Romantische Landschaft mit Menschenopfer

Romantische Landschaft mit Menschenopfer
Weißt Du wieviel Wolken gehen weithin über alle Welt...
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Donnerstag, 25. Februar 2010

Ich denke oft an Rebecca

Der Traum des Pharao I.

Liebe Rebecca, Donnerstag, 31. Juli 2008

Es mag widersprüchlich wirken, wenn ich Dir nach einer Ankündigung, gewissermaßen verschwinden zu wollen, nach so kurzer Zeit bereits erneut schreibe. Ich meine aber, dass sich der scheinbare Widerspruch noch klären lassen kann im Verlauf der weiteren Mitteilung. Zunächst möchte ich aber einen Scherz wiederholen, den ich mir bereits Annegret gegenüber erlaubt habe, als ich ihr unter Hinweis auf Dein anhaltendes und eigentlich recht lautes Schweigen mir gegenüber einen Vergleich mit der gegenwärtig noch immer nicht eingestellten Suche nach extraterrestrischen Intelligenzen vorschlug, der impliziert, dass der noch immer gesuchte Beweis für die Tatsache der Existenz von fremden Intelligenzen im Universum außer ‚uns’ längst vorliegt, und dass das nur deshalb nicht bemerkt wird, weil die mit der Suche befassten Intelligenzen sich ohne es zu wissen darauf festgelegt haben zu wissen, wie dieser Beweis aussehen müsste, ohne sich dessen bewusst zu sein, dass sie sich damit den Weg zur Erkenntnis versperren. Im Kontext ‚wissenschaftlicher Kreativität’ und künstlerischer Phantasie und Produktivität sind derartige Sachverhalte schon des Öfteren erörtert worden. Zum Beispiel wurde die Röntgenstrahlung eigentlich nicht aufgrund einer gezielten Suche entdeckt, sondern der Entdecker wurde aufmerksam auf ein eher zufälliges Aufleuchten eines dazu geeigneten Schirms, als in seinem Labor mit Kathodenstrahlröhren experimentiert wurde, und er ging diesem Phänomen nach und begann es zu untersuchen. Am Anfang der Entdeckung stand also eine bestimmte Art der Aufmerksamkeitsverteilung bzw. eine durchaus nicht unbedingt ungeübte Disposition, die Aufmerksamkeit gewissermaßen nebensächlichen Erscheinungen und vorübergehenden zufällig erscheinenden oder ausgelösten Nebeneffekten zuwenden zu können und sie ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken.

Nun, es gibt diese Art von Effekten und Erscheinungen auch im menschlichen Lebensalltag zur Genüge und es gibt ja auch inzwischen schon Vorgänger in dieser Sache, auf die man sich stützen kann, indem man ihre Methoden untersucht, die die menschliche, scheinbar in sich selbst ganz selbstverständliche Erscheinungswelt in dieser Weise untersuchen und damit durchaus fündig werden, und ich bin völlig sicher, dass diese Erforschung der menschlichen Lebenswelt keineswegs erschöpfend zu Ende gebracht worden ist. Es war eigentlich immer so, dass ich versucht habe, Dich auf diese Zusammenhänge und vor allem Möglichkeiten aufmerksam zu machen, also dass nichts so selbstverständlich ist wie es erscheint.

Das sofort eingängige Beispiel ist ja das Schauspiel des Sonnenaufgangs im Osten, ihre Wanderung über den Himmel und ihr Untergang im Westen, eben wie man das kennt, und alle Wissenschaftsgeschichte schließt auf die eine oder andere Art und Weise oft an diese Selbstverständlichkeit, um zu zeigen, dass dem Vorgang dieser Erscheinung eine Ordnung und Regelmäßigkeit zugrunde liegt, die gerade dieser Erscheinung unmittelbar nicht entnommen werden kann, ebenso wenig wie dem sich daran anschließenden, aber auf den ersten Blick gar nicht ohne Weiteres zusammenstimmenden Phänomen des ‚Umschwungs der Himmelsschale, die man mit ihren ihr angeklebten glitzernden Sternchen, die man sich als gewissermaßen mit Nadeln in eine von hinten beleuchtete und angestrahlte kugelförmige Hülle vorstellte, in deren Mittelpunkt man sich jeweils selbst befand, während diese Hülle sich mit einer je nach der Entfernung, in der man sie wahrzunehmen meinte, größeren oder kleineren Drehgeschwindigkeit um diesen Mittelpunkt und eine durch ihn gehenden Achse herumbewegte.

Das war gewissermaßen ein Versuch, sich die Erscheinungswelt durch eine Projektion unmittelbarer, aus dem Lebensbereich des Alltags entnommener Erfahrungen zu erklären, indem man zugleich meinte, das derart INTERPRETIERTE ganz unmittelbar WAHRZUNEHMEN. Der Vorgang der Projektion, mittels derer dabei die Wahrnehmung INTEGRIERT wurde, verschwand dabei spurlos in dem unter ihrer Herrschaft Wahrgenommenen, das sich einfach als ein vollständig Äußeres den Sinnen, hier dem Sehsinn darstellte, so dass der Schein, es hier mit einem als solchen ohne weitere Zutat gegebenen Äußeren, einem Gegenstand sans phrase zu tun zu haben, mit dem Objekt derart verschmolz, dass die produktive Tätigkeit der die Wahrnehmung strukturierenden Subjektivität diesem Subjekt verborgen blieb. Während es aus zweifellos vorhandenen sinnlichen Daten eine Erscheinungswelt konstruierte, erschien ihm/ihr (das Erkenntnissubjekt hat kein Geschlecht, jedenfalls zunächst und hier ist es nicht zwingend eines zu unterstellen) lediglich das Produkt dieser konstruktiven (‚kreativen’) Tätigkeit (also schöpferischen Tätigkeit, man muss hier nicht Werbefachleute oder Bilanzfälscher vor Augen haben, sondern einen Schöpfer, den es also, das wäre dann schon klar, in jedem Fall gibt, es ist nur noch zu präzisieren, wie seine Konstitution vorzustellen ist, und da das ein unter denselben, schon angedeuteten Prämissen stehender Vorgang ist, ist er in gewisser Weise einer im Rückgriff der Reflexion auf ihre eigenen Voraussetzungen vorzustellen und hier muss das Interesse an einer überaus bemerkenswerten Forschungsmöglichkeit eigentlich mit der erwachenden Neugier zusammentreffen, die sich vereint daran machen, diese Richtung einzuschlagen in der sicheren Erwartung, dass sich hier in der Tat der bedeutsamste, wenn auch von möglichen Hindernissen übersäte und teils noch ungebahnte Pfad zwar zunächst noch in der sich in Nebel und Schneegestöber oberhalb verlierenden Opazität der Landschaft verlieren mag, so dass auch der Gipfel, also die Entfernung zu ihm nicht zu sehen ist, aber die Richtung ist doch wenigstens insoweit klar, wie jeder Bergsteiger fast immer weiß, in welcher Richtung er liegt, obwohl er sich auf einem Plateau auch gelegentlich mit schwierigen Orientierungsproblemen herumschlagen müssen wird.

Und der Zwang sich gelegentlich aufgrund der äußeren Umstände länger als einem wünschenswert erscheinen mag, in einem Basis  oder Zwischenlager aufhalten zu müssen, kann unangenehm sein, aber er kann letztlich lediglich verzögernde Wirkung haben und dient gewöhnlich einem Sinn, der oft später erst klar wird, und der sich als notwendige Vorbereitung auf das Kommende erweist, nachdem man es aus der Sicht der Vollendung zu sehen bekommt. Die möglichen Weiterungen der Metapher liegen nun zwar auf der Hand, aber man darf der Verführung, die darin liegt, nicht nachgeben, sondern muss sie im Sinne dessen disziplinieren, worauf man aufmerksam machen will. Man verliert sich sonst in dem Dickicht einer autonom gewordenen Metaphorik, die sich gegenüber der Absicht verselbständigt, und man kann an Menschen, die dann immer zuhören und dann sagen: „Und…dies und das.“ immer erkennen, dass sie den von der Metapher evozierten Bildern und Vorstellungen folgen ohne eine eigene Absicht zu haben (deshalb verlieren sie sich in der evozierten Bildwelt) und ohne eine Absicht zu erkennen.

Das ist aber identisch mit dem – nun innerhalb der Metapher – Verlust der Orientierung, und das ist nun wohl hinzuzufügen, dass darin eine wirkliche Gefahr für die Wandernden erkennbar ist, deren innermetaphorisches Korrelat der Verlust des Gefühls für die Richtung ist, allgemein also die Verirrung, die tatsächlich in eine Katastrophe ausmünden kann, die Katastrophe, deren Korrelat jenseits der Metapher ein endloses Herumirren ist, das nie zum Gipfel führt, sondern meist zu einem Verenden, mit dem indessen viele, ich bin so kühn zu sagen, die größte Anzahl der Gattungsexemplare der Tiergattung Homo sapiens zu allen Zeiten, zu denen die wenigen beharrlichen Forscher/innen jeweils unausweichlich innerhalb einer ihnen gemeinsamen Zeitgenossenschaft ihr Leben führen (während andere vielleicht immer nur geführt werden und dieser Führung auch bedürfen, so dass sich das nicht mit Verachtung, sondern evtl. mit Bedauern betrachten lässt, aber auch die Möglichkeit bereitstellt, sich solchem Führungsbedarf zur Verfügung zu stellen, wenn man nicht andere Ziele hat, die das definitiv ausschließen. Es gibt indessen mit Sicherheit Ziele, die sich mit der Übernahme von Führungsverantwortung vereinbaren lassen und die sogar von den daraus erwachsenden Erfahrungen gestützt und gefördert werden, so dass sich hier aus dem vermeintlich Nachgeordneten durchaus Möglichkeiten ergeben, die zeigen, dass die Nebenordnung der Bereiche (ich lasse das gezielt im Vagen, um Deiner Einbildungskraft einen möglichst großen Spielraum freizugeben) durchaus zu einer wechselseitigen Verstärkung der Produktivität der nebengeordneten Bereiche, also zu einer Anplifikation des Gesamteffekts beizutragen in der Lage sein können.).

Es ist die Fixierung dieser Produktion, die dann als ‚Erklärung’ den nun vorherrschenden Eindruck, den die derart homogenisierte Wahrnehmung als solche hervorzurufen scheint, die dann als – von Priesterkasten bis hin zu ‚Wissenschaftlern’, in der kulturellen Konsequenz ist das Dasselbe, wenn auch nicht in Bezug auf die Folgen, von denen die der Institutionalisierung höchst bedeutsam sind, da sie sekundäre Effekte bestimmter Art haben, die ebenfalls in die kulturell verbindlich gemachten Muster eingehen – Kultur imponieren, und den Status eines Weltbildes erhalten, das nun für alle verbindlich ist. Zugleich verwandelt sich die Produktivität der lebendigen Subjektivität in ein äußeres Produkt, das ihm, wenn und wo es sich erneut zu konfigurieren versucht – und das ist mit jedem neu geborenen Gattungsexemplar, das das gesamte Gattungswesen in sich trägt und mit sich führt, also auch alle seine Potentiale und natürlich seine Schwächen, seine Gefährdungen – als ‚Lehre’ fertig entgegen tritt und sich ihm nach Art eines Prägestempels aufzudrängen versucht, vermittelt durch die Kulturträger, die Eltern im weitest möglichen Sinne, die die Gesamtverantwortung dafür tragen, als die jeweils vorangehende Generation, dass die Gesamtheit der Kultur, des Weltbildes, das ja auch die Gesamtheit der jeweils erschlossenen Möglichkeiten der jeweils lebenden Generationen ausmacht und deshalb als Produkt nicht notwendig bereits abzuwerten ist.

