sondern weit seltener sind, so selten, dass die Finger an beiden Händen noch immer dazu ausreichen dürften, die ‚highlights’ zu symbolisieren, um die es hier geht.

Man muss sich zunächst eine Vorstellung davon machen können, wie unselbstverständlich der Gegenstandsbereich hier ist, bzw. wie unselbstverständlich seine Konstituierung im Bewusstsein des Wissenschaftlers ist. Dabei ist abzusehen zunächst von dem Umstand, dass es Bücher gibt, in denen steht, wie dies alles zu denken sei. Der Nachvollzug eines Gedankens ist selbst kein Gedanke, sondern nur dessen Nachvollzug. Zum Beispiel gibt es kaum mehr einen ‚Gebildeten’, der nicht meint zu wissen, was der Ausdruck: ‚die kopernikanische Revolution’ oder ‚die kopernikanische Wende’ meint. Und wer das nicht sofort weiß, ‚weiß’ doch, dass es ‚eine Tatsache ist’, ‚dass die Erde sich um die Sonne dreht und nicht umgekehrt’. In diesem Sinne kann man leicht meinen, um so vieles klüger zu sein als die Menschen etwa des vierzehnten Jahrhunderts, als diese glaubten, die Sonne drehe sich um die Erde, während man selber ‚weiß’, dass es umgekehrt ist. Aber was bedeutet dieses Wissen anders als das Glauben der Menschen des vierzehnten Jahrhunderts. Die Antwort lautet: Nichts, insofern diese ebenso glaubten, was sie lernten, wenn sie es denn lernten, und dasselbe gilt für die, die derzeit ‚das Umgekehrte’ lernen. In beiden Fällen beruht die kognitive Ansicht von der ‚Wirklichkeit’ auf demselben, nämlich dem Nachsagen lernen eines Vorgesagten, und der Trumpf, der dagegen aufbegehrt, mit der Begründung, diesmal sei es aber das Wahre im Unterschied zu dem seinerzeit bloß Geglaubten, ist in der Tat kein Kriterium, das das Wissen vom Glauben unterscheidet. Das ist die Crux aller Einführung in jede Wissenschaft, eine Crux, die sich um Vieles verschärft, wenn man den Abstand zu den unmittelbaren Lebensinteressen bedenkt, den der Sternenhimmel, auf den sich das Erörterte ja bezieht, und dem sich in keiner Weise weder ein Hinweis auf den einen Glauben und das andere Wissen unmittelbar entnehmen lässt, als bloßes Phänomen betrachtet, gegenüber diesen Lebensinteressen einnimmt. Gewöhnlich ist anderes zu hören. Die Lösung des offen vor dem Auge des Rindes, des Hundes wie des Menschen und seiner Artgenossen unmittelbarster Verwandtschaft liegenden Rätsels, das der Sternenhimmel darstellt (keineswegs: dargestellt hat, so als sei es gelöst) wird angesichts der Erfolge der Physik und der Mathematik, die sich an ihm in gewissen Hinsichten erprobten und bewährten als einzigartige Leistung jenseits jeder Vergleichbarkeit gelobt, nicht zuletzt angesichts ihrer ungemein profitablen technischen Begleiterscheinungen, die es erlaubten, die auf Menschen bezogenen Bereicherungstechniken und die der Anhäufung von Reichtum und politischer Macht über alles hinaus auszudehnen, was die Tradition der sogenannten Hochkulturen bisher aufzubieten hatte. Es liegt aber ebenso auf der Hand, ganz zwanglos zu verstehen, dass das dem Menschen aufgegebene ebenso oder noch offenkundigere Rätsel, das er nämlich, als das Subjekt dieses äußeren Vorgangs eines Verhältnisses zu einem Anderen, das seine Umgebung ist, die er sich als Welt derart aneignen konnte, in jedem einzelnen Exemplar der Gattung im Prinzip sich selbst darstellt, ebenso leicht zu übersehen oder sogar die darauf zu richtende Fragestellung ganz aus dem Blick rücken zu lassen, wenn man einmal unterstellt, dass es einen ganz unbezweifelbaren Zusammenhang gibt zwischen dem eben genannten unbezweifelbar außergewöhnlichen Erfolg der aus Naturwissenschaften, Mathematik und ihren technischen Ausläufern folgenden Möglichkeiten und Faktizitäten gibt und dem Interesse an einer sei es stillschweigend sich durchsetzenden oder mit Absicht abgeschnittenen Erforschung des Rätsels, das der Mensch als Kulturwesen, das dieses Potential in sich barg und aus sich entfaltete. Denn einerseits sind es doch nicht die Massenprozesse und die von ihnen nicht zu trennenden der Machtbildung, also auch nicht ihre jeweiligen Repräsentanten, die als ‚große Männer’ die Geschichtsschreibung nicht zufällig erobert haben, eben weil sie zuvor schon stets die Macht an sich gerissen hatten, die sich als kontemporäre in ihrer jeweils ihr affinen ‚eigenen’ Vergangenheit am liebsten bespiegeln lässt und stets ein paar Büttel findet, die sich dafür bezahlen lassen, ihr die ihrem Selbstbewusstsein entsprechende Geschichte schreiben zu lassen. Und dabei ist es gar nicht erheblich, ob der eine oder der andere als der Gute oder als Bösewicht figuriert, insofern das sich jeweils als das Gute feiern Lassende das ihm entgegen gesetzte Böse konstitutiv benötigt, nicht nur um sich davon abzuheben, sondern um überhaupt zu sein, aber so, dass es zunächst, wie das Böse auch, als Macht und Gewalt ist, und dann erst sich das Attribut des Guten und dem Gegenspieler, den es in die Geschichte projiziert, weil er dort auf keinen Fall erfolgreich widersprechen kann, das des Bösen zulegt. Das Sein ist also zunächst das von Macht und Gewalt über Menschen, und dann erfolgt, jeweils von der Gegenwart her, die Beilegung von Attributen dieses Seins, wobei das Böse als dem Gewesenen, dem immer schon Überwundenen dem ‚war’ zugewiesen wird, und das Gute dem aktuellen Sein.

Das betrifft aber, wie immer sich ‚Wissenschaft’ dergleichen Bedarf entlang von Bedarfsanalysen für Wissenschaft und entlang von Finanzierungsbedarf für bezahlte Forschungsprojekte leihen oder verschreiben mag, gar nicht die Einsichten, um die es hier geht, wenn auf Wissenschaft als Tätigkeit, auf das Resultat eines Impulses verwiesen wird, der sich aus einer ganz anderen Einstellung ergibt, einer ganz anderen Grundhaltung, die weder mit dem Problem der Macht noch dem der Gewalt wirklich zu tun hat, strukturell gesehen, wie immer sie sich in Umgebungen finden mag, in denen die Macht und die Gewalt längst ihrerseits gelernt haben, sich dieser Haltungen zu bedienen oder sie nach Möglichkeit zu züchten für ihre Zwecke.