Zugleich ist dieses Gesamt durch die jeweils konkreten Erwachsenen, die diese Einführung in eine Kultur zu leisten und die sie übernommen haben, seien sie nun ‚verantwortungsfähig’ oder nicht, und sowohl ihre Persönlichkeit als auch ihren die Grenzen ihres jeweils eigenen Überblicks über die Gesamtheit dessen, was in Kultur und Weltbild investiert ist, vermittelt und in den Personen, die diese Einführung in Kultur vornehmen, so oder so vergegenständlicht, was auch die jeweils festzustellenden Grenzen betrifft, von denen ich gesprochen habe, buchstäblich, wenn auch vielleicht zwingend nur nach der Art von Facetten, die von dieser und von jener Person gewissermaßen perspektivisch ‚verzerrt’ dargestellt werden (display), aber doch ganz buchstäblich ‚verkörpert’. Inkarnation ist insofern – Du hast da ja gute Vorkenntnisse aus Deiner gelungenen Kooperation mit Deiner Religionslehrerin, vermute ich einmal – nicht nur ein theologischer Begriff, der das Heilige, das Exzeptionelle, ja das Einzigartige benennt, sondern, zumal da der Vater Gott ja aus einem guten Grund Mensch (und damit Sohn und von einer Frau jenseits der Grenzen der bürgerlichen Eheregelungen, möchte ich einmal in Übereinstimmung mit den überlieferten Wahrscheinlichkeiten, jedenfalls mit den überlieferten Berichten sagen ‚zur Welt gebracht’) geworden ist, und sich an diese Intuition die hartnäckige Behauptung einer anderen Religionen überlegenen Einsicht knüpft, das zumal in ‚unserer’, also der Kultur, die sich, ob mit Unglauben oder Skepsis, Ablehnung oder Zustimmung bis hin zur religiösen Intoleranz gegenüber jeder Form der Bezweiflung oder alternativen Angeboten, auf dieser Grundlage bewegt und fortexistiert, gerade weil der Streit über die (beiden) ‚Naturen’ dieser Inkarnation heute in den Hintergrund getreten ist – seine mögliche Latenz gründet sich auf einen Mangel an Information und daraus erwachsender möglicher Kenntnis – vielmehr das kulturell eigentlich erwartbar Gewöhnliche, das jedem Gattungsexemplar in einer gewissen Weise sowohl offen und zur Verfügung steht als auch auferlegt ist.

Das Gattungsexemplar wächst zu einer so oder so begrenzten, vielleicht auch einer geschwächten, einer vereitelten oder verfehlten Inkarnation der Kultur heran nach Maßgabe der Inkarnationen (Eltern, Lehrer/innen, Menschen der Lebensumgebung, Freunde/innen, Feinde/innen, Wohlwollende und Überwollende usw.) die es in diese einweisen. Das betrifft aber zunächst nur eine Art von institutionalisierter Automatik, die durch ihre Regelungen sicherstellen soll, dass ein bestimmter Standard in Übereinstimmung mit der organischen Reifung sowie der seelischen Entwicklung zustande kommt.

Die Termini ‚Reifung’ sowie ‚Entwicklung’ sind also beziehungsweise den Vorgängen des Organismus und der seelisch-intellektuellen Entwicklung zugeordnet, wobei sich entsprechend bestimmter Einsichten der kognitivistischen Entwicklungstheorie der gesicherte Befund eines Zusammenhangs zwischen Reifungsstufen der organischen Entwicklung und dem Auftauchen intellektueller Funktionen bzw. Fähigkeiten ergibt, an die sich die von der Erziehung bereitgestellten und für die Vermittlung notwendig erachteten Bestände jeweils nur entsprechend dem betreffenden Reifungsgrad herantragen lassen. Die Bildungseinrichtungen richten sich denn auch mehr oder weniger intuitiv nach diesen Bedingungen und Voraussetzungen, von denen unterstellt wird, dass die Objekte der Veranstaltung ‚Erziehung’, ‚Sozialisation’ bzw. ‚Bildung’ oder ‚Ausbildung’ ihnen mit einer zu unterstellenden Durchschnittlichkeit in einem jeweils bestimmten Alter gewöhnlich genügen. Die differentialdiagnostische Betrachtung des jeweils tatsächlichen Entwicklungsstands (bzw. der Retardation oder einer Abweichung, die auf einen Vorgriff der Reifung gegenüber dem statistischen Durchschnitt verweist) ermittelt dann, wenn alles gut geht, die faktischen Abweichungen nach Bedarf und ordnet das jeweilige Individuum dann entsprechenden Verfahren zu. Aber das ist alles im Bereich der bekannten Konkretionen.

Die Wiederkehr der produktiven Potenz des Subjekts, das aller Kultur als einem bloßen Produkt – das ist hier in Erinnerung zu bringen ohne dass damit anderes gemeint ist als eine Trivialität, die indessen den sich als ‚Hüter’ der Kultur fühlenden, instaurierten, promovierten und habilitierten verwaltungstechnischen Verfügern gelegentlich entgeht, was sich indessen verstehen lässt, wenn man erkennt, dass sie sich an den Buchstaben halten, weil sie es zum Subjekt einer Kultur nicht gebracht haben. Es ist klar, dass der Vorwurf Verbitterung hervorruft, aber auch diese Verbitterung ist, als Ressentiment nichts weiter als ein Symptom für dasselbe: Dass sie nunmehr mit der Nase darauf gestoßen werden, es nicht zum Subjekt der Kultur gebracht zu haben, die sie mittels eines Machtapparats lediglich verwalten, sich eigentlich nu in den Besitz von Mitteln, toter Materie gesetzt haben, während sie als Inkarnationen kaum mehr sind als Schablonen, Klischees, Stereotype von Aspekten und Ausschnitten schematisch ‚angeeigneter’ Bestände, wobei das Selbstverständnis, das im Terminus ‚Aneignung’ (oder Anerleben, also fortgesetzter Simulation des von der Kultur zu ermöglichenden Lebens) steckt, der in diesem Selbstverständnis unablässig begegnet und einer Selbstcharakterisierung, das fälschlich mit dem Selbst Verständnis identifiziert wird, während es diesem gerade diametral entgegengesetzt ist, just das Verfehlte und letzten Ende im einem umfassenden Sinne pathologisch Symptomatische ganz offen benannt wird.

Es ist das eine Methode, die im offenen Bekenntnis die essentiellen Unterschiede einebnet, indem sie das Abgeleitete zur Norm erhebt und als solches einfach als Massenphänomen zum Allgemeinen macht, indem sie das Allgemeine mit dem Massenphänomen gleichsetzt (eine Rechnung, die letzten Endes nie aufgehen kann, sondern einfach nur eine pathologisch erhebliche Verstocktheit und Rechthaberei, letzten Endes eine systematische und chronische Unterbietung und Verfehlung verallgemeinert und mit mehr oder weniger Gewalt oder Drohungen ein bloß Faktisches zur Geltung bringt, letzten Endes die zum Geheimnis erst dadurch erhobene Grundlage aller Kultur in der produktiven und lebendigen Inkarnation ihrer subjektiven Wurzeln aus der von ihr beherrschten Welt, einer Welt der organisierten Barbarei auszuschließen und verschwinden zu lassen versucht. Eben darin hat das Bild des Gekreuzigten, das dieser Bewusstseinsverfassung vorgeführt wird seine Wahrheit, eine Wahrheit, die sogleich durch die Interpretationen, mit denen das Offenbare umgeben wird, wiederum zum Geheimnis werden muss, insofern diese Interpretation dem Geisteszustand und der Bewusstseinsverfassung und dem Selbstverständnis sogleich so weit wie möglich entgegen kommt, um die Faszination von dem ihr/ihm präsentierten offenbaren Rätsel, das ihm/ihr die eigene Verfassung und Wirklichkeit darbietet und in einem Symbol darstellt, zu einer wenigstens leidlichen Zähmung der Bestie zu nutzen.

Die Intellektuellen folgen längst dem Pfad der Liquidierung des Subjekts der Kultur, verwickeln sich dabei aber lediglich in die unauflösbare Paradoxie, zu dieser Bewerkstelligung, die auf die verschiedenste Art und Weise durchgeführt werden kann, voraussetzen zu müssen, was sie doch erst in einem Vorgang der Erörterung verneinen wollen. Man kann das Subjekt vergesellschaften, es in Sprache auflösen, in Interpretation, in Kommunikation oder Konsens, in Psychopathologie, in Psychiatrie (Vg. zum Beispiel das heute durchaus erheiternde und zum Lachen reizende dreiste Buch das Psychiaters C. Lombroso, Genie und Irrsinn, dessen ‚wissenschaftlich rationalisierter Größenwahn ein völliges Unverständnis zeigt angesichts von ihm völlig unverstandenen Phänomenen, und das ein Beleg dafür ist, dass hier völlig lebensfremde Menschen sich entlang einer ihnen nicht bekannten Furcht und Abwehrhaltung mit dem Mut der verzweifelten Verleugnung und der Entschlossenheit zum vollständig dichten Nichtwissenwollen nach Art von kühnen Helden einem Drachen stellen, dessen Bewältigung sich dann auf die Zusammenstellung von abwertenden Gemeinheiten reduziert, mit denen diese Sieger dann dem getöteten Ungeheuer den Fuß auf die Brust setzen, unter den Augen der Jungfrau Maria vermutlich, deren Reinheit sie das geschlachtete Opfer darbringen.

Diese Methode, sich für diese Geisteshaltungen völlig unzugängliche Phänomene einfach mittels heterogener Nomenklaturen und Klassifikationen zu unterwerfen unter völligem Verzicht auf jedes Verständnis, der sich als die Pointe dieses Wissenschaftsansatzes auch noch aufspielt, hat durchaus aktuelle Nachfolger in demselben Geiste, wobei das Dasselbige in einer Anpassung an den herrschenden Zeitgeist des verbreiteten Vorurteils und die ihm entsprechenden Sprachregelungen direkt anschließt, was dann durch die Übersetzung ins Lateinische gewöhnlich etwas unkenntlich gemacht wird. Faktisch bleibt die vorherrschende Methode der Abwehr, die innerhalb des zugrunde liegenden Kollektivs die Phänomene wesentlich mit erzeugt, das mehr oder weniger unmittelbar ersichtliche Leitmotiv auch dieser ‚wissenschaftlichen Forschung’, und bildet mit ihr die Einheit einer kaum wesentlich modifizierten, sondern nur im praktischen Umgang etwas abgemilderten Mentalität, was nicht unbedingt bedeuten muss, dass diese Handhabung der Phänomene nicht gelegentlich auch nützliche Befunde und Ergebnisse aufweist. Man kann aufgrund eines völlig falschen Verständnisses oder falscher Prämissen durchaus zu Ergebnissen kommen, denn ‚ex falsi quodlibet’.

Und nicht jedes gefundene Ergebnis falsifiziert einen ‚Forschungsansatz’, und besonders dann nicht, wenn dieser den Status einer zusammenhängenden Theorie gar nicht hat oder gar nicht erst anstrebt. Auch dafür, für diesen ‚Verzicht’ kann es ja gute Gründe geben. Im Übrigen erzielen auch ‚Teufelsaustreibungen’, die ja nach wie vor praktiziert werden, ebenso wie Hypnose und Beichte, gelegentlich wünschenswerte Ergebnisse. Das ist aber alles einem Suchverhalten gleichzusetzen, das man an vielen Insektenarten beobachten kann, und das gelegentlich in vereinfachter Form in Computerspielen simuliert sehen kann, ebenso wie den geradezu als Notwendigkeit imponierenden Erfolg dieses wohl einfachsten erkenntnistheoretischen Modells.) Neurologie und cognitive science, in Verhaltenstheorie oder Lerntheorie.

Die am weitestgehenden ‚ im Eigensinne positiven der ‚wissenschaftlichen’ unter diesen Versuchen (Vg. etwa Ann F. Neel, Handbuch der psychologischen Theorien) haben die pragmatistische Schlauheit oder Gewalttätigkeit, je nachdem wie man das sieht, wahrscheinlich ist es eine Kombination aus beidem und stellt kaum etwas anderes dar als die ‚Verwissenschaftlichung’ schon beschriebenen Mentalität (Vg. Ulrich Raulff [Hg.], Mentalitätsgeschichte) – oder das, was sie dafür halten – so weitgehend von diesen Voraussetzungen abgesetzt ihre wissenschaftliche Konzeption zu formulieren, dass das Liquidierte in seinem mittels der wissenschaftlichen Methode geschaffenen Material, also den Aussagen und Fakten, gar nicht mehr zu einer sei es auch schemenhaften Konfiguration kommen können soll. Bei genauem Hinsehen erscheint es aber in der Unhaltbarkeit von Konzeptionen, die die unvermeidlich dennoch notwendigen impliziten Vorannahmen, die gewissermaßen einfach in das Forschungssetting verlegt werden, und den materialen Befunden, die ohne die Voraussetzung des Verleugneten nicht zu erzielen wären. Keiner der Versuche kann gelingen, da er Voraussetzungen in Anspruch nehmen muss, die er in der Sache verleugnet oder deren Nichtexistenz er zu beweisen beansprucht.