Man kann nun mit Fug behaupten, dass, was immer diese Züchtungen dann in den Reagenzgläsern der Macht und der Gewalt an Nützlichem für sie selbst ergeben, es sich jedenfalls dort, wo das offen zutage liegende Rätsel, das der Mensch ist als genau jenes Wesen, das imstande war, das offenkundige Rätsel, das der ganz unverborgene Sternenhimmel war und ist, einer Lösung näher zu bringen, das Interesse genau jenes Typus des Interesses findet, das sich auch dem Sternenhimmel in der Weise zuwandte, dass angesichts dieses Interesses alle Drohungen der Macht und der Gewalt wirkungslos waren, sich die Ergebnisse kaum mit denen zur Deckung bringen lassen werden, und sie bestenfalls als Grenzfälle einzuschließen imstande sein werden, die sich eben angesichts der Kontamination des Wissens mit Macht und Gewalt, oder angesichts der Berührung an den Grenzflächen des erst zu erschließenden Paradigmas mit denen der Macht und der Gewalt ergeben können, als Randphänomene. So gesehen kann man aber mit gutem Recht behaupten, dass die global herrschende Sozialtechnologie in ihren elaboriertesten Formationen wenigstens von dem gesuchten Paradigmas so weit entfernt sein dürfte wie die ptolemäische Astronomie von der relativistischen, wenn man hier überhaupt von den gemeinten Verhältnissen als ‚Abständen’ reden kann. Die Relation ist vermutlich anderer, in jedem Fall qualitativer Art. Das herrschende Paradigma beruht auf der primitivsten möglichen Stufe des menschlichen Bewusstseinsgrundes, dessen Außenseite die Magie ist. Magisch sind die Formen der Bewusstseinsverfassung, die unter dem Eindruck der übermächtigen Drohung vernichtender Gewalten resultiert. Die Regression ist das Ergebnis eines Lernprozesses, ohne Zweifel. Gleichwohl ist sie einem Resultat gleichzusetzen, das Lernen weitgehend ausschließt bzw. unmöglich macht. Unter dem Druck des über das Bewusstsein verhängten Terrors ist zwar ein Lernen möglich. Die damit gesetzten Selektionsfilter erzwingen aber – das muss man sehen – bei einem mehr oder weniger erheblichen Teil der damit traktierten Population regressive Lernprozesse, deren Resultate in einer dauerhaft eingeschränkten Lernfähigkeit resultieren, insofern die konstitutiven Strukturen des Bewusstseins diese behindern oder ausschließen. Auch lösen sich diese Strukturen nicht einfach von selbst wieder auf, wenn z. B. die Selektivitätsfilter anders gesetzt werden. Ein auf die Strukturen des magischen Denkens oder äquivalenter Formen regrediertes Bewusstsein hat diese Strukturen zwar aufgrund von Lernprozessen erworben, aber es kann sich nicht einfach nun entschließen, deren etwaige Resultate, deren offenkundigstes das lernpathologische Verhalten in einem ganz buchstäblichen Sinne wäre, angesichts veränderter (politischer) äußerer Umstände – etwa, weil gerade wieder einmal eine andere Partei am Ruder ist, die sich die Sache anders überlegt hat und für eine oder zwei Legislaturperioden andere formale Regeln propagiert, was angesichts der Eigenträgheit der bürokratischen Riesenmaschinen und angesichts des Umstandes, das die Menschen, die ihr Personal bilden, ja aufgrund der zuvor gesetzten Selektivitätsfilter in die Positionen eingerückt sind, nicht bedeutet, dass sie auch gelten oder sich zur Geltung bringen ließen. Man kann das am Beispiel von zwangsdemokratisierten Diktaturen recht gut empirisch nachprüfen: Den Schülern wird von dem übernommenen Lehr‑ und dem politischen Personal das gefälligst abzulegende Bekenntnis zur Demokratie eingebläut, ganz im Sinne des Geistes der sozialpsychologischen Substanz der Diktatur, die lustig weiter wirkt unter den neuen Formen. Das ist aber nur das am grobkörnigen Makrobeispiel aus der Erziehungswelt illustrierte Paradigma für ungemein subtile sozialpsychologische Prozesse, die das kollektive Lernen weitgehend unbewusst determinieren, und sich naturgemäß dann gerade dem Personal entziehen, das denn gewöhnlich den Auftrag erhält, gerade diese Strukturen zu ‚reformieren’, und prompt Neuauflagen seines eigenen Geistes gebiert und umsetzt. – nach Belieben und aus eigener Willensbestimmung und Reflexion abzulegen und durch ‚angemessenere’ zu ersetzen. Der Preis der Anpassung an die über das Bewusstsein verhängte Gewalt ist ja gerade die Regression, und deren Merkmal der Verlust einer Verfügung nicht nur über den reflektierenden Zugang zur eigenen Bewusstseinsverfassung, sondern der Verlust der Fähigkeit zur Reflexion überhaupt, insofern diese eben das Maß von Entlastung erfordert, das die notwendige – nicht die hinreichende - Voraussetzung dafür ist, dass sich Reflexion entwickeln kann, und damit die Möglichkeit zur Prüfung von Alternativen zu einer blinden Anpassung an den Schrecken und die Drohung. Die Verhaltenstherapie ist hier zweifelsohne die Methode der Wahl zur Abgewöhnung eines als ‚konditionierter Reflex’ eingestuften ‚Verhaltens’ z. B. von Alkoholikern. Sie setzt auf die Beibehaltung der Methode bei im Vertrauen auf einen Sieg bei dem Versuch, mittels dieser eine Umkehrung der Richtung dieses Verhaltens bewerkstelligen zu können, insgeheim also darauf, dem Klienten eine kostengünstigere Verhaltensweise aufzwingen zu können, während sie auf das Vertrauen in die eigene mehr oder weniger sublim eingesetzte Sanktionsmacht setzt und gegenüber den Auftraggebern darauf Kredit nimmt, das das funktioniert. Derart erklären sich erst die Wut und die Enttäuschung, die das Personal dann oft genug äußert: Es ist das Scheitern eines heimlichen Plans, der den Karrierismus der Therapeuten als altruistisches Motiv der Bereitschaft zur Hilfe einkleidet, und sich sogar eine eigene Rationalisierung erfindet dafür, wenn es daneben geht: Der Klient hat dem Therapeuten den Erfolg nicht gegönnt. Wie man sieht, läuft das alles immer wieder auf die alte Fabel des Apuleius vom Wolf und dem Lamm hinaus. Ist es ganz undenkbar, zumal angesichts dessen, was der Therapeut über sich selber wissen kann und die Grundlagen seines eigenen Lebenserfolgs, verglichen mit dem seiner Schulkameraden aus der Grundschule, dass der Erfolg zunehmend unwahrscheinlich ist aus strukturellen Gründen, eben deshalb, weil der Therapeut verkörpert was er verkörpert ohne es noch zu wissen oder wissen zu wollen? Angesichts des Umstandes, dass alle Menschen gewissermaßen von Geburt an potentielle Arbeitslose sind, und dabei noch günstig dran, denn es kann viel schlimmer kommen, ist kaum noch – außer durch eine wissenschaftlich unhaltbare ‚Blauäugigkeit’ – davon auszugehen, dass die den Individuen damit aufgezwungenen ‚Verhaltensweisen’ noch Raum lassen für Aspekte dessen, was einmal ‚das Soziale’ ausgemacht haben mag, das von einer Solidarität zehrte, dessen Substanz eine Zugehörigkeit zu einer mehr oder weniger überschaubaren Gruppe bildete, eine Substanz, deren Auflösung zum Programm von fortschrittlichen Sozialpsychologen erhoben wurde, als man den ‚ingroup‑outgroup‑Mechanismus’ als Hindernis für die beliebige Mischung von Belegschaften und die Teambildung – etwa auch in gemischtrassigen Kampfgruppen bei militärischen Einsätzen – entdeckte, also ein Hindernis der verwaltungstechnischen Kombination und Rekombination von ‚Humanressourcen’. Wie denn auch die ‚Teamfähigkeit’ einer der sozialterroristischen Trümpfe von absolutistischen Personalchefs bei Bewerbungsgesprächen wurde. Getretener Quark wird breit, nicht stark. Tatsächlich ist jede Form des Zusammenhalts sozialer Art ein Hindernis für diese Rekombinationsinteressen, und deshalb zum Untergang verurteilt, wie immer auch Politiker, die mittels einer ‚konservativen’ Klientel reüssieren wollen argumentieren für den Erhalt regionaler kultureller Eigenarten und andere Rückständigkeiten. Der Umstand schon, der die Gelegenheit dazu abgibt, für die Erhaltung zu optieren, ist schon der Beleg dafür, dass das Untergangskandidaten sind. Sie gleichen den Argumenten, die Arbeitsemigranten als ‚Gastarbeiter’ einführen, um endlich bei der Wahrheit zu landen, die die verleugnete Einwanderungspolitik endlich ratifiziert und gegen die Population durchsetzt, weil das politisch vernünftig ist angesichts der von der Einwanderungspolitik u.a. systematisch erzeugten Folgen, während die mit der ‚Begleitforschung’ beauftragte ‚Sozialwissenschaft’, deren asoziale und antisoziale Züge dazu beitragen, das von ihnen betreute Soziale aufzulösen in derselben Weise, in der die Politik der organisierten Interessen das tut - unter denen die Kirchen als Arbeitgeber im Verhältnis zu materialen Kriterien von wissenschaftlich und pädagogisch vermittelter Aufklärung bzw. der Verbreitung von Wissen und im Verhältnis zu ihrem angemaßten Auftrag der Führung der Gläubigen die scheußlichsten Perversionen zu bieten haben - die evtl. beobachteten Phänomene so zerlegt und segmentiert, dass ihre Berührung mit ihren sozialen und politischen Ursachen ausgeschlossen wird, wenn auch um den Preis einer Selbstverstümmelung, vor deren Skandal die Ahnungslosigkeit der jeweils aufeinander folgenden Studentengenerationen bewahrt, sowie die Unfähigkeit der betreuten Klientel von ‚Lernenden’ – die besser als Abzurichtende bezeichnet wären, wenn nicht die Gehirnwäsche das Faktum inzwischen besser und genauer träfe – anhand unabhängiger Kriterien dessen, was Wissenschaft sei, zu überprüfen womit sie es zu tun haben: Mit politischer Propaganda oder mit wissenschaftlicher Arbeit.

Eine derart stromlinienförmig von Generationen von Karrieristen im Zusammenspiel mit der von ihren sie kontrollierenden Verwaltungen betriebenen Politik geformte Wissenschaft, die durch die Individuen hindurchgreifend deren krude Bereitschaft blinder Akkommodation an wie immer ihr entgegen tretende ‚Imperative’ – von denen Habermas so gern spricht -, die ohne jede Prüfung ihres Verhältnisses zu dem, was Wissenschaft der Sache nach zu sein hätte, ihre Bereitschaft zu jedem ‚vorläufigen Kompromiss’ jedem Auftraggeber gegenüber vor sich her trugen wie eine Monstranz, sinkt endlich ab zu einer Sammlung von Phrasen und Gesten, rhetorischen Gebärden der nachgeahmten Form, von der endlich die Wissenschaftsförmigkeit als Kriterium für den von ihr erwarteten ‚content’ übrig bleibt, zu dem ja auch die übermittelten ‚Bedeutungen’ der Signalübermittlungstechnologien herabsinken, die sich sich selbst zu ‚Tele-KOMMUNIKATIONS-Unternehmen’ adeln und derart den Kulturputsch inmitten eines Gefüges ganz natürlich wirken lassen, als Bedingung des Erfolgs, der auf der Verwechslung von Signalfolgen, die gemäß einem Code zwischen Sender/Empfängern (Maschinen) ausgetauscht werden mit Kommunikation verwechseln (dem Austausch von aufeinander bezogenen Bedeutungen gemäß einem ihnen stets vorausliegenden Sinn.)

Längst sind die Individuen Produkte industrieller ‚Prozesse’, die ihnen von Geburt an gemacht werden. Diese Produktion wird von einer Großindustrie selbst dann besorgt, wenn es noch irgendwo soziale Nischen gibt, oder – was auf ungefähr dasselbe hinausläuft – die noch nicht ganz enttäuschte Ein‑Bildung einer gewissen Unabhängigkeit sozialer Subsysteme, wie z. B. die ‚Familie’, von den erzieherischen Großindustrien. Denn selbst wenn es noch ein gewissermaßen in Handarbeit hergestelltes Erziehungsprodukt gäbe, das jenseits der Formationen dieser Großindustrien erzeugt worden wäre, so muss es doch seine Konkurrenzfähigkeit mit den Formationen dieser Industrie beweisen und eine Anpassung an die von dort her aufs Ganze gehenden Anforderungen mitmachen, die wenigstens im Rollenspiel Unauffälligkeit in der Interaktion mit dem Großsystem beweisen. Ferner beherrschen die Wertvorstellungen des Machtpersonals die Organisationen ohne Ausnahme und werden von dort unter Gebrauch der organisatorisch je zur Verfügung stehenden Mittel (das kann in der Reichweite und auch vom intellektuellen ‚Niveau’ her variieren, und ist in der Tat abgestimmt auf die Klientel auch aus Kostengründen angepasst. Allgemein gilt: Je mehr Macht, desto weniger Grips. Das lässt den richtigen Schluss zu, dass Macht und intellektuelle Ressourcen in einem gewissen Grad substituierbar sind. Im Übrigen gilt das auch für Geld, so dass sich für die Großorganisationen ein interessantes Dreieck der Relationen und der Austauschbarkeit zwischen den verschiedenen Ressourcen – die Luhmann mit einem eigenartigen Neologismus ‚Medien’ nennt, unter die er auch die ‚Liebe’ einreiht, allerdings als Medium menschlicher Nahbeziehungen jenseits der Grenzen der Großorganisationen. Das kommt einer Denunziation nicht nur der Kirchen gleich, die ja ihrer eigenen Propaganda entsprechend von dieser Ressource leben, unter der Bedingung allerdings der Nutzung zugleich einer nicht unter den Medien aufgelisteten Ressource, nämlich dem mit der ‚Liebe’ in vieler Hinsicht verwandten ‚Vertrauen’, das derart zwischen dem Glauben und der Liebe steht, die Luhmann sämtlich mit einem Hohn, der den Adepten oft zu entgehen scheint, und im Übrigen nicht ganz korrekt als ‚Mechanismus der Reduktion von Komplexität der Welt’ bezeichnet, ein Attribut, das der Volksmund in der ‚Blauäugigkeit’ zugleich als eine Form von Dummheit und leichter Düpierbarkeit qualifiziert und recht angemessen den Formen der Abhängigkeit und der Gängelbarkeit zurechnet, die sich zum Gegentand recht profitabler Kalküle machen lassen, wie auch Versicherungsvertreter und Finanzberater recht gut wissen, bei denen sich Sozialwissenschaftler erkundigen können, wie das funktioniert.) Am rücksichtslosesten aber werden diese Ressourcen von den jeweiligen an der Macht befindlichen Erwachsenengenerationen benutzt und mit den Mitteln des organisierten Handelns in Politik, Erziehung und Bildung sowie dem Consumer-Business zugunsten der Selbsterhaltungsstrategien der die Organisationen beherrschenden Personalgruppen genutzt. Wie viele Milliarden auf der Grundlage der eher sich verstärkenden Assymmetrien in Bezug auf Informiertheit und die fehlenden Bildungsvoraussetzungen ‚gemacht’ werden, ist kaum ab‑ und kaum zu überschätzen. Das fatale Interesse, das aller ‚strategischen Kommunikation’ – eine contradictio in adiecto, wie sie nur ein alles ‚rezipierender’ Geist erfinden kann, dem bei dieser Rezeption die Kriterien verloren gehen, die den Unterschied von Rezeption und begründetem Ausschluss entlang eines ausgewiesenen Begriffs der betriebenen Wissenschaft regulieren könnten, weil ein unerkanntes Interesse sich einschleicht, das den usurpatorisch ergriffenen und zum Großprojekt ausgebauten Ansatz endlich desavouiert und zum Scheitern verurteilt, weil der Geist, der ihn aneignet, sich zur Durchführung nicht eignet -, also genauer: aller Nutzung der systematisch (nicht zuletzt auch mit Hilfe der Sozialwissenschaft und der institutionalisierten Pädagogik) erzeugten Urteilsschwäche der zu ihr Erzogenen, auf der die Formen der ‚Kommunikation’ erst aufsetzen können, die als Rollenspiele die Scharlatanerien und den Betrug des Jahrmarktes der Altvorderen, mit dessen Gespenstern Goethe (oder wenigstens sein jeweiliges alter ego in seinen Schriften) ihr Leben oder seines lang mit uneindeutigem Ausgang kämpfte verbergen, der sie – die Scharlatanerie und den Betrug als erfolgreich durchgeführte Kalküle erst ermöglicht. Es ist eigenartig, dass Habermas diese Grundlage und Voraussetzung der von ihm – wie gesagt falsch und irreführend als ‚strategische Kommunikation’ angesetzten Formen der Scharlatanerie und des Betruges nicht benennt. Der Grund dafür ist aber benennbar. Nicht nur ist er unfähig, das Problem, das die sogenannte ‚Rollentheorie’ für die Sozialwissenschaft darstellt, auch nur zu benennen, insofern seine Rezeptionsmethode das ausschließt, sondern auch seine irreführende, auf einem ganz falschen Verständnis ansetzende Einführung des ‚Familiensystems’ und entsprechend aller damit in seinem Verständnis verbundenen Problemstellungen sind Symptome einer Verfehlung des Verständnisses, die endlich in der gänzlich verfehlten ‚Einordnung’ der Psychoanalyse in seine universale Hermeneutik als Sozialwissenschaft eklatant werden, ein Syndrom, das sich im Scheitern seiner Theorie der komunikativen Kompetenz (das meint, ohne dass Habermas das so gemeint wissen möchte: die Sprache als Waffe im Kampf um knappe Positionen in einem Karrierebetrieb und gibt recht gut die Situation wieder, in der Intellektuelle ihr Studium absolvieren)– ein ebensolches Vokabelmonster, das entgegen jeder Tradition der Bedeutung der Termini das Unmögliche miteinander zu einer Einheit verschmilzt und damit Legitimation des Unsäglichen betreibt, letztlich der Gewalt in der Form, der Einkleidung der Kommunikation. Warum Habermas, letztlich schon mit seinem Vorwurf des Linksfaschismus gegenüber ‚den Studenten’, in Wahrheit aus guten Gründen angesichts der Machenschaften der getarnt in den Institutionen des eroberten bürgerlichen Staates verschanzten Bürgerkriegsparteien Verzweifelte und designierte Opfer ihrer undurchsichtigen Auseinandersetzungen, zu denen diese ‚Studenten’ systematisch und vorsätzlich und ohne ihre Kenntnis des mit ihnen gespielten Spiels, das ihre Liquidation als Intelligenz vor dem Erwachen zur Konsequenz und daher zum Ziel hatte und sich vor allem auf Seiten der die Demokratie gegen die Nazis propagierenden ‚Linken’ unter den Professoren zynisch auf die Ermutigung zum Gebrauch des – nicht ausgebildeten, man hätte das Studium sonst ja wohl nicht gebraucht - eigenen Urteilsvermögens stützte, statt dass man den derart Benutzten die Zeit und die Chance gelassen hätte, sich eines anzueignen und auszubilden - zu seiner endgültigen Form zusammen zieht, sich indessen in den machtstrategischen, von Oben herab argumentierenden Gestus der Schrift ‚Student und Politik’ zurückverfolgen lässt, die als Form der ‚Kommunikation’ bereits verfehlt, was Habermas dann im Verlauf seiner wissenschaftlichen Biographie vergebens einzuholen versucht über die verschiedenen Stufen der ‚Konsensustheorie der Wahrheit’ bis hinaus über die fatale Unterscheidung von ‚kommunikativem und strategischem Handeln’ in die Theorie kommunikativer Kompetenz, bis er dem Problem endlich in die staatstheoretisch aufgemachte Soziologie entflieht, die sein lang mit dem autoritär eingefärbten Wunsch nach kritischster Überwindung der Väter der Kritischen Theorie kämpfendes theoriegenerierendes Motiv zugunsten des endlich ungefährdet zur Geltung drängenden stärkeren Wunsches nach Anerkennung durch die Mächtigen wenigstens einer Fraktion und Generation liquidiert, eine Wende, die auch deshalb möglich wurde, weil sie sich zunächst jeder Kontrolle durch den sich offenkundig geschlagen gebenden kontemporären Geist entglitt, und auch den großen Kontrahenten offenkundig nicht interessiert hat, insofern sie mit dessen theoriegenerativen Motiven nicht interagierte und auch nicht konfligierte, sondern – vermutlich – eher konvergierte, ohne dass man sich dabei groß störte, indem man einfach zwei Reiche gründete und eine in beiden Fällen gleichermaßen zur Rezeption, zum Nachvollzug verurteilte Adeptenschaft zu kontrollieren imstande war, und sich im Übrigen auf seine Exportstärke verlassen konnte, wo die Theorie im Medium einer Übersetzung in eine andere Sprache und einen anderen Kulturraum sich lösgelöst von den Unreinheiten ihrer Genesis zumal angesichts der Unkenntnis über diese Herkunft im luftleeren Raum der Ivy-League-Universitäten recht gut selbst den ihr zustehenden Adel zu verleihen imstande war. Bleibt nur noch die siegreiche Heimkehr aus dieser Odyssee.