Worauf alle Versuche der Depotenzierung und endlich der mehr oder weniger vorausgesetzten oder stillschweigend betriebenen Liquidierung der produktiven Subjekts hinauslaufen, ist die Beschreibung und die Untersuchung aller Möglichkeiten der Vereitelung oder der Behinderung seiner stets erneuten Geburt.

Das ist so legitim wie richtig angesichts einer metaphysischen und philosophischen Tradition, die es sich jedenfalls nach Ansicht der in der Form der Kritik, die selbst dort immer noch Kritik an der von ihr postulierten Selbstverständlichkeit seiner Wirklichkeit oder Verwirklichbarkeit bzw. Erneuerung von Generation zu Generation, also in der Folge der Kette der Generationen angesichts eines immer höher sich türmenden Berges von Materialien, eines immer mehr sich verschlingenden Labyrinths von Befunden, Verstellungen und Bedingungen der Möglichkeit, deren umschlagen in Bedingungen seiner Unmöglichkeit in der Tat kaum drastisch genug dargestellt werden kann, angesichts eines immer enger um das Individuum gezogenen praktischen Zwangs zur Verengung seiner Sicht auf die entstandene Welt, angesichts seiner scheinbar immer weiter schrumpfenden Beitrags zum Gesamtbestand der Welt, angesichts seiner Marginalität gegenüber den sich türmenden Bewaffnungen und Machtmittels, die es nicht einmal bemerken, wenn sie über seine Existenz hinwegtrampeln und es oft nicht einmal intentional zermalmen im Namen des Fortschritts, der Demokratie, einer bessren Welt für alle – die dann die Vernichtung des Individuums unvermeidlich werden lässt, und sei es nur als nebenher zu verzeichnender Schaden – angesichts von Verkehrsverhältnissen, deren Nebenfolgen die der Lebensverhältnisse der Azteken nicht nur in der Ausdehnung (als Weltgesellschaft), sondern auch in der Intension in einem Maß und ganz alltäglich überbieten ohne sich dazu noch eigens auf das Heilige berufen zu müssen, vielmehr so, dass sich der ganze Stolz der Säkularisierung auf diese Form des Opfers stützt und daraus darüber hinaus Überwachungs-  und Kontrollbefugnisse generiert, die alles in den Schatten stellen, was Unterwerfung und Knechtung historisch unter Pharaonen und Cäsaren oder auch Priesterschaften bisher zuwege gebracht hat, angesichts der Standardisierung von Erziehungs  und Sozialisations-Prozessen (!), die jedem gemacht werden, ob er will oder nicht, die eine Normierung zu erzwingen versuchen, die jede Individuierung jenseits der Norm sofort als Abweichung zu identifizieren und zu korrigieren bestrebt ist, ausgrenzt oder mittels Konditionierungen subtilster Art – im Wesentlichen wiederholten mehr oder weniger schwachen Traumatisierungsmaßnahmen, an deren Horizont der Tod unmissverständlich als das denkbare Äußerste droht, ohne dass dem Opfer die Folterwerkzeuge oder der Galgen oder der Eingang des Konzentrationslagers als einziger Weg in die Freiheit noch eigens gezeigt werden müsste, alles dies sind, zumal angesichts der möglichen und stets drohenden Umwandlung aller möglichen Mittel der Verwirklichung der Freiheit, die Subjektivität ist – sonst gibt es keine, und alles andere ist schimärisch, Ablenkungsmanöver und Irreführung – also aller kulturellen Bestände und ihre Voraussetzungen: Sinnlichkeit, Sprache, Körperlichkeit, Bedürftigkeit, Intelligenz, kulturelle Materialien etc. ebenso viele mögliche Fallstricke für die Verwirklichung, die Geburt des lebendigen Subjekts aller Kultur von Anfang an.

Das hervorgehoben zu haben, ist das unbezweifelbare Verdienst aller Anstrengungen, die darauf gerichtet sind, die Fallgruben und die Möglichkeiten der Verirrung, der Verfehlung und der Verzweiflung an der Aufgabe aufzuzeigen und zu dem Ergebnis zusammenzufassen, das sich bei genauem Hinsehen aus einigen Zeilen eines songs von Bob Dylan ablesen lässt, dessen Textbestand auf beeindruckende Weise dasselbe besagt wie alle diese verdienstvollen Erklärungen des Endes oder der immer schon nur schimärischen Wirklichkeit der produktiven und lebendigen Grundlage aller Kultur in der Subjektivität, die sie hervorbringt, wie immer der scheinbar ins Unübersichtliche anwachsende Berg der Artefakte sich im Labyrinth des Museums und seinen Magazinen anhäuft, zu dem Kultur unter diesen Umständen wird, wo sie nicht der Beförderung und Selektion und der hierarchischen Strukturierung der Biomasse praktisch zu dienen hat, sei es indem sie sie verwertet und nutzt, um den Betrieb aufrechtzuerhalten, sei es dass sie sie zertritt und vernichtet, einspannt und ausgrenzt oder was immer sich in diesem an Dynamik abspielenden globalen Riesengehäuse abspielt, mit seinen Aufzügen und Fassaden, Kellern und Hinterhöfen, Untergrundbahnen und sweat shops, seinem Verbrauch und seiner Reproduktion der vorerst noch weiter expandierenden Biomasse der Tierart Homo sapiens auf Kosten der aus der umgebenden Welt gesogenen Energien und Materialien. Vernunft, hieß es einmal, sei eine Grenzreaktion.

Das ist mit Sicherheit nicht in jeder Hinsicht korrekt. Denn erkennbar ist die Grenzreaktion in diesem Fall eindeutig systemfremd, systemextern. Die strukturierte Biomasse des Homo sapiens wird erkennbar von keiner ausmachbaren Vernunft begrenzt und es ist ebenso wenig absehbar, dass es zu dieser Grenzreaktion innerhalb dieser subkritischen Masse kommen könnte. Vielmehr zeichnet sich ab, dass es die thermodynamischen Gesetze sind – nicht sein werden – die die innerhalb der subkritischen Masse, ein Ausdruck, der übrigens hier keinen quantitativen Sinn hat, die diese ausbleibende Grenzreaktion im inneren des Systemzusammenhangs substituieren, und damit ist jenseits von Kant, aber nicht zu dessen Nachteil oder um ihn ins Unrecht zu setzen, vielmehr hat die von Kant noch als ‚Menschheit’ mit dem Großmut des optimistischen Menschenfreunds kontrafaktisch ‚angesetzte’ Biomasse des Homo sapiens diesen ihr offerierten Standard abgelehnt und gefällt sich darin, ihn in einem offenen Bekenntnis vorsätzlich zu unterbieten, unter Anleitung von ‚Wissenschaftlern’, die dazu die Entschuldigungen liefern, indem sie den letztlich trivialen und theologisch unerheblichen Nachweis der Herkunft der Tiergattung zugleich als Beweis und Entlastungsgrund dieser Tiergattung von allen Verpflichtungen und aller Verantwortung für sich selbst oder andere, sei das nun innersystemisch oder im Verhältnis gegenüber der Lebensumgebung zu betrachten ermutigen, dass dieses Tier zu einer die Bezeichnung verdienenden Vernunft gar nicht wirklich fähig sei, was zugleich bedeutet, dass sich die Zumutung als eine unzulässige Überforderung insgesamt ablehnen lasse und damit erledigt sei.

Und dies alles müsse dann natürlich auch bedeuten, dass der Anspruch, zu dem Subjektivität nun unversehens wird, als unverschämter und im Übrigen völlig an der Realität vorbei gestellter Anspruch an die eigene Natur, die eigenen Grenzen als organisches Individuum, als erzogenes Individuum mit äußerst begrenzten Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnissen, als von mehr oder weniger gewaltsamen Zufällen leicht zu traumatisierendes organisches Wesen, das kaum einer Folter und dessen Selbstwertgefühl kaum einer angedrohten Ausgrenzung zu widerstehen vermag, wie sehr leicht am überall einsehbaren praktischen Beispiel zu zeigen ist, deren Masse nebenher anfällt und genügend Anschauungsmaterial bietet, das geeignet ist, jeden Anspruch zu belehren über seine Impotenz und Ohnmacht, als überzogener Anspruch gegenüber dem Ganzen, dem sich jede/r einzuordnen hat, und als völlig illusionärer Anspruch gegenüber der Welt als Ganzer angesichts der Größenverhältnisse von Zeit und Raum im Verhältnis zu dem einmal ganz übertrieben und mit einer maßlosen Selbstüberschätzung als ‚Mikrokosmos’ überbewertete Fehleinschätzung zu betrachten ist, die sich auf nur zu leicht erklärbare Voraussetzungen der frühen Genese des Verhältnisses von Selbst und Objekt zurückführen lassen, indem infantile Größenphantasien (dazu bedarf es allerdings eines Rückgriffs auf die Befunde der Psychoanalyse, die als Ganzes zunächst der Forschungen Sigmund Freuds in Betracht zu nehmen ist, woran sich die verschiedenen Weiterungen entsprechend den ihnen zugrunde liegenden ganz unterschiedlichen Motiven anschließen könnten, aber nicht ohne eine ausdrückliche auf die keineswegs einfach als autonom zu betrachtende Wissenschaftsentwicklung in diesem Forschungsfeld, und man wird dabei auf ein weiteres Labyrinth stoßen, in dem sich zu verirren nicht zufällig möglich ist, denn es könnte ja auch darauf angelegt sein!) sich in das überzogene Selbstverständnis des derart nur scheinbar Erwachsenen, und zwar als psychopathologisch erhebliche unerwünschte Abweichungen eingeschlichen haben, um sich in der Form überzogener Rationalisierungen zu möglichst unauffällig zu halten. Letztlich also kann man auf diese Weise den Versuch einer Selbstbehauptung in der Form des Subjekts, das sich selbst zunächst behauptet, als existent unterstellt, um sich dann praktisch zu behaupten wohl als Abkömmling des Selbsterhaltungsprinzips identifizieren, während man die Resultate seiner Ausformung als pathologisch zu bewertende Aberration negiert.

Nun kann man wohl danach fragen, inwieweit diese Anträge bzw. Ermahnungen therapeutischer Art konsequent im Fundus der wissenschaftlichen Betrachtung als Folgen bestimmter Vorannahmen gefunden werden können, aber ebenso kann man fragen, und zugleich sogar, inwieweit diese Wendung zu Anamnese, genetischer Theorie, Diagnose und Indikationsstellung nicht ihrerseits eine Form der versuchten Negation des Subjekts ist, die keineswegs notwendig aus den sei es auch noch so differenziert und exakt sowie komplex aufbereiteten Möglichkeiten einer immerhin in dieser Radikalität auch bewunderswerten Darstellung aller möglichen Hinweise für seine Verhinderung, Verstümmelung oder Gefährdung folgt, insofern alle diese Befunde zwar ganz richtig als Hinweise auf alle diese wirklichen und ernst zu nehmenden Gefährdungen und Fallstricke für jede wirkliche Subjektivität sein dürften, aber doch nicht wiederum so, dass damit im Ernst gezeigt wäre, es sei vielmehr unmöglich.