Die sich ganz ungeniert als solche abzeichnende Konsequenz der Herabsetzung aller Bedeutungen zum bloßen ‚content’ in einem gigantischen technischen Apparat, der von größenwahnsinnig gewordenen Technologen gehandhabt wird, die buchstäblich nichts können als Programmzeilen in einem verstümmelten Chiffrensystem zu schreiben, deren einziger Effekt ist, dass sie gewissermaßen eine Unterlage für die Möglichkeit von Kommunikation bieten derart, dass nicht die Bedingungen der Möglichkeit, sondern nur ein Apparat gegeben ist, dessen einziger Auftrag der sein kann, so zu funktionieren, dass man ihn buchstäblich vergessen kann, während man ihn nutzt, was wiederum nur Sinn macht, weil man schon weiß, was Kommunikation ist und weil man dazu fähig ist, kommt der Handlung gleich, die den Ast absägt auf dem sie sitzt. Wenn es diesen Apparatschicks wirklich gelingt, das zu realisieren, was sie erkennbar anstreben, ob sie das nun bewusst tun oder unbewusst, neutraler: ob mit oder ohne Beteiligung von Vorätzen, Absichten und Bewusstsein, dann reduziert sich über kurz oder lang zugleich mit der Angleichung des ‚content’ auf den Informationsgehalt Null, den die redundanten Systeme der sogenannten Massenkommunikation, an der wohl die Masse, auch im Hinblick auf die Profite, aber nichts an der Kommunikation stimmt, abgesehen von dem damit im empirischen Massenexperiment gewissermaßen im Sekundentakt dokumentierten Zustand des Massenbewusstseins der Hochtechnologiekulturen, die langfristige Nutzbarkeit des Mediums auf die Bürotechnologie, aus der sie herstammt. Sinn macht dann nämlich nur derjenige Austausch, der in irgendeiner Form Gehälter, Gewinne oder Kapitaleinkünfte anderer Art generiert. Es gibt dann in letzter Konsequenz kein anderes Motiv sich an der Technologie zu beteiligen, etwa durch eine Investition in eine Beschaffung oder die sonst bezahlte Nutzung, bzw. die Investition von Zeit, als diejenige, die gemäß der unablässigen Propaganda der Apparatur deren einziges Existenzmotiv ausmacht. Derart ist aber endlich eine irgendwie ‚kulturelle’ Nutzung zu Kommunikationszwecken, die im Ernst solche sein könnten, gänzlich irrational. Und das folgt aus der Eigenpropaganda der Apparatur und ihrer Apparatschicks, deren Bürotechnologiedenglisch sich bekanntlich im Bereich der sogenannten ‚kontextfreien Grammatiken’ angesiedelt weiß und darauf stolz ist. Da alle Kommunikation, ja sogar der wissenschaftliche Fortschritt, jedenfalls die Kommunizierbarkeit von Wissenschaft aber von der Metapher, der Metonymie, der Analogie und den begleitenden Konnotationen leben, durch deren genaue Führung und Zuordnung die Dinge der Klärung zugeführt werden, ist die Kontextfreiheit zwar ein nutzbares Konzept, das logische Strenge und eine in bestimmten Fällen wünschenswerte Eindeutigkeit ermöglicht, die beachtenswerte Möglichkeiten eröffnet, wie die Computertechnologie zeigt, aber das macht eben nicht jenen SINN, von dem Kultur auch dann lebt, wenn es doch nicht, wie Heidegger, (angesichts des technologischen Nichts der kontextfreien Grammatik stelle man sich die Bedeutung des Eingangssatzes von Georg Gadamer’s Arbeit ‚Wahrheit und Methode’ vor Augen, der Heidegger sprachtheoretisch hermeneutisch variiert: „Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache!“ Das Sein der kontextfreien Sprache ist bloße Form mit dem Informationsgehalt, den ein Compiler in Abhängigkeit von den Registern einer bestimmten Prozessorgeneration auf einer bestimmten Programmierplattform/Betriebssystem in Token zerlegen kann, die er maschinell verarbeitet zu maschinenlesbaren ‚Befehlen’. Der Sinn von ‚Eindeutigkeit’ wird hier in einer bestimmten Variante recht deutlich. Das Denglische spricht deshalb mit demselben Behagen von ‚commands’ wie von ‚Befehlen’, die im Übrigen auch der ‚User’ unablässig zu befolgen hat. Der ‚User’, der diesen Befehlen folgt, und die entsprechenden Befehlsketten, die zur Bedienung eines Computers eingegeben werden müssen, am Ende des Umschulungskurses reproduzieren kann, gilt dann als ‚intelligent’, und man billigt dieser seiner derart bescheinigten Intelligenz eine gewisse Ähnlichkeit mit der des Computers zu, die gewissermaßen mittels des magischen Akts des Kaufs eines solchen Geräts auf ihn übergeht, etwa wie der Mut und die Klugheit und die Kraft des getöteten Feindes durch den Verzehr seines Gehirns und seines Fleisches auf den Kannibalen übergeht. Nur dass hier die zugrunde liegende Wirklichkeit der Transaktion dieser von der Büromaschinenindustrie verbreiteten und verstärkten Illusion – einer kompensatorischen Ohnmachtsphantasie, deren Realität, zu Bewusstsein gelangt, die Transaktion verhindern müsste – diametral entgegen gesetzt ist, die sich an die subjektiven Erfolgsbedingungen ihrer Möglichkeit anlehnt, die in den von ihr mit erzeugten Dispositonen der Konsumenten zu suchen sind, die ihre eigenen Arbeitsplätze abbauen, indem sie sich verzweifelt für eine Technologie begeistern, deren Kauf den Größenwahn der Großverdiener erst ermöglicht, an deren neuem Reichtum und ‚Intelligenz’ sie sich durch projektive Identifikation beteiligen, indem sie ihn erzeugen, während sie objektiv dabei mehr verlieren als gewinnen. Nicht einmal zu einem freundlichen Rat oder einer Empfehlung bringt es diese Sprache – vielmehr erhebt sich souverän über ihre Objekte, die ‚User’, die sich freiwillig gegenseitig um die Ohren schlagen, was ihnen suggeriert wird, um sich anhand der in gegenseitige Belehrungen umschlagenden Vorführung des nachgeplapperten Jargons wechselseitig in einer fiktiven Intelligenzhierarchie einzuordnen, und bezeugt damit ihre Herkunft aus dem Denken von Militärs, wie auch die Schöpfung aus dem Urknall das Denken von Bombenbauern auf den Kosmos projiziert. Was immer sonst das Recht dazu geben mag, es ist zunächst auch als sprachliche Projektion von durchaus bestimmten Menschen erkennbar, also nicht einfach Anthropomorphismus schlechthin, sondern spezieller Anthropomorphismus, nämlich der einer ‚Elite’, die sich den Begriff des Menschen nach dem Üblichen Muster aller Selbstüberhebung von Minderheiten über die Masse, von der sie kannibalisch sich nährt anzueignen im Begriff ist, und sich und ihr Selbstbewußtsein dabei auf ihre Beziehungen zur Macht und den Gewaltmitteln stützt, die sie ihr zur Verfügung stellt.) offensichtlich doch mit mehr Recht gemeint hat, als ihm vor allem seine linken Kritiker besserwisserisch und mit schlechten, und deshalb so schlecht nachvollziehbaren Argumenten zugestehen mochten, der von Sein selbst wäre.

Gern möchte man glauben, dass diese Menschen nach Feierabend noch Sekt zu trinken vermögen und Techno hören, dazu coole Sprüche kloppen und dergleichen. Ferner möchte man ihnen auch die von ‚Data’ in Raumschiff Voyager geltend gemachte ‚volle Funktionsfähigkeit mit multiplen Techniken’ zutrauen, die sich im Internet in der Form eines in einem eigenartig irrationalen Verhältnis zu dem Technologiekonzept stehenden Pornoangebot niederschlagen mag, und für die die bekannte Einschränkung der Handlungsarmut der Pornographie gilt, die sie als Form der repressiven Entsublimierung recht gut qualifiziert, wofür nicht Marcuse, sondern sie selbst verantwortlich ist. Immerhin ist darin die innere Verwandtschaft der Kontextfreien Grammatik mit der Pornoindustrie zu erkennen: Beide erscheinen als Darstellung einer im Übrigen nur sich selbst und sonst nichts bedeutenden sinnfreien Betätigung der reinen Selbsterhaltung, und damit als Inbegriff des postmodernen Sinns von Sein. Denn wie die kontextfreien Grammatiken nur von einer Maschine verarbeitet werden können, die eine erkennbare Beziehung zu Sinn nicht braucht, so ist die Pornographie ein fruchtloses, aber profitables Geschäft, das eine einzige Bewegungsform in verschiedenen Variationen repetiert, und diese Bewegung dabei zugleich von ihrer Bedeutung abspaltet. Damit aber wird sie sinnfrei wie die kontextfreie Grammatik. Es ist eine eigenartige Konvergenz, die hier durch eine ursprünglich rein triebhafte, zum Luxus‑ bzw. Konsumartikel umgeformte Funktion der Reproduktion menschlicher Biomasse einerseits, und die der Reproduktion von Computerfunktionen andererseits repräsentiert wird, beide als Inbegriffe einer Kultur, die sich von dem Sinn von Sein dadurch emanzipiert, dass sie diese Funktionen zur Virtualisierung der existentiellen Realität eines organischen Wesens nutzt, dessen ‚intelligente Funktionen’ hypertrophieren, während hinter dieser eigenartigen Maske des Lebens der Kannibalismus gegenüber diesem ins Aberwitzige anschwillt.