Vielmehr lässt sich unter dem Eindruck dieser imponierenden Befunde, denen sich im Übrigen die Kultur , Geistesgeschichte, die Geschichte der Erfindungen und Entdeckungen sowie die schlicht politische Geschichte als Ganze hinzufügen lassen, womit sich erst das ganze Ausmaß aller dieser denkbaren Hindernisse und Gefahren für die Wirklichkeit der produktiven Subjektivität vor dem Auge, den Sinnen des Betrachters dieses ungeheuren Ringens ausbreiten, aber just in dem Augenblick, in dem alles dies einem Blick zur Betrachtung zur Verfügung gestellt ist, der darüber hingleitet und bei allem zugleich ist, so wie im Unbewussten die Zeit aufgehoben ist, und so wie sich im Traum potentiell unzählige Bedeutungen zu dem verdichten können in einem Symbol, das man dann überdeterminiert nennt, in diesem Moment ist vielleicht nicht eine intellektuelle Anschauung verwirklicht im Sinne Schellings, und auch nicht eine ‚Intuition’ zur ‚Evidenz’ gebracht, die alles umfasst ohne Gegenstand zu sein oder werden zu können, aber unbezweifelbar stellt sich jeder einigermaßen differenzierten, und im Prinzip jedem offen stehenden Übersicht ganz klar heraus, dass sich in all diesen kulturellen Materien, die ja insgesamt vom Begriff der Bedeutung nicht zu trennen sind, ein Subjekt in stets wechselnden Selbstexperimenten immer wieder anders nicht nur einfach zur Erscheinung bringt, sondern vielmehr unzweifelhaft aktiv ist, indem es das unmöglich zu verleugnende Agens und das in jedem vorwärts treibenden Moment auch zur Erscheinung und zur Wirklichkeit kommende Subjekt des geschichtlichen Prozesses der Kultur ist. Im Inbegriff der Produkte erscheint der fließende Umriss des schöpferischen Subjekts so wie der Umriss einer Gestalt in einer zunächst beliebig erscheinenden Konfiguration von Linien und Flächen, Schatten und Licht, hell und dunkel. Und dieser so als Gestalt erscheinende Umriss ist wiederum nur der Widerschein der betrachtenden und in dieser zugleich aktiven Subjektivität, die sich in alle dem, was sie geschaffen hat, einfach nur so wieder erkennt, wie die Quelle aller Bedeutung sich in den Bedeutungen wieder erkennt und erscheint. Die Betrachtung schlägt aus dem Äußersten, in das sie sich ‚entfremdet’, entäußert hat um in Selbsterkenntnis, zunächst gebunden an das Material. An dieser Stelle setzt nun die in die umgekehrte Richtung umschlagende Analyse an, deren Neugier an der Betrachtung des Materials in dem Moment geweckt wird, in dem sich Subjekt in dem betrachteten Material undeutlich an einem Umriss, einem Schatten einer Gestalt selbst erkennt, wie in einem blinden Spiegel.

Nun ist aber klar, dass dieser sich abzeichnende Schatten oder Umriss kaum mehr sein kann als eine Vorwegnahme dessen, was nun erst noch zu entschlüsseln sein wird. Denn das sich so zuerst gewahrende Subjekt steht sofort vor dem Problem, dass es in dem Moment, in dem es seines Umrisses in der Betrachtung seiner ‚Spielzeuge’, seiner Objekte wie in einem blinden Spiegel, zudem in Fragmente zerstreut gewahr wird, seinerseits sich selbst als Objekt unter Objekten identifiziert, also als Moment einer Welt fragmentarischer, aber durch ihre Bedeutsamkeit zugleich aus einer diffusen Umgebung herausgehobener Gegenstände, hinter denen, um die herum sich ein noch unbestimmter Hintergrund ausbreitet oder zusammenzieht, wie das in dem Abschnitt in der ‚Genesis’ beschrieben wird, in dem sich die Wasser zusammenziehen und das Feste auftaucht. Die Objektwelt, als deren Moment sich das Subjekt anhand dieser zuerst identifiziert, taucht wie ein Archipel aus dem diffusen Hintergrund auf und konturiert sich, indem sie zugleich eine Reflexion auf das sie identifizierende und sich in dieser Identifikation selbst erahnende Subjekt zurückwirft, gewissermaßen den Reflex des Blicks, der auf die Objekte geht indem er sie als Inseln der Bedeutsamkeit für sich konturiert.

Mit dieser Wende von der bereits konstituierten Objektwelt, wie das Bewusstsein des um ihre Kenntnis und ihre Handhabung bemühte Erwachsene oder Heranwachsende in dem Moment vorfindet, in dem sein intellektuelles Interesse, seine Neugier ausdrücklich wird, zu dem eigenen Selbst ist aber noch weit mehr verknüpft als nur gleichsinnig, aber in ‚entgegen gesetzter Richtung’ zu betreibende ZurKenntnisNahme, deren Bearbeitungsprinzipien dieselben wären wie zuvor. Indem das Subjekt sich selbst als auf die Objektwelt fallenden Schatten erkennt, kann sich wohl die Frage auftun, die alsbald in einem Gewissheit übergehen wird, dass diese Welt der Objekte zugleich eine Genesis in seiner eigenen geschichtlich vermittelten Aktivität hat, in deren Produkten sich zugleich sein eigenes Werden darstellt, so dass nun der Untersuchung der Bedeutungsschichten nachgegangen werden kann, die sich in dieser Bedeutungswelt übereinander gelagert, legiert, durchmischt und ineinander gefaltet haben: Aber diese genetische oder auch archäologische Untersuchung, die ja keineswegs auf die bezahlte Beschäftigung des als Ausgräber angestellten Angestellten der Archäologie beschränkt ist, insofern es hier um eine Archäologie des Wissens, der Sprache und der Kultur, der Herkunft der Artefakte in einem subjektvermittelten Sinn geht, ist doch nicht, so weit sie auch vorangetrieben wird in die bedeutungsvollen Kompositionen, aus denen eine Kultur sich als Ganzes zusammensetzt, dasselbe wie die mit der Wende des Subjekts von seinem Schatten zu sich selbst.

Einerseits geht die Analyse der Artefakte und Bestände und Zusammenhänge, die sich im Weltbild einer Kultur zusammenfassen, an einem jeweils anders, aber dennoch benennbaren Punkt über einer Bedeutungsanalyse, meinetwegen einer Hermeneutik, in Chemie, Physik, Maschinenbau, Technologie. Mathematik, Linguistik, um einige zu nennen. Das Verständnis der als Welt zunächst erscheinenden Gesamtheit eines überall geschlossenen und lückenlosen Erscheinungsbildes, wie es oben anhand des Beispiels des Sonnenaufgangs beschrieben worden war, wird durch ihrer Zerlegung, durch Isolierung einzelner Teilbereiche in eine Analyse überführt, die immer weiter führt und überall an der Stelle der zunächst geschlossenen und zweidimensionalen Oberfläche alles Begegnenden, auch wenn es in einem dem Sehsinn zugänglichen Nahraum in einer durch den Horizont begrenzten und begehbaren Tiefe geordnet ist, die sichtbar wird anhand der verschieblichen partiellen Verdeckung der in der Richtung des Fluchtpunkts des Blicks sich verkleinernden Dinge. Die Wende zum Subjekt der Wahrnehmung und Analyse dieser Welt erfordert dagegen mehr als bloß dies. Ein ähnlicher Übergang ist hier wohl denkbar und liegt in der Organmedizin so gut vor wie in den Varianten der Psychologie, die den Organismus des Tieres Homo sapiens als einer Lebensform unter anderen von der Klasse der Säugetiere sich vornehmen, und so gut mit Hunden, Ratten oder auch anderen Primaten vergleichen.

Die dabei seit mehreren Jahrhunderten aufgeführte Tragikomödie wäre ein Grund zum Lachen, wenn die daran beteiligten Wissenschaftler sich nicht so ungemein erst nehmen würden und dies nicht auch von ihrem Publikum verlangen würden. Im Wesentlichen ist das Problem stets dasselbe: Das Medium aller Experimente und der Formulierung von Forschungsergebnissen, sogar der Fakten, wird stets als Ausgangspunkt aller wissenschaftlichen Arbeit vorausgesetzt, aber von der Definition des Objektbereichs der Forschung nicht wieder erreicht. Anders gesagt ist z. B. die Sprache, das Sprachvermögen der Gattung Voraussetzung aller Forschung, also auch dieser, andererseits will diese Forschung die Gattung aus einem Erklärungsansatz wieder gewinnen, das auf einer Ebene einer Lebensform angesetzt wird, von der aus es keinen Übergang zur Sprachlichkeit gibt, da die Definition des Objekts dazu zu allgemein ist (Säugetier z. B.). Alle Versuche, die ‚linguistische Kompetenz’ im Sinne der von Noam Chomsky gewählten analytischen Definitionen und Ergebnisse, sozusagen aus ihrer Symmetrieasche herauszudrehen, Ergebnissen und Analysen, deren Sinn man nicht vollständig durchdringt, wenn man ihre angeblich ausschließliche Orientierung an der ‚Syntax’ als Defizit im Hinblick auf die ‚semantischen’ und ‚pragmatischen’ Dimensionen der Sprache bemängelt oder eine derartige Kritik nicht ihrerseits untersucht auf die Verfehlungen des von Chomsky Gesagten.

Jede aufmerksame Betrachtung zeigt z. B., dass Chomsky in jedem Fall die ‚semantische’ ‚Schicht’ der Sprache gerade von seiner Betrachtung her sehr gut expliziert, und Ähnliches gilt auch für die angeblich so wichtige Pragmatik, die mit ihrer etwas voreiligen Gleichsetzung von Sprache und Handlung möglicher Weise ihrerseits zu weit geht, und Differenzen einebnet, die tunlichst unterschieden bleiben sollten, damit nicht ihrerseits, wie man das bei Jürgen Habermas leicht sehen kann, Soziologie, zunächst als Wissenschaft von der Handlung, auf dem Wege einer verkürzenden Gleichsetzung dieser Art in analytische Sprachtheorie übergeht, die dann mit Hermeneutik aus Gründen legiert wird, die anderswo zur Sprache kommen müssen. Es dürfte so sein, dass Noam Chomsky sich unerschrocken angesichts der schon auf dem Markt beherrschenden Autoritäten um einen Zugang bemüht hat, der das Verständnis und das Erlernen von Sprache sowie ihre Grundlagen als einer ausschließlich der Gattung Homo sapiens eigenen Fähigkeit, dort aber einer allen Gattungsexemplaren als angeborenes Potential mitgegebenen Fähigkeit verständlich machen will, und zwar wiederum potentiell allen. Der Versuch von Jürgen Habermas (Theorie der kommunikativen Kompetenz, die zwischen einem sprachpragmatischen – Sprache ist Handlung – und einem semantischen – Hermeneutik: Sprache ist Medium von Interpretation/Deutung – schwankt, während Karl Otto Apel eine Sprachpragmatik mit ‚transzendentaler’ Anlehnung an Kant, aber ohne Soziologieanlehnung an den soziologischen Handlungsbegriff von Max Weber und Talcott Parsons bevorzugt, wie Jürgen Habermas das tut.) ist dagegen ganz anders angelegt und im Kern elitär und totalitär, indem er eine ausgesuchte Gemeinschaft von Kompetenten mittels eines bestimmten Wissenschaftsbegriffs zugleich um ein Verständigungsmodell konzentriert, das sich seinerseits durch den Ausschluss der Nicht Kompetenten definiert. Eine Aristokratie von Wissenschaftlern entscheidet über Wahrheit vor dem Hintergrund einer Instanz namens Konsens, die den Souverän vertritt oder simuliert.

Letztlich bleibt das Resultat aller Verständigungsprozesse nicht-reziprok abhängig von einer urteilenden Instanz, von der das Zugeständnis der Kompetenz und des Status der ‚wahren Aussage’ letztlich ‚lizensiert’ wird, ebenso wie die Äußerungen an Kriterien ‚wissenschaftlicher’ Art genormt werden, die zu normieren wiederum letztlich dem hinter dem Paravent der Wissenschaftlergemeinschaft wartenden Zauberer von Oz abhängt, der den Schatten der Versagung seiner Zustimmung über die Gartenidylle dieser ‚Sommergäste’ und Lichtgestalten der wissenschaftlichen Zivilisation wirft (sozusagen die ‚Taylons’ aus der Science Fiction Serie ‚final conflict’ nach Gene Roddenberry, des ganzen Arrangements). So sinnvoll die ‚analytischen Unterscheidungen’ von ‚Syntax’, ‚Semantik’ und ‚Pragmatik’ auch sind, so sind sie doch nicht einfach, nachdem sie einmal irgendwo gemacht wurden, zu analytischen Zwecken, auf eine andere Betrachtungsweise zu übertragen, die einen ähnlichen oder denselben Gegenstand mittels einer Herangehensweise untersucht, die auf diese Unterscheidung verzichtet und meint, das zu können, und dabei beachtenswerte Ergebnisse erzielt, die man nicht einfach damit entwerten darf, das man der Herangehensweise nun vorwirft, ihr fehlten die Unterscheidungen, die man selbst gemacht haben will, vorausgesetzt, man habe sie selbst nicht erdacht und in einer eigenen Analyse auch angewandt. Denn dann genügt es, die aus der eigenständigen Betrachtung bezogenen Ergebnisse vorzulegen. Im Übrigen genügt es, die Ergebnisse Chomskys zu betrachten (z. B. Aspekte der Syntax Theorie bzw. Aspects of The Theory of Syntax.).

Es ist eine Erschleichung einer bestimmten Rezeptionstechnik, die insgeheim massiv interpretativ ist, ohne das allerdings offenbar zu machen, eine Art der kritischen Aneignung zu erfinden, die ebenso eine kritische Erledigung ist, indem sie nach Wunsch mittels einer rezeptiven interpretativen Kritik Lücken und Mängel in der wissenschaftlichen Arbeit Anderer entdeckt, die sich nur ausgleichen lassen, wenn sie zunächst offen gelegt werden, indem man sie durch Rekonstruktion (er )findet, und das dann noch verbleibende per Platzanweisung in das eigene überlegene Konzept integriert. Wenn man das nicht genügend clever tut, kann es sein, dass man das stattdessen auf den Schild gehobene Verfahren diskreditiert (in diesem Fall die Hermeneutik), indem man mehr oder weniger freiwillig zeigt, dass sie nichts ist als die historisch bereits abgelegte Rhetorik, polemisch gesprochen, Demagogie als Wissenschaft. Denn nach den ‚verantwortlich handelnden’ Großmeistern der Kunst kommen die weniger wählerischen Claquere und Mitläufer, die Nachahmer und Leute, die weniger Bedenken haben, die ‚guten Lerner’, die Sprachen leicht aneignen können, und dann ist auf einmal bei richtiger ‚Interpretation’ aus allem beinahe alles andere zu machen, je nach persönlicher Begabung.

Ohne zu weit einzusteigen in die Konzeption von Jürgen Habermas, das er selbst ‚hermeneutisch’ nennt, aber doch an einem transhermeneutischen Wissenschaftsbegriff orientiert, den er den empirischen Wissenschaften entnimmt, ist hier nur auf die Abweichung hinzuweisen – die genauere Ausführung muss anderswo erfolgen – auf die es hier abgesehen ist. Im Unterschied zu Habermas, der die Wende in Richtung des Subjekts wohl vollziehen möchte, jedoch vor dem Problem scheut, den damit eingeschlagenen Weg auch zu Ende zu gehen, indem er sein Konzept gegenüber der Psychoanalyse abgrenzt, indem er sie in die Klinik einweist, wo sie mit ihren Patienten glücklich werden darf mit seiner Erlaubnis, ist zunächst ganz anders vorzugehen, denn es geht nicht um eine formale Abgrenzung von ‚Soziologie und Psychoanalyse’, Das ist aber die Fragestellung, an der Habermas hängen bleibt, und auch die Frage, warum das so ist harrt natürlich einer Antwort, die sich nicht von ihm die Normen vorgeben lässt, an denen sie diese Untersuchung orientiert auf der Suche nach einer Antwort. Fragt man nach den Erfordernissen für den Erfolg der analytischen Wende von der Kultur zum Subjekt der Kultur, dann kann man kaum daran vorbeikommen, dass alle wissenschaftlichen Mittel und Methoden sowie Befunde zur Anwendung kommen müssen, die dafür zur Verfügung stehen, und es gibt da weder von keine denkbare Borderline, die eine Grenze oder Klasse festlegt für die zur Anwendung kommenden Methoden, mittels derer der durchgehende Zusammenhang der Mirko  und der Makrophänomene, der subjektiven und objektiven Konstitutionsbedingungen von Subjekt und Kultur nachzuweisen bzw. herzustellen und zu zeigen ist. Der Theoretiker, der sich auf dieser Borderline niederlassen will um sie zu hüten, wird zu einem zu untersuchenden Phänomen. Er stürzt ab aus dem Status des Subjekts in den Bereich der durchaus bedeutungsvollen und aufschlussreichen Artefakte, deren Status und Komposition sowie Genese zu klären ist, ebenso wie das damit stets verbundene Phänomen der Bedeutung eines Phänomens oder Symptoms. Denn alle Phänomene sind auch in gewissem Sinn stets Symptome. Beide teilen eine Eigenschaft: Dass sie auf (außerdem noch) anderes hinweisen als bloß sich selbst.

Es bedarf für einen skeptischen Leser – und das sollte jeder Leser sein – mit Sicherheit einer genaueren Vorbereitung des Nachweises der Notwendigkeit der folgenden Überlegung. Aber man kann gelegentlich auch so verfahren, dass man zunächst die Lösung präsentiert in der Form eines Postulats um dann die Begründung, die dazu führt nachzureichen.

Eine der kaum durch ‚wissenschaftlichen Fortschritt’ überholbaren oder dem Vergessen zu übergebenden Einsichten von Habermas, an die sich indessen anknüpfen lässt, und die die Frage aufwirft, warum Habermas selbst daraus nicht die radikalen Konsequenzen aus ihren Implikationen zieht, die gewissermaßen auf der Hand liegen, und deren Bedeutung in Hinsicht auf die Konstitution des Subjekts von Gesellschaftstheorie doch nach Möglichkeit mit den bestmöglichen zur Verfügung stehenden und weiter zu entwickelnden Mitteln erforscht und untersucht werden sollten, ist die Bemerkung, wonach das Subjekt durch die Akte des Erkennens hindurch dem erkannten Zusammenhang angehört, den es sich als Gegenstand gegenüber findet. Das bedeutet aber doch zugleich, dass dieser Gegenstand gewissermaßen zwei Seiten hat, so wie das Subjekt einen Januskopf. Denn der Gegenstand ist dann einmal alles an bedeutungsvermittelten Strukturen und Objekten, das sich als Welt dem Subjekt gegenüber findet, wenn es seine Aufmerksamkeit dieser zuzuwenden beginnt, eine Welt, die als geschlossene Oberfläche erscheint (ohne Lücken), und andererseits sich selbst, ebenfalls als eine selbst gegebene Erscheinung, deren Genese ganz und gar rätselhaft sein muss, wenn es sich selbst als Gegenstand nur näher ins Auge fasst.

Freitag, 1. August 2008

Nicht vergessen: Der Anlass ist die Phantasie, eine pharaonische Mumie zu sein, die denkt. Osiris/Isis Mythos: Der zerstückelte Leib des ermordeten Bruders Osiris wird von Isis wieder zusammengefügt. Rebeccas Gestaltung des Eingangs zu meinem Zimmer als Pharaonengrab.

Kurt Eisslers wohl auf einzigartige Weise minutiöse Studie zu Johann Wolfgang Goethe, zweite Lektüre, im Moment in II. das vierte Buch des Wilhelm Meister, zitiert er ‚Kennst Du das Land, wo die Zitronen blühen…’, die Rede ist von Marmorstatuen, und mir fällt blitzartig eine Erinnerung aus meiner Pubertät ein, in der ich mich im Dunkeln im Park in der Nähe des Großen Teichs, nein, am nahen kleinen Teich befinde, neben einem bemoosten und mit Efeu überwucherten kleinen Wasserfall befinde, der unter einem Torbogen einer Brücke hindurchführt, die man vom oberen Weg aus als solche nicht wahrnimmt, und unter der Wasser vermutlich von dem großen Teich in den kleinen fließt, neben einer weiblichen Statue der Venus befinde, die mich auf eine unendlich traurige Weise berührt. Ich möchte mich ihr nähern, berühre sie auch, aber die bleibt stumm, starr und kalt. Ich weiß wohl, dass ich sie nicht zum Leben erwecken kann, aber ich liebe sie und wünsche mir, dass sie lebt. Zugleich bin ich selbst eher noch ein Kind, und die Statue ist die einer erwachsenen Frau. Das erscheint aber nicht als bedeutsam. Die Erinnerung ist zugleich mit der an die Faszination und die geradezu magische Wirkung der Schriften Josef Eichendorffs verbunden (deren bloße Imagination mit der Heraufrufung seines Namens etwas zugänglich macht, dem ich noch nicht auf den Grund gegangen bin, das aber ungemein wichtig sein muss und das Motiv dafür sein dürfte, dass ich später in der Bildung an einer Universität Deutschlands etwas suchte, das dort nicht mehr finden zu können schließlich dazu führte, dass ich mich gegen diese Institution entscheiden musste um das zu retten, was ich dort vergeblich, aufgrund eines Irrtums, den ich nicht zu verantworten habe, suchte, am falschen Platz. Inzwischen geht es nicht mehr darum, den Platz zu finden, an dem ich es suchen müsste. Der ist gefunden: Ich bin es selbst.

Es geht darum, das zu platzieren im Rahmen der vorhandenen Kultur. Dass es diesen Platz nicht nur verdient, sondern darüber hinaus vor allem ihr, dieser Kultur dieses Landes, so wie es jetzt ist, ohne Ausschluss dieses oder jenes in sie eingewanderten neuen Elements, versteht sich, denn auch ich bin nur ein Immigrant aus dem Exil eines langen Missverständnisses.), der ja auch eine Geschichte mit dem Titel ‚Das Marmorbild’ geschrieben hat, aber im Übrigen diese Aspekte der Phantasie Goethes geradezu zu seinen Thema hatte. Es zieht sich aber durch alles. Was er schrieb. Im ‚Taugenichts’ habe ich mich blitzartig wieder erkannt, als ich in der Schule auf die Geschichte aufmerksam wurde. Zugleich hat mich die mir darin erscheinende ‚Prognose’ meines ‚Schicksals’ zutiefst erschreckt. Indessen ist alles das eingetroffen. Leah und Rahel am See in dem Sommer, in dem ‚Tante Leni’ starb, das herzzerreißende daran, das ich niemandem mitteilen konnte und auch gar nicht begriff. Tante Leni’s an mich adressiertes Buch über den Untergang des Abendlandes (Richard Wagner, Friedrich Nietzsche fallen mir ein und die höfliche Indifferenz, mit der sie beide von den ‚Philosophen’ des Giessener Instituts übergangen wurden, die sich gegenüber der bloßen Nennung der Namen schon verhielten als schwebten die alliierten Bomberflotten über ihren Häuptern, diese feigen, gebrochenen Gestalten in den angemaßten Rollen väterlicher Lehrer und verantwortlicher Führer im Labyrinth der zertrümmerten Kultur Europas, in den gelehrten Schwachsinn gebombte, gehirngewaschene impotente Krüppel, Gestalten aus den Geschichten E. T. A. Hoffmanns, Betrüger in den Masken ‚gütbürgerlicher’ Krawattenträger, die ‚Rollenspieler’ Ralf Dahrendorfs und Habermas’.

Nicht nur die Rezeption der Rollentheorie durch Habermas zerreißt das ihn angeblich mit der Kritischen Theorie verbindende Band, sondern auch seine Einweisung der Psychoanalyse in die Klinik, von der man sich fragen muss, woher er die Kompetenz dazu eigentlich nimmt. Was man bei Medizinern akzeptiert, weil es einfach nur die Grenzen ihres Fachs und ihrer erklärten Zuständigkeiten formuliert und ihr Berufsgruppenmonopol verteidigt, was man bei einer Interessenvertretung dieser Art kaum verwunderlich finden kann, ist angesichts des Widerspruchs zwischen der Unzuständigkeit Inkompetenz von Habermas in der Sache gegen seinen eigenen Kompetenzbegriff gehalten ein unbezweifelbares Symptom, zumal es gegen die ‚Logik’ seines eigenen Denkens verstößt. Das muss alles zur Sprache kommen.) Aber vor allem, wie nah Rebecca meinem Geheimnis gekommen ist, als sie diese Gestaltung des Eingangs zu meinem Zimmer vornahm. Sie hat es auch in ihrer Schule ‚verewigt’, indem sie es riesengroß auf die Wand eines Schulraums projizierte. Aber dort hat nichts sich bewegt. Die stumpfe Blödigkeit dieses Betriebs schreit zum Himmel. Ich hatte meine Kinder schwachsinnigen Betrügern auszuliefern, von Staats wegen, der von demselben Abschaum durchweg besetzt und erobert ist. Die Feiern des ‚Widerstands des 20. Juli’ sind eine einzige, völlig gegenstandslose Blödheit, nicht einmal eine Heuchelei, denn dazu gehört ein Bewusstsein des Unterschieds des Richtigen und des Falschen und die bewusste Dissimulation des bewussten Betrugs.