Ist derart der Produktcharakter des Individuums, die unter dem Einruck der von ihnen bloß nachzuvollziehenden und ggf. auf Anfrage zu reproduzierenden standardisierten Bewusstseinsinhalte, deren jeder seinen Nützlichkeitsnachweis gewissermaßen auf der Stirn tragen muss, um sich ausweisen zu können und zugleich die Nützlichkeit des ihn hegenden Individuums, aber auch seine stromlinienförmige Anpassung an den es fernsteuernden Apparat zu belegen, ganz unbezweifelbar daran zu erkennen, dass kaum eines sich anhand seiner Äußerungen noch vom anderen unterschieden lässt, es sei denn nach Differenzkriterien, die ihre Verteilung auf die Funktionen im organisierten Arbeitsprozess regulieren, aber weniger noch, wenn man sie in Beziehung setzt zu den Fabriken, in denen ihre Bewusstseinsinhalte abstrakt bewahrt und fortgeschrieben aufbewahrt werden als Produktionsmittel für diese Bewusstseinsverfassungen, so besteht doch eine eigenartige, weder mit dem tatsächlichen Stand der vergesellschafteten Erziehung noch mit der Stereotypie der Bewusstseinsinhalte noch mit der Art ihrer Herstellung und der Technik ihrer Verbreitung unter Ausschluss anderer, die als funktionale Äquivalente oder auch als echte Alternativen an ihrer Stelle denkbar wären, vereinbare Zurückhaltung in Bezug auf die Anerkennung und Ratifizierung der zugrunde liegenden Sachverhalte, und zwar weder bei den doch mit der systematischen Produktion beauftragten und dafür eigens bezahlten Produzenten und ihrem politischen und ‚sozialen’ Apparat, der an die Stelle des in seinen Funktionen aufgelösten Sozialen und der Lebenswelt tritt, deren Surrogat und Substitution er besorgt, unter Auflösung latenter Funktionen und ohne dass diese Substitution auf Vollständigkeit angelegt wäre, so wenig wie das Surrogat ein Ersatz zu sein beansprucht, dessen Punktmenge einem Ersetzten entspräche. Weder im Hinblick auf Vollständigkeit noch im Hinblick auf die Form also ist hier an einen Austausch von funktionalen Äquivalenten durch andere zu denken, und auch im rein topologischen Sinn gibt es keinen Anspruch auf die Beibehaltung eines Identischen, das durch die Transformationen hindurch als Konstante oder Invariante erhalten bliebe, während das Heranwachsen zum Erwachsenen, wie man das aus traditionalen Gesellschaften kennen kann, oder die Sozialisation, die man aus den modernen Gesellschaften bis an die Schwelle der Postmoderne noch kennen kann, u. U. aus eigenem Erleben oder Handeln, sondern der Übergang zum produzierten industriell erzeugten, für den Arbeitsprozess und die Lebensführungsaufgabe bereitgestellten Individuum erfolgt mehr und mehr (mit den für die Übergänge typischen ‚Auslaufphasen’ und Übergangsfristen, die die mit wachsend bescheunigter Veränderungsgeschwindigkeit und der damit verbundenen wachsend beschleunigt sich verstärkenden politischen und ‚sozialen’ Ungeduld der politischen und administrativen bzw. wirtschaftlichen ‚Macher’ ebenfalls sich verstärkenden Brüche – die die ‚Reformen’ bewirken müssen, die zunächst eher nachlaufend, inzwischen auf vorlaufende, antizipatorische Reformstrategien umzustellen versuchen, wobei das Problem der Planungsamplituden bzw. der Amplituden der Produktionszyklen der Technologien, auf die diese Planungen des ‚Bildungssektors’ sich zu beziehen versuchen, mit dem allgemeinen Problem aller Planung von Zukunft zu tun haben, insofern sie auf Prognosen beruhen, die einen ihnen allen gemeinsamen Nachteil haben, nämlich, dass es auch ganz anders kommen kann, einfach deshalb, weil alle Systeme (noch, das ist das Problem beim derzeitigen Stand der ‚Globalisierung’) Gegen‑ und Mitspieler haben, die sich dem jeweiligen System als von ihm nicht oder nicht restlos zu kontrollierende Gegenspieler in einer Systemumwelt darstellen, die ihrerseits nicht vollständig auf ein internes Modell der äußeren Umwelt topologisch punktsymmetrisch abgebildet werden kann. Es ist vorstellbar, dass das Zögern, was das ausdrückliche Bekenntnis zu der längst nicht mehr umgehbaren Anerkennung des Faktums der vergesellschafteten Produktion des Individuums durch industrielle Produktionsmethoden und Prozesse – von denen manche noch eine gewisse handwerkliche Gemütlichkeit haben mögen, wie der Kindergarten in kirchlicher Trägerschaft und dergl., was auch dort die auf die Klientel übertragene Selbsttäuschung über das eigene Tun befördern mag, nicht zum Vorteil der Klientel übrigens, insofern alles, was man ohne Bewusstsein davon tut, was man da eigentlich macht, angesichts der Erfahrungen, die eine verwissenschaftlichte und im Grundzug technologisch orientierte Zivilisation als nicht ausreichend kontrolliertes Tun qualifiziert werden muss. Dieser Konservatismus der Bildungspolitik und der Bildungsinstitutionen, des ‚Selbstbewußtseins’ der beteiligten Berufsgruppen ist einem Selbsttäuschungsbedarf geschuldet, der auch erkennbare und benennbare politische Funktionen hat, also latente Funktionen sekundärer Art befriedigt, die den sogenannten ‚sozialen Frieden’ deshalb befördern mögen, weil sie das sich unter Umständen vollständiger Bewusstheit aller Beteiligten über das Vorgehende sowohl das Problem der Verantwortlichkeiten, als auch die daran anknüpfenden Folgeprobleme, wie z. B. die Klärung und ggf. die Neubestimmung des Problems der Verantwortlichkeit der Person, die in der angelsächsischen Literatur längst diskutiert wird, und entsprechend die auf dieser ‚Fiktion’ aufsetzende Rechtsprechung, die ja eine zurechnungs‑ und verantwortungsfähige Person unterstellen müssen, um überhaupt möglich zu sein.

Wenn sich aber die Möglichkeit auftut, das eine industrielle Produktion des Individuums als mehr oder weniger verwendbarer Funktionsträger industrieller Teilprozesse (vom Soldaten, Hilfsarbeiter bis zum Wissenschaftler, Politiker und Generaldirektor [Reihenfolge ohne Rücksicht auf den ‚Sinn’ bzw. die ‚Bedeutung’ sozialer Hierarchien, ‚Sinn’ bezogen auf ‚Kultur’, ‚Bedeutung’ bezogen auf ‚Macht’]) mehr und mehr in die Verantwortlichkeit von Wirtschaft, Politik, Bildungsinstitutionen fällt, als Folge der von ihnen gemeinsam geplanten und institutionalisierten Vorgang industrieller Herstellung von funktional mit dem Gesamtprozess kompatiblen Individuen zu verstehen ist, und dass sich diese Herstellung unter weitgehender Auflassung der traditionell die Erziehung leitenden ‚Werte’ oder Ideologeme, wie ‚Mündigkeit’, Urteilsvermögen, autonome Persönlichkeit, Freiheit, zumal des Willens oder der Entscheidung, und wie die ‚alteuropäischen’ Bestände und Metaphern sonst heißen mögen, die sich im Arsenal der der Erziehung bisher als leitende ‚Ideen’ fanden oder sogar noch finden lassen, ohne Rücksicht auf ihre Funktion, bezogen auf das je ihnen gegenüber Faktische, vollzieht, dann muss die diesen ganz buchstäblich als solchen zu verstehenden ‚Vorgängen’ früher oder später die Reflexion, das öffentliche Bewußtwerden dieser faktisch bereits vollzogenen Umstellung folgen, das sich in der gerade losgetretenen ‚Elitendiskussion’ ja auch, wenn auch auf paradoxe Weise noch unbewusst ankündigt, insofern kaum anzunehmen ist, dass die politische Intelligenz, die dieses Thema besetzt und damit, wie sie meinen mag, die Diskussionsinitiative an sich gezogen hat, tatsächlich weiß, worauf das im Ernst hinauslaufen muss, wenn ganz bewusst wird, was diese Diskussion ihrem ganzen Umfang nach tatsächlich aufgegriffen hat. Tatsächlich ist dies das Dämmern, das – man wird das sehen – zugleich nicht soll in den hellen Tag übergehen dürfen, der das Ganze das Problems des längst vollzogenen und praktizierten Übergangs des politischen Willens zur industriellen Massenproduktion des so oder so als Funktionsträger des industriellen Prozesses auf einer qualitativ (damit) verschobenen Stufe seiner iterativen Autopoiesis des Gesamtprozesses verwendbaren Individuums beleuchten könnte. Dieses Zögern dürfte das Signum des Zurückschreckens vor den politischen Konsequenzen sein, die das ausdrückliche Bekenntnis zu dem haben muss, was man ohne rechtes Bewusstsein und ohne rechtes Bewusstsein davon haben zu wollen, ohnehin bereits in die Praxis umzusetzen längst begonnen hat.