Ich leide indessen nach wie vor an dem vernichtenden Gefühl der völligen Wertlosigkeit meiner schriftlichen Produktion, obwohl ich den Grad ihrer Reife und Belehrtheit auch erkennen kann. Aber irgendetwas wirft immer wieder einen verächtlichen Blick darauf und sagt: Scheisse! Nicht wert, aufgeschrieben oder zur Kenntnis genommen zu werden. Gestern Abend auf ARTE ein arabischer Film über Averroes im spanischen Andalusien. Der Film endet damit, dass Averroes den Soldaten dankt, die gerade seine Bücher verbrennen, und er wirft ein versehentlich nicht ‚den Flammen übergebenes’ Buch noch selbst in das Feuer, denn seine von der Vernichtung bedrohten Schriften sind just durch diese Bedrohung nicht nur gerettet, sondern auch von seinen ‚Kollegen’ und gelehrten Konkurrenten akzeptiert und dadurch gerettet worden, dass sie durch eine Intrige, der der Kalif zum Opfer gefallen war, ebenso wie seinem neidischen Stolz gegenüber dem Gelehrten, der etwas kann, was ihm keine Macht der Erde zu verschaffen vermochte, Denken, gerettet wurden, hinter dem Rücken des Kalifen von einem seiner Söhne, die den Kalifen zur Besinnung bringen über die Intrige und denen er wie für die Rettung der Schriften des Gelehrten, der sein einziger Freund war, dankt, so dass sich die Familie des Kalifen wieder (mit dem Gelehrten) zusammenfindet, in dem noch nicht verlorenen Andalusien. Der Film endete in einem Abspann mit einem ergreifenden Lied, das mir den Zauber der arabischen Kultur wieder erschlossen hat, den ich als Kind gegenüber der ägyptischen empfunden habe, angesichts eines ungeheuren Buchs von Braestedt über Ägypten, das mich mein Leben lang begleitet hat. Die Geschichte dieses Buches muss ich erzählen, wie es in meinen Besitz gelangte und wie es mich mein Leben lang begleitet hat.

Eine Stimme eines jungen Mannes sang ein unendlich ergreifendes Lied, in dem ich meine Sehnsucht wieder erkannte, diese Sehnsucht, die mich mein Leben lang begleitet hat und die unauslöschliche Melodie meiner Existenz bildet, die sich jetzt unter dem ungeheuren Lärm und Geklapper der intellektuellen akademischen und Schriftlichkeiten und Vorlesungen, den trockenen Belehrungen und der Gewalt der an mir vollzogenen Gehirnwäscheversuche, die die Sieger im Verein mit einer gewalttätigen Bande von Kollaborateuren über diese Kultur verhängt haben mittels der von ihnen für Unterworfene und Geschändete erfundenen ‚wissenschaftlichen Theorien’, die ihnen ihre Nichtswürdigkeit als bloße gefangene Tiere stündlich und in jeder Sekunde als eine ihnen aus dieser Belehrung von Innen unablässig entgegenschallende Stimme vorhält um sie am Boden ihres aus nichts aus Worten bestehenden unentrinnbaren Kerker festzuhalten, erneut entgegen klingt, indem sie in Klage über den Verlust Andalusiens für die arabische Kultur ihr Echo findet.

So wahr ich lebe, wird dieses ‚intellektuelle Verhängnis’ über der niedergetrampelten Kultur Europas vergehen, und mit ihr die Gewalttäter und ihr Pragmatismus, der Philosophie von Banditen, Plünderern und Mördern, die uns auch ideell zu vernichten und in ewiger Gefangenschaft festzuhalten trachten, dabei nichts zu bieten haben als eine Kultur, die bei genauem Hinsehen nichts ist als Unterhaltung für eine bedenkenlose römische Soldateska, Lanzknechte (die oft begegnende Schreibweise ‚Landsknechte’ ist eine bemerkenswerte ‚Sublimierung’: Sie verbirgt das unverhohlen Mörderische mittels der Abschwächung eines ‚z’ in ein ‚s’, und fügt dem die Aufweichung mittels eines ‚d’ hinzu, macht also aus dem ‚z’ ein ‚ds’. Tse! Es ist das Vorbild aller weichgespülten politischen und sozialpädagogischen Sprache) und bezahlte dogs of war.

Heimweh kann ich das nennen, woran ich nahezu vergehe. Meine jüngere Schwester, meine Mutter…verloren, alle verloren wie tot.

Die amerikanischen Mörder und Vergewaltiger, die Mädchen schwängerten, die dann als ausgestoßener Abschaum herumliefen, die Tochter des Gefängniswärters, die hochschwanger und mit einem entsetzlich bleichen Gesicht herumlief und dann verschwand. Ihr Bruder war ein gewalttätiger Rabauke, Hansi Wintersdorf, aber einmal kam diese Schwester, noch vor ihrer Schwangerschaft, ein wirkliches Gretchen, still, mit glattem, langem aschblondem Haar zu uns ins Haus und bat mich schüchtern und mit leiser Stimme (das fiel mir auf, weil sie eher im Alter meiner älteren Schwester war, die sechs Jahre älter war als ich. Sie war auch größer und schon recht weiblich anzusehen und mich ergriff eine heimliche, kaum mehr als keimhafte Zuneigung, die ich mir nicht eingestanden hätte, die mir aber heute in der Art ihrer Entstehung ganz deutlich vor Augen steht, weil sie von ihr auszugehen schien um mich für den kurzen Zeitraum zu bezaubern, während dessen wir zusammen in meinem Zimmer unter uns waren) um ein paar Spielsachen oder eine Lektüre für ihren kranken Bruder und in dessen Namen, so dass ich ihr bereitwillig verschiedene Comichefte gab, während ich mich ein wenig darüber wunderte, dass dieser Rabauke nicht nur krank sein konnte, sondern dann auch den Wunsch danach hatte, etwas zu lesen, und dass er mir zutraute, dass ich etwas dazu beizutragen hätte, denn er war nie, so weit ich weiß, bei mir zu Hause gewesen. Wir trafen uns gewöhnlich nur auf der Strasse. Aber was ich als bedeutsam erinnere ist vor allem, dass ihre Art mit mir zu sprechen mich dazu brachte, ihr einen bebilderten Band mit den Märchen von Wilhelm Hauff mitzugeben, in dessen Kunstmärchen ich intuitiv das gesamte Grauen meiner Bad Nauheimer Existenz wieder erkannte. Bis heute sind die die durch verschiedene Maßnahmen der Sanierung und des Umbaus freilich vernichteten Schauplätze meines damaligen Lebens in einem mehr oder weniger großen Umkreis um das Haus in der Parkstrasse, dem auch Züge eines Hauses aus einer Geschichte von Theodor Storm eignen, so wie vielen Charakteren, die mich umgaben, Züge aus Märchen und aus den Geschichten von Hoffmann hatten, unauslöschlich mit den von Wilhelm Hauff geschaffenen Zügen der Kultur und Sozialpsychologie Deutschlands verbunden, die weit genauer als alles psychologische Geschwafel eine seelische und kulturelle Wirklichkeit der Charaktere der Menschen und der Lebensumgebung wiedergeben. Alle diese sichtbaren Formen des alltäglichen Grauens, das an seinen quasi unmittelbar sichtbar gemachten affektiven Qualitäten und Eigenheiten unmittelbar erkennbar gemacht war, ist durch die Pseudorationalisierungen der Verhaltenstheorie und durch die begriffslose Dissimulation der Sozialtechnologie und ihre gegenstandslosen skelettartigen Gerüstbauten gewissermaßen verdampft worden, um es der Sicht  und Erlebbarkeit zu entziehen, so dass die derart konditionierten und zugleich auf das bloße begriffslose ‚Erleben’ reduzierten seelischen und Bewußtseinsverfassungen auch gar nichts mehr zu Erleben imstande sind, obwohl die darauf reduziert sind. An die Stelle tritt eine Konditionierung, die dem Grauen weder eine Wahrnehmung noch einen Begriff zuzuordnen vermag. Was an die Stelle tritt, sind Reflexe, die in den Stereotypen der jeweils auf die Möglichkeit des Bewußtwerdens des Ünsäglichen und Furchtbaren einfach mit einem ebenfalls den Plakatsäulen abgelesenen Bannspruch vergegenständlicht bereit liegen und ebenfalls von Vorbetern geprägt und propagiert werden, die die Medien beherrschen.

Die Verbannung des affektiven Lebens aus dem bewussten Lebensalltag dieser Welt ist das gewollte Produkt einer Konditionierung, die jede Wiederkehr dieser unabdingbaren Grundlagen des Lebens nur als Krankheit ‚akzeptierten’ kann, mithin seine Integration in die Existenz und das bewusste Leben systematisch und präventiv bedroht. Das Kind, das sich vor einem Lehrer fürchtet, der problemlos, bei angemessener Wahrnehmungsfähigkeit als ein brutaler Gewalttäter erkennbar und gerade deshalb, oder jedenfalls auch deshalb überhaupt nur zum Systemfunktionär werden kann, gibt nicht etwa die Wahrheit über den an ihm von Agenten dieses Erziehungssystems an ihm begangene Schändung wieder, die sich als Erziehungsauftrag rationalisieren darf. Der Missbrauch wird aus seiner Normalform auf die dazu nur zu dienlichen Extreme jenseits der deklarierten Erziehungszwecke projiziert und dort kaserniert. Dann treten die Verfolger als Hüter der Ordnung in Aktion, die vor diesem Missbrauch schützen. Zugleich wird der präventive Verdacht auf alle Nicht Funktionäre projiziert, und damit die Zerstörung der Familie weiter rücksichtslos vorangetrieben, indem die gesetzlich erlaubten Eingriffsrechte immer weitergehend ausgedehnt werden. Und ohne Zweifel tut man mit der Aufdeckung und der Verhinderung solcher verborgenen Gewalt im Familienumkreis nicht nur Böses, sondern der Absicht nach auch Gutes.

Aber die von den Agenturen der derart immer mehr zur Verwaltungssache von Großorganisationen mit ihrer unausweichlichen Tendenz zur militärischen Organisation (das hat man dem Kommunismus doch immer so lautstark angekreidet, der diese Praxis des möglichst frühen, vor der Reifung der Urteilskraft einsetzenden Zugriffs auf die frühkindliche Sozialisation freilich nur von der religiösen Praxis seiner Vorgänger in derselben Funktion der sachgerechten Abrichtung von sprechenden Nutztieren geerbt und übernommen sowie – wie auch im Land aller Möglichkeiten problemlos ersichtlich anhand des Extremwerte der ‚Erforschung’ der kindlichen Sozialisation, die keineswegs nur einen Vorteil für die Objekte dieser Praktiken ist, die die Zwecke nicht kennen können, für die sie unter diesen Umständen zu Objekten der Erwachsenengeneration bzw. ihrer professionellen Funktionäre werden. - ) betriebene Zugriff auf die nachwachsenden Generationen hat unausweichlich zur Folge, dass die generativen Quellen der Reproduktion der Nutztiere als Eltern im Wesentlichen zunehmend depotenziert werden, so dass sie am Ende als leere Hüllen einer forensischen fiktiven Restverantwortlichkeit, als eine Art Teilzeitbetreuer ihrer eigenen Nachkommen mit minderer (professioneller) Kompetenz übrig bleiben, während sie für die gesamte Finanzierung des an ökonomischen und betriebswirtschaftlichen Kriterien – und das sind die kulturell allein und als Kultur übrig bleibenden Kriterien – aberwitzigen Unternehmens der Fortpflanzung verantwortlich gemacht werden, die dann, weil die Einkommen dazu nicht mehr ausreichen, unter unsäglichen Bedingungen von der staatlichen Arbeitslosenverwaltung der stigmatisierten ‚sozial Schwachen’ Almosen gewährt erhalten, auf Anträge hin, die dazu zwingen, dass diese Eltern sich selbst vor der Allmacht dieser Verwaltungsmaschine und ihren auf Sachbearbeiterniveau konditionierten Agenten nackt ausziehen um sich begutachten zu lassen.