Der Witz ist, dass dann ‚Fehlsozialisationen’, ‚Süchte’, zumal als Massenphänomene, nachlassende ‚Fertilität’ (des Haustiers - der Großindustrie und der politischen Verwaltung, von der anstelle von Politik und Verwaltung richtiger zu sprechen ist - Homo sapiens’), Massenarbeitslosigkeit, Volkskrankheiten und statistische Todesursachenhäufungen etc, also alles, was sich an ‚Ausschussproduktion’ in diesem großindustriellen Massenproduktionsprozess von Funktionsträgern, alles, was sich an Produktionsausfällen, an Dysfunktionen feststellen lässt, sich dann auf eben so viele Defekte und Fehlorganisationen dieses Produktionsprozesses zurückführen lassen muss, wenn anders man sich hier nicht wiederum auf die systematische Konstruktion von ‚Epizyklen’ umstellen und sich dadurch mit der Aufgabe der Einheit der Betrachtung des Gegenstandsbereichs auch aus der Einheit des Gegenstandes selbst in die
möglicherweise zweckmäßig erscheinende, aber wissenschaftlich nicht haltbare Schizophrenie verabschieden will – hier durchaus im klinischen Sinne, der auch auf Phänomene der Wissenschafts‑ oder der Geistesgeschichte legitime Anwendung finden darf und sogar muss, wenn der Begriff einen Sinn machen soll, der sich eben auch nicht schön hinter dem Stacheldrahtrollen der sogenannten Arbeitsteilung einsperren lässt ohne dass das Bewusstsein der Diagnostiker in solchem Geiste ereilt, was sie gern der sozial und machtpolitisch unter ihnen stehenden Klientel kraft souveränem Dekret aus Fachkompetenz vorbehalten, die keiner anderen Kontrolle unterliegt als der – Fachkompetenz, die sich ihrerseits auf politische Lizensierungsverträge verlassen kann, die dafür sorgen, dass niemand ungebeten in die Suppe spuckt, oder wenn, dass er mit den fachspezifischen Mitteln (der interdisziplinären Diskussion, versteht sich) und den berufspolitischen und berufsständischen vor dem Gebrauch der verpönten ‚politischen’ Mittel abgefertigt werden kann, deren letztes die Strategie ist, deren Slogan lautet: Nicht mal ignorieren“.

Unter einem ‚Schizophrenen’ stellt sich der ‚geschulte Kliniker’ freilich seiner Gewohnheit entsprechend nur das vor, was man ihn gelehrt hat sich darunter vorzustellen. Da ist denn der dem Sinn der wissenschaftlich definierten Vorstellung entsprechende Sachverhalt eines gespaltenen Bewusstseins, oder besser, eines unter dem Eindruck von der Verfassung des Bewussten voraus‑ und in diesem Sinne zugrunde liegenden ‚Mechanismus’, der diese ‚Spaltung’ bewirkt, die man als solche daran erkennen kann, dass bestimmte, einerseits durchaus in der Form abfragbarer ‚Meinungen’ vorliegender Inhalte des Bewussten andererseits mit bestimmten anderen, in eben demselben Sinne bewussten Inhalten, mit denen sie logisch und unter anderen, ebenfalls zu definierenden Umständen, etwa affektiv, zusammenhängen, wenn man sie der Sache nach und ihrer inneren Konstitution nach wissenschaftlichen Kriterien, die der Sache angemessen sind, weil sie es erlauben, sie überhaupt erst zu bestimmen, genau betrachtet und bestimmt hat – was unabhängig von einem Bewusstseinszustand geschehen muss, der diese Bestimmung deshalb nicht bewerkstelligen kann, und damit für ‚Wissenschaft’ nicht qualifiziert ist, ganz ohne Rücksicht auf soziale Position, erworbene Lizenzen usw., so also wie ein Individuum etwa nicht für die Geisteswissenschaft Mathematik qualifiziert ist, wenn es bestimmte Beweisführungen nicht nachzuvollziehen imstande ist, was immer noch einen qualitativen Sprung von unbestimmter Weite von der Fähigkeit entfernt ist, einen solchen Beweis, etwa für eine bisher unbewiesene Behauptung oder Vermutung zu finden und zu erarbeiten, so weit wie die der Erfindung zugrunde liegenden Fähigkeiten von dem bloßen, aus dem Nachvollzug oder der Nachahmung ‚entfernt’ zu denken sind – leicht aus dem Auge zu verlieren. Stattdessen stützt die sich um das Problem, hat man es einmal als solches ganz neu verstanden oder meint das jedenfalls, sich entzündenden Fachdebatte dann auf den Aspekt einer klinisch beobachteten Verwirrung, auf ein Leiden, auf die verwirrte Rede, die angeblich das Problem als Symptom viel besser definiert und zu diagnostizieren erlaubt, und endlich setzt sich aus der Gemengelage einer in der Praxis unter Anleitung erlernten Differentialdiagnostik und dem dazu entsprechend der jeweils mit angegebenen Literaturliste Gelesenen diejenige Selbstsicherheit des ‚erfahrenen Klinikers’ ein, der mit einem Minimum an Aufwand und recht routiniert seine Diagnosen an dem ihm so oder so unterkommenden Patientengut ebenso erlernt wie absichert und verifiziert. Der Schizophrene ist dann entsprechend verwirrt, für sich selbst und Andere eine Gefahr, mehr oder weniger desorientiert, dann und wann aufgrund einer rätselhaften Sensibilität geradezu hellsichtig in seiner Einfühlung in Andere, besonders im ‚psychotischen Schub’, so das ‚Sensibilität’ oder ‚erhöhte Sensibilität’ unauffällig mit der Psychose doch irgendwie gleichgesetzt werden, außer es fragt jemand nach, dann ist es, wenn auch unbestimmt, irgendwie anders, man muss es sich noch einmal überlegen und dann wird es über der fortgetriebenen Praxis vergessen – so das das freilich nichts anderes zu bedeuten hat, als dass man den Patienten entsprechend medikamentiert oder therapeutisch systematisch ‚desensibilisiert’. Im Übrigen ist das Phänomen anhand seiner erfahrungsgemäßen Unheilbarkeit erkennbar, der Rest sind Gespräche, Gespräche, Gespräche.

Klarheit der Konstruktion im Sinne von ‚Konsistenz’ wird im Allgemeinen eher dem Paranoiker attestiert. Falsch sind, gemäß dem Grundsatz der Projektion, nur die Prämissen bzw. der Ort, an dem der Paranoiker das von ihm vermeintlich mit Sicherheit am richtigen Ort Gewusste, in der Tat, bei wissenschaftlich korrekter Betrachtung, aber gerade dort Gewähnte, zuordnet. Der oft als bemerkenswert gewürdigten konstruktiven Originalität des Patienten entspricht so ein auf die Prämissen bezüglicher Irrtum in Bezug auf die dem Bewussten und seinen Inhalten zugrunde liegenden Mechanismen, die ähnlich wie bei der Schizophrenie das Bewusste determinieren ohne dass es sich selbst davon Rechenschaft abzulegen vermag, insofern und weil diese eben nicht ihrerseits Teil der bewussten Verfassung des Bewussten sind, sondern gewissermaßen jenseits seiner Grenzen wirkende Determinanten der Resultante, die die von ihnen erzeugte Bewusstseinsverfassung jeweils ist derart, dass sie eben diese Determinanten nicht zu erfassen vermag. Nur dass die Resultante des Bewussten im einen Fall darin besteht, dass sachlich zusammen gehörige Inhalte und formative Momente nicht miteinander in Beziehung gesetzt werden können, oder teils aus dem Bewussten verschwinden und so nicht bewusst zugänglich sind, während sie andererseits doch auf das Bewusste wirken, während im anderen Fall gerade die auf Einheit zielende Anstrengung des Bewussten zur Nutzung seiner integralen konstruktiven Möglichkeiten und Kapazitäten offensichtlich genutzt werden kann, während die zugrunde liegende, dem Bewusstsein nicht zugänglichen Determinanten seiner Formatierung – die es im ersten Fall natürlich auch gibt, mit dem Unterschied, dass ihre formative Wirkung als Bewusstes und in der Organisierung der Inhalte anders erscheint – in sachlich, bei richtiger Betrachtung, die man hier wiederum, wenn auch vorläufig, der ‚wissenschaftlichen Betrachtung’ zuordnen kann, nicht korrekte Identifizierungen der vom Bewussten bearbeiteten, ihm aufgegebenen Probleme resultieren. Die in beiden Fällen als zugrunde liegende Determinanten u. a. mindestens und mit Grund in der klinischen Erfahrung vorausgesetzten, nicht dem Bewussten angehörenden oder zugänglichen ‚Determinanten’, die es gleichwohl beherrschen in dem doppelten Sinne einer Besetzung – auch der ‚Entzug von Besetzungen’ ist kann als eine Art dieser Besetzung betrachtet werden, nämlich eine mit negativen Vorzeichen, um das vorläufig zu bestimmen – als auch im Sinne einer Bestimmung seiner Bestimmung und Zuordnung bzw. Verhältnisbestimmung der Inhalte zueinander werden in affektiven Konfliktpotentialen gesehen, auf die das Bewusste ebenso reagiert wie es durch sie bestimmt wird, wobei hier offen bleiben kann, ob es nicht eine sachlich bestimmtere Untersuchung dessen geben kann, was unter Affekt oder Emotion, Gefühl usw. gemeint ist, ebenso notwendig wie möglich ist, insofern hier doch u. U. noch mit einem romantisch-religiösen Verständnis gearbeitet wird, das nicht genau genug ist. Die Unterscheidung des ‚Emotiven’ bzw. ‚Affektiven’ vom ‚Kognitiven’ beruht auf der alltagssprachlichen Charakterisierung von Unterschieden des Erlebens, deren analytische Trennung der Geistesgeschichte entnommen ist. Die analytischen Abgrenzungen sind also nicht einfach voraussetzungslos hinzunehmen, sondern auf funktional äquivalente oder angemessenere zu untersuchen. Die vermeintlich an Unterschieden des Erlebens ganz empirisch orientierte Unterscheidung des ‚Kognitiven’ und ‚Emotiven’, zumal in der Form der Substantivierung, die eine klar abgrenzbare Klasse oder Menge von darunter vorzustellenden zugehörigen Elementen suggeriert, ist irreführend, gerade wenn man die Bedeutung z. B. des ‚Kognitiven’ ernst nimmt. Eine Person mag Angst empfinden und das als ‚emotive’ Qualität ihres Erlebens qualifizieren, ebenso wie ein Beobachter, der die Mitteilung einer Person, sie ‚habe’ Angst, auf dieselbe Weise zuordnet. Es gibt aber keinen anderen Grund als die angelernte Gewohnheit, das derart zuzuordnen, insofern man gerade so gut eine Zuordnung zum ‚Kognitiven’ vornehmen kann. Diese Überlegung ist nicht willkürlich. Sie macht auf eine nicht selbstverständliche Gewohnheit aufmerksam, die auf Unterscheidungen zurückgeht, die sich religiösen Schemata und Gründen verdankt und deren Bestände in die beginnende Verwissenschaftlichung ungeprüft eingegangen sind, zumal auf dem Wege über die romantische Philosophie und Ästhetik. Z. B. kann eine andere Person erklären, in derselben Situation keine Angst zu ‚haben’, während wir sie handeln sehen in einer Art und Weise, die zu erkennen gibt, dass sie auf etwas reagiert, das ‚geeignet ist’, Angst zu machen, so dass die beobachtete Reaktion sich als Bewältigung einer als solche gar nicht bewusst erlebten Angst verstehen lässt. Man kann das schon an manchen Erklärungen von Personen hören, was sie ‚meinen’, wenn sie etwas zu laut zu verstehen geben, sie jedenfalls hätten keine Angst usw. Und das ist um vieles genauer an Handlungen erkennbar, insofern diese ja ins Faktische übergehen, also nicht nur ‚kommunikatives Handeln’ sind, also eine jener Kontradiktionen (schwarze Schimmel), die aus einer falsch angewandten Rezeptivität herrühren, die alles synthetisieren will und damit endlich das Entgegengesetzte durch eine contradictio in adiecto gleichsetzt, ‚integriert’. Es ist also richtig, aus Gründen, die auf eine Absicht vorausweisen, die es angemessen erscheinen lässt, das ‚Haben’ von Angst wie ihr ‚Nichthaben’ unter sonst gleichen objektiven Umständen gleichermaßen einem Begriff zuzuordnen, der das ‚Kognitive’ und das ‚Emotive’ nicht, auch nicht analytisch derart trennt, dass das eine oder andere, einmal unterschieden, dann auch zu einem je eigenen Bereich substantiviert werden müsste. Es führt an der Sache vorbei, das zu tun, wenn man bedenkt, dass die Einheit, die hier tatsächlich vorliegt, nur in der Komposition unterscheidbare Momente erkennen lässt, denen aber die Einheit einer komplexen Reaktion ebenso zugrunde liegt wie sie sich auf diese bezieht und von dieser generiert wird. Die Unterscheidung dieser Komponenten oder Elemente ist etwas anderes als ihre Zurückführung auf aus ihnen abstrahierte voneinander (analytisch) getrennte Bereiche, die sich dann zu Entitäten je eigener Art verfestigen und u. a. das Rätsel aufzugeben scheinen, wie sie nun wieder miteinander in Beziehung gesetzt werden können, eine Üblichkeit, die sich als ‚wissenschaftliche’ wohl nicht zuletzt auch deshalb eingebürgert hat, weil sich darauf ganze Bibliotheken und Fluten von ‚Qualifikationsarbeiten’ aufbauen lassen.

„Angesicht des phantastischen Reichtums der Weltmächte werden die eingeborenen Massen ihrer Armut ausschließlich als Schande inne, und der neue Nationalstolz ist die transformierte Wut über die Misere und zugleich die Fessel, die sie an ihre autochthonen Herren kettet. Aus dem unbändigen Willen zum je eigenen Wirtschaftswunder schöpft die Begeisterung für die verschlagenen Führer ihre Kraft und die Massen marschieren in Begeisterung mit. Was vorherging wird bloß gehasst, abstrakt verleugnet, umgebracht. Höchstens dient eine längst entschwundene, nach Belieben hergerichtete, glorreiche religiöse und staatliche Geschichte als propagandistisches Symbol für nationale Erneuerung,“ (Horkheimer, Philosophie in der verwalteten Welt, Rundfunkvorlesung).

„Solche Prozesse, in denen die wirkliche Vergangenheit liquidiert anstatt hinüber genommen wird, sind stets mit der Ausrottung von ganzen Gruppen von Menschen verbunden gewesen, und der Fluch des organisierten Terrors hat in die neue Gestalt der Gesellschaft, die ihm ihr Dasein verdankt, stets hinein gespielt.“

„Im Denken bedeutet unvermittelte Negation Vergessen und Blindheit, in der Wirklichkeit bedeutet sie den Mord.“ (Horkheimer, Philosophie in der verwalteten Welt, Rundfunkvorlesung)

Das Zitat und das ihm Vorangehende bezieht sich auf die Eigenart der ‚Modernisierung’ und damit auch der ‚Globalisierung’ und ‚Industrialisierung’ als Prozesse einer irren Gewaltanwendung und gleichzeitiger propagandistischer Verleugnung der angewendeten Gewalt hinter ‚Fortschrittsideologien’ vor allem auf staatlicher Ebene, ist aber ebenso gültig für die Mikroprozesse der absoluten Verwaltung, die in einen Verwaltungsabsolutismus umschlägt, und sich wissenschaftlicher Formen der Eigenpropaganda ebenso bedient wie der Rechtsprechung oder der Polizeigewalt oder – vornehmlich, weil hier die langfristig besten Ergebnisse erzielt werden können, der verstaatlichten Erziehung, Bildung und akademischen Ausbildung.

26.04.2004

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