Wen hier noch immer nicht das nackte Grauen dieser Umwandlung der einstigen Gesellschaft in ein Lager vor Augen steht, in dem nicht einmal mehr die Arbeit frei zu machen imstande ist – was ja der Wahrheit der Konzentrationslager entspricht, über deren Eingang diese hermeneutische Variante des Mottos der Dante’schen Hölle zu lesen steht auf ewig, als ewiges Symbol der Wirklichkeit der Sublimierungen des säkularen Staates – der mag dann meinen, hier handele es sich um das dann notorisch einfallende ‚Jammern auf hohem Niveau’. Die Replik ist in jedem Fall Ausdruck dessen, dem das dann einfällt. Es gehört in die Gruppe der Abwehrreflexe, zu denen auch die Frage: Was ist Wahrheit? gehört und die Formulierung: Das war doch schon immer so, während demselben Bewusstsein angesichts von Ereignissen, die länger als zwanzig Jahre her sind, der Satz entfährt: ‚Das war doch eine ganz andere Zeit’, und wenn es sich um die Rede über ein Artefakt handelt, es sei ‚antik’, im Kontext mit ‚Flohmarkt’.

Der Punktförmigkeit des Bewusstseins entspricht seine fehlende Tiefe. Es ist aber nicht nur flach oder gar eindimensional. Marcuse konnte mit seinen Zeitgenossen aber vielleicht noch ihrer Realität angemessen großzügiger sein. Weise behielt er nachfolgenden Betrachtern die Möglichkeit der Bezeichnung einer weiteren Schrumpfungsstufe vor, der Schrumpfung auf die Dimensionslosigkeit des auf einer time line nach Art amerikanischer Computerenzyklopädien entlang laufenden dimensionslosen Markierungspunktes. Da ist immer nur Jetzt!, ein Jetzt, von dem aus die Pseudopodien dieser dimensionslosen Bewusstseinsamöbe sich nach allen Richtungen des Raums um diesen Nullpunkt entlang der Kraftlinien triebhafter Strebungen ausbreiten und zurückziehen, dass dabei der Eindruck eines aufgeschlagenen und von Oben betrachteten Spiegeleis entsteht, mit dem Unterschied, dass es ‚lebt’, also um einen vage ausmachbaren Kern herum sich ein schwankendes, auf organisch vermittelte ‚Bedürfnisse’ konzentriertes und sich entlang des Schwankens im Vorherrschen dieser Bedürfnisse in Richtung und Ausgriffsweite modifizierendes waberndes Gewebe bildet, das nur im engsten Belichtungsraum seiner Momentanbewusstheit operiert in dem es von diesen mit seinen Bedürfnissen erhellt und absucht.

Diesen Kriterien genügen Börsenmakler, Präsidenten und Proleten, Politiker, Punks und Psychologen und Prostituierte gleichermaßen. Wie denn die ‚Sozialarbeit’ ‚bemüht ist’, hier alle als ‚Menschen’ gleichermaßen zu rechtfertigen und zu definieren, anhand des niedrigst denkbaren möglichen Maßstabs, und das ist eben der Organismus eines triebhaften Allesfressers, der aus der Erfahrung des Experiments, das die Machtapparate immer schon zumal als Massenexperiment exekutiert, wenn auch nicht so sorgfältig geplant haben wie die Psychologen und Experimentatoren am Menschen mittels des geeigneten ‚settings’ dazu gebracht werden kann, alles zu tun, was von ihm ‚erwartet’ wird. Das reicht bekanntlich denn auch bis in die Choreographien der als wissenschaftliche Forschung getarnten und weitgehend unkritisch akzeptieren, gar als ‚Befreiung’ gefeierten Experimentanordnungen der ‚Sexualforscher’ Masters et. Al., die eigentlich nur taten, was Zuhälter, Freier und Huren schon immer taten, nur das das nun den Rang der Wissenschaft erhält und die sado masochistisch legierten Gemengelagen von Voyeurismus und Exhibitionismus sich hier mit allen polymorph perversen Triebstrebungen unterhalb der genitalen Stufe zusammenfinden zu Praxis, Wissenschaft und Theorie, die alle zusammen endlich in den auf diese Weise geschaffenen, propagierten und legalisierten globalen Markt für ein Milliardenbusiness münden, der Fluggesellschaften und Resorts, Urlaubsparadiese endlose Ketten von Spelunken, alle möglichen kriminellen Unternehmen mit Futtermitteln und Zielen sowie Gewinnen versorgt und auf dem sich dann ein paar verlorene Apostel als Missionare und Aufseher tummeln, um die letzte Bastion jedenfalls aller bisherigen und bekannten Kulturen zu verteidigen, das Inzesttabu, während es bereits dem organisierten Großangriff eines globalen Tummelplatzes erliegt, auf dem es längst erledigt ist, indem der gegen es gerichteten Tendenz genügend Spielraum zur Verfügung steht, der erlaubt es im Rahmen kaum mehr kaschierter Formen auszuagieren. Es sind indessen dieselben Mentalitäten, die sich dann empört als Ordnungshüter aufspielen, die davon leben, dass der Abriss, die flächendeckende Vernichtung aller kulturellen Substanz unter dem Stiefel und den Bombenteppichen einer imperialen Soldateska, die sich immer schon ihre Kampfmaschinen und –methoden von den ihr ergeben zuliefernden Wissenschaftlern in ihren eigenen Reihen aufmöbeln ließ entlang dem jeweils sich ergebenden Bedarf von Mitteln, die die bereits geplanten Eroberungen und Schleifung der Kulturen und sozialen Formatierungen der Angegriffenen zu optimieren oder zu maximieren half.

Wenn das nicht den Eindruck eines gigantischen Stalls macht, in dem ein um seinen inneren und äußeren Halt gebrachte, ihrer Instinkte und ihres Instinktersatzes beraubte Tierart unter die anderen, ihr vermeintlich unterlegenen Lebensformen auf derselben oder auch auf ‚niedrigerer’ Komplexionsstufe des organischen Lebens herabsinkend, im Kontext dieses Verlustes und vorerst (zu hoffen ist hier auf die Anpassungs  und Leistungsfähigkeit der Viren und Bakterien) mangels eines Fressfeindes, der sie begrenzen könnte, dazu übergeht, sie so weit er eben kann, alle aufzufressen oder als (Nahrungs)konkurrenten zu vernichten, und als solcher nicht stört, dann nur deshalb, weil sich das Bewusstsein darin eingerichtet hat als in einem natürlichen und ihm angemessenen Zustand, an dem es nichts Auffälliges zu finden gibt, insofern es der Zustand ist, auf dem sich subjektive Zufriedenheit eben deshalb einstellt, weil alles ausagiert werden darf, das mit dem Rahmen der Ordnung, der diese Verhältnisse erst erschaffen und global durchgesetzt hat, verträglich erscheint. Wenn der ‚wissenschaftliche Forschritt’ sich in der gleichen Richtung bewegt, einer Richtung prinzipieller Entgrenzung englang des jeweils Möglichen in der Direktion der Auffindung weiterer Möglichkeiten zu weiterer Entgrenzung des Bereichs des Möglichen, so ist das nur ein Beleg nicht nur für die Synchronizität der Prozesse, sondern einer für ihre prinzipielle Identität.

Die überaus fatale Formulierung, die aus einem Werbespruch zu einer politischen Formel und einer globalen unternehmerischen und politischen Strategie wurde und als ein Versprechen von ‚Freiheit’ auftritt, unterliegt ebenso der organisierten und privatisierten Wissenschaft zugleich, denen die Parallelaktionen einer zugleich imperialen und einer ihr parallel geschalteten Privatarmee im Einsatz für expansive und aggressive imperiale Ziele entsprechen, die sogar von den Kontrollen der internationalen politischen Organisationen ‚abgelöst’, ‚unabhängig’ und ‚frei’ werden kann und daher nicht nur auf eigene Rechnung, sondern auch jenseits der wie eine ältliche unverheiratete Tante abgefertigten internationalen Regelungen für den Kriegsfall operieren, unter der Begleitmusik der Truppenunterhaltung, die als Musik  und Filmindustrie weltweit operierend die von ihrer eigenen Kultur und Sprache längst im Stich gelassenen Jugendlichen die Propaganda verkauft, die ihnen einheitlich zu den T-shirts und den Jeans verhelfen wird, die sie in den sweat-shops für den internationalen Markt herstellt, der sich seit dem Englischen Baumwollmonopol und der Nutzung Indiens als work-bench wohl gelegentlich umgeformt hat, aber kaum verändert in seinen verwirklichten Zielen, deren Durchsetzung die Verwüstungen Europas im zwanzigsten Jahrhundert nicht gern auf ihr Konto schreibt, weil die ‚industriellen Revolutionen’ mit den sogleich aus ‚analytischen Gründen’ und aus Gründen der Notwendigkeit der angemessenen ‚wissenschaftlichen Differenzierung’ erfundenen und dann zu selbständigen Entitäten verabsolutierten ‚sozialen Revolutionen’ und den ‚politischen Revolutionen’ und den ‚kulturellen Revolutionen’ rein gar nichts zu tun haben oder nur ganz vage, entfernt und nur zufällig mit ihnen konvergieren, oder nur mittels kompliziertester Differenzierungen, die nur im Bereich verantwortlichster, d. g. der Kompetenz staatlicher Berufsbeamter mit intimer Kenntnis der Verwaltung und ihrer internen Abläufe Zuständigkeiten überhaupt zur Sprache gebracht werden können, mittels eines eigens dafür geschaffenen Einheitsjargons, der ausschließlich die Segnungen dieses dann letztlich doch im Großen und Ganzen der flugs wieder zur Menschheit nobilitierten Biomasse des von den Herren dieser Berichterstatter als Nutztieren verbrauchten Lebensform Homo sapiens fast nur zu Nutzen ist, obwohl man gern zugibt, dass es auch ‚unschöne Ereignisse’ gibt, die man zu bedauern hat und die man nicht einfach verschwinden lassen kann, aber mittels Schuldzurechnungen leicht erledigt, indem man sie einem im Wege stehenden Gegner aufbürdet.

Die in Europa gar nicht recht aufgefallenen Bestialitäten der US Amerikaner in Südamerika, sind mit denen der Japaner in China durchaus auf eine Stufe zu stellen. Es ist derselbe mörderische imperiiale Wille, der hier wirkt, und der schon die Entstehung der USA bis hinein in ihren Eroberungs  und Abrundungskrieg gegen Mexico und den bereits zweiten imperialen Krieg nach diesem in der Form des Sezessionskrieges gegen den aus dem Staatenverband aufgrund von gutem Recht ausgetretenen Süden im Anschluß an die entschlossene und intentional in jedem Stadium bewusste Ausrottung der Amerikaner zusammen mit der Vernichtung des gesamten organisierten System der Lebensformen charakterisiert, zu der sich das selbstgerechte Getue der religiösen Fundamentalisten - die gute Gründe haben, sich an diese Projektionen ihrer Rechtschaffenheit zu klammern, denn in der Realität haben sie ja sonst keine – mit der Begleitmusik der larmoyanten und größenwahnsinnigen Celebrities und der endlosen Reihe der kleinen Flittchen und rosa und knusprig braunen Spanferkelchen formieren, die die Leere der aufgeputzen Hülsen als sinnerfüllendes Lebensprogramm vorleben und dafür mit überreichlich Taschengeld ausgestattet werden um sich all die schönen Accessoirs auch kaufen zu können, vom Lippenstift bis zu einem Ferrari und einer Yacht inclusive einem Lebensunterabschnittspartner, der zur saisonal hippen Farbe des Bekleidungsrests passt, den sie noch am Leibe tragen, so als wäre überall immer Sommer, Sonne und Strandleben.

Diese ewigen Ferienexistenzen halten dann so oder so den Arsch hin als Onaniervorlagen für die in ‚Entwicklungsländern’ gestrandete Soldateska, solange die durch den von ihnen mitgebrachten hochkulturellen ‚way of life’ – der ja schon an den ‚Indianern’, aber seitdem eigentlich weltweit, erfolgreich erprobt worden ist und sich bewährt hat. Warum also sollte man das ändern – noch nicht die in Bezug auf diesen Lebensstil und seine Bedürfnisse etwas rigide Kultur des Landes noch nicht so weit nachgegeben hat, dass sich genügend Nutten auftreiben lassen, die von diesen ‚sons of bitches’ und ‚motherfuckers’ dann gefuckt werden können nach Bedarf. Überhaupt lässt sich diese Mentalität gern den Schwanz lutschen. Das gilt nicht nur für das Verhältnis von Präsidenten und Praktikantinnen. Und zwar entsprechend dem Zusammenhang zwischen den unbewußten Quellen der Objektwahl, in der sich Volk und Führer wie Triebstrebung und Objektrepräsentanz mittels einer Wahl treffen, der dann die Objektwahl zwischen dem so gewählten Repräsentanten und der Praktikantin ihrerseits korrespondiert. So gesehen kann dieses Vierecksverhältnis zwischen Wahlvolk und Führer einerseits, und dessen Frauen andererseits, die die verschiedenen Aspekte der Objektwahldispositionen des Führers darstellen, getrost als Repräsentation des Geschlechterverhältnisses innerhalb des Sozialcharakters der US-Amerikaner gelten und auch so genommen werden. Mancher wird freilich meinen, da müsse man die Botschaft doch missverstanden haben, und wird das dann in die Form einer ‚wissenschaftlichen Kritik’ an der zugrunde liegenden, das Verständnis leitenden Methode nutzen. Denn für solche Kritik ist dann ja Konjunktur. - Man braucht dann eben ein Gegengutachten, und kennt das gewöhnliche Verfahren aus einer finanziell exzellent ausgestatteten juristischen Abteilung der Konzerne, von denen der Staat der USA nur eine Superstruktur, den Konzern der Konzern von Corporate America bildet, nämlich den Konzern, der die Populationsbewirtschaftung der gesamten Welt reguliert, und dabei inzwischen nicht einmal mehr den Postulaten der Leninschen Theorie von der Privilegierung des eigenen Proletariats im Mindesten entgegenkommen muss.

So ändern sich die Zeiten zum Besseren. Was für eine Kostenersparnis gegenüber dem New Deal und der unmittelbaren Zeit nach dem vorläufigen Ende des imperialen Krieges, der dem Imperium zum Durchbruch verhalf, einmal abgesehen von dem Schönheitsfehler der Sowjetunion. Wie schön hätte alles werden können ohne diesen Makel. Die inzwischen möglichen Kostenersparnisse sind da als historische Fortschritte unbedingt zu würdigen. - Wie denn überhaupt diese Lieblingsausdrücke des Lumpenproletariats der USA geradezu die Hauptworte und Formeln mit dem Status einer globalen Leitkultur längst erfolgreich global geltend gemacht haben, indem sie sie Zuhälter und Kriminellen der Suburbia der USA zum kulturellen Leitbild erhoben und ebenfalls mit Finanzmitteln ausgestattet haben, die die von ihrer Propaganda ‚Verarschten’ aus eigener Tasche mit der Zustimmung der Eltern weltweit zu dieser Verwendungsweise zusammengekratzt werden, aus Gründen, die mit der Identifizierung zu tun haben, die in der vergeblichen Sehnsucht und den Tagträumen von Populationen und Generationen ihren Grund haben, den Verhältnissen in denen sie sich befinden ohne die geringste Anstrengung, etwa intellektueller Art, die die Voraussetzung wäre für bewusstes politisches Handeln, zu entkommen. Das sind erkennbar in keinem Aspekt als rational auch nur ‚einschätzbare’ Vorgänge. Ihnen ist nicht einmal ein Minimum von Verstand zuzuordnen oder zu entnehmen. Die Unmittelbarkeit der halluzinatorischen Wunscherfüllung ist so direkt wie das überhaupt nur machbar ist, wenn man den Umweg über den Markt nehmen will, auf dem die Kühe zunächst gemolken werden, bevor sie in die Realität des Alltags ihrer Stalltierexistenzen zurückkehren.

Kulturtheoretisch ist dieser Massenerfolg der Eigenpropaganda von Kriminellen und Spinnern, zumal als ‚Kunst’ ungemein auffällig, als kollektive Regression. Historisch, als Vorgang in einer Hochkultur mit weitem geographischem organisatorischen Effekten ist dem wohl nur das Zeitalter am Ende des Hellenismus und dem Übergang zum Römischen Imperium, und dann wieder die Spätantike vor der Konsolidierung des Christentums als ‚Staatsreligion’ nach Augustinus zu vergleichen, als Rebarbarisierung unter dem Eindruck anwachsender Anomie und der Unkalkulierbarkeit des Lebens angesichts immer weiter ins Arbiträre abgleitenden Politik und ‚Herrschaftstechnik’ zu vergleichen, bzw. das der Zeit des Peloponnesischen Krieges in der alten Kultur Griechenlands nach den Perserkriegen. Die lange Epoche der Christianisierung Germaniens und Britanniens in Westeuropa ist vermutlich ein faktischer Fehlschlag, der im Zurücksinken des Papsttums selbst in die Barbarei bestand, das sich im Europa nach dem 12. Jh. So benahm wie die USA sich heute global aufführen.

Und endlich ist da die USA selbst, von der Theodor Mommsens unheimliche Prognose zu hören ist, die uns aus dem neunzehnten Jahrhundert und von einem Gelehrten zugeht, der die Römische Geschichte aus guten Gründen nur bis zum Untergang der Republik rekonstruiert hat auf der Höhe eines Urteilsvermögens und einer analytischen Fähigkeit, die ihn dazu berechtigte. Indem er darauf aufmerksam machte, was aus den USA werden würde, wenn ihre Drachensaat gereift sein würde, ein Monstrum, gegen das die alten Kapitalistenstaaten, wie er das unmissverständlich nennt, mit einem Ausdruck, der beim Namen nennt, was sich als ‚Hochkultur’ von Gnaden des Berufsbeamtentums und staatlichen Agenten wie mit den gern inkriminierten Methoden der ‚Koranschule’ in die wehrlosen Gehirne der Zwangsklienten einfressen soll wie ein Brandzeichen, angesichts der Grenzen ihrer Möglichkeiten wie Kinderfunk wirken müssten, während er zugleich mit unbeeindruckbarem Wirklichkeitssinn die Realität der Römischen Hochkultur beschrieb, nahm er vorweg, was sich in die Realität des mit bunten Bilderchen überzuckerten Grauens des vom American way of Life verwirklichten Alptraums global übersetzt hat und dabei ist, die nächste Generation dieser Drachensaat aus der Erde emporwachsen zu lassen. Die Paranoia der Amerikaner ist berechtigt. Sie ahnt, dass das Gesetz, wonach wer Wind sät, Sturm ernten wird, einer historischen Wahrheit entspricht, einer Regel. Wer nukleare Bomben abwirft, wird seinerseits bereits in diesem Akt legalisiert haben, was er so schon verallgemeinert hat, und kann von diesem Moment an nur noch damit beschäftigt sein, die Inanspruchnahme der Reziprozitätsregeln zu verhindern, aber doch nicht, ohne zugleich zu sehen, dass er selbst das Paradigma der Macht selbst gesetzt hat, dem als einem unauslöschlichen Vorbild nun alle nacheifern müssen. Und welche historische Regel sollte es dafür geben, und wie wäre die zu beobachten, dass die einmal von einem angewandten Mittel nicht allen zur Verfügung stehen, wenn es ihnen nur gelingt, sich in ihren Besitz zu bringen. Und muss es den einzigen, als Singularität dastehenden Täter solch herkulischer Taten nicht doppelt fatal aus der Geschichte heraus heben, indem er der einzige bleibt.

Es bleibt jedenfalls vorerst eine Tatsache, dass die Amerikaner bisher das einzige Kollektiv tatsächlich ist, dass die Chuzpe hatte, diese Waffe nicht nur, auf Empfehlung des angeblich erlauchtesten Geistes des zwanzigsten Jahrhunderts, den man dafür lobt, aber weniger gern dafür, dass er überzeugter Sozialist war, herzustellen sondern auch wie selbstverständlich sogleich am lebenden Objekt experimentell zu erproben. Man kann getrost auch hier Gleichsetzung der Mentalitäten vornehmen. Es ist aus einem Guss, dazu die Experimente amerikanischer Behavioristen und ihrer etwas weicher gespülten Nachfolger in Sachen der ‚Psychologie’ der Nutztierhaltung an der Tiergattung Homo sapiens – man sollte sich innerhalb der Profession doch einmal fragen, ob man sich nicht endlich dazu entschließen soll, bestimmte Formen dieser Fachbeiträge als Faschismus in Wissenschaftsform lieber aus dem professionellen Selbstverständnis der Profession ‚Psychologie’ auszugrenzen, wie überhaupt ein wissenschaftsgeschichtlicher Rückblick auf die Geschichte der Psychologie und der Psychiatrie einmal einen Wissenschaftsbiographen finden müsste, der die Entwicklung dieser neuzeitlichen Säkularisierungen der Menschenführung von einem rücksichtslosen Verbrecher zu einem Scharlatan und Ohrenbläser am Hof der Macht korrekt beschreibt und die Geschichte der Handlungen dieses Triebtäters im Gewand des Menschenfreundes als Geschichte eines organisierten Verbrechens rekonstruiert, deren nützliche Nebeneffekten für die Herrschaftsapparate, die die Tiergattung immer erbarmungsloser unter das wissenschaftlich verbesserte und mit high-tech aufgerüstete Joch ihrer Unterwerfungsmethoden beugen, diesem Täter die wohlwollende Huld der Macht sichern, die ihn in einer gut ausgestatteten Pfründe aushält.

Es ist kaum verwunderlich, sondern vielmehr zu erwarten, dass all diese von der Theologie zur Wissenschaft säkularisierte bereitwillige Assistenz der Herrschaft und der Unterwerfung exakt dieselben Funktionen hat, die das historisch an seiner immer unbedenklicher werdenden Kollaboration und daran gescheiterte zur Verwaltungstechnologie umgeschulte Christentum in einem anderen Zeitrahmen annahm, dessen ‚aufgeklärte’, viel menschenfreundlichere Erbschaft die Wissenschaften dann angetreten haben, die sich den Leib des getöteten Feindes in einem kannibalischen Mahl teilten, unter denen die Soziologie und die Psychologie als die Vornehmsten oder jedenfalls die ersten hervorgingen. Die Knechtsgestalten und Krüppel, die ihnen in Gestalt Quasimodos (des Glöckners von Notre Dame) nachfolgten, sind dem allgemeinen Niveau der kollektiven Proletarisierung entsprechend Billigversionen und technisch stärkstens vereinfachte ‚Volkswagen’.

Samstag, 2. August 2008 (bis zum Ende der eckigen Klammer)

(Genauer wäre vielleicht doch die Figur des Doktor Spalanzani aus E.T.A. Hoffmanns Erzählung, Die Automate, wenn man Quasimodo als die verrufene Gestalt des in einer pseudochristlichen Welt, die zwischen einer Population und einem Machtapparat zum Streitobjekt gewordene (theologische) Wahrheit auffasst, die der Mob vor der Macht retten will, gegenüber der die zur Prostitution gezwungene Kirche in die Spitze ihres Turms flieht, an den Ort, an dem sie unter den gegebenen Umständen ihrem Gott am nächsten zu sein vermag, wogegen die verkrüppelte Gestalt der Theologie, die den Turm bewohnt, die Population, die die Kirche zu schützen versucht, als Mob missversteht und mit ihrer destruktiven Rhetorik bewirft, in dem Glauben, damit die Wahrheit zu retten, mit dem Ergebnis, dass die Kirche in Trümmern versinkt, die Population zu einem Mob regrediert, während die Wahrheit zur Revolution übergeht. Hier wäre Quasimodo die Gestalt einer allerdings verkrüppelten theologischen Wahrheit. Der Buckel das Stigma ihrer Korruption, die glänzende Gebäude bewohnt und die Glocken läutet, sich aber selbst nicht – mehr – sehen lassen kann, weil ihr Anblick unerträglich ist, indem er die Gestalt des Stigmatisierten annimmt, die freilich in der am Kreuz hängenden Gestalt bzw. in der Grablegungsgestalt des Erlösers, des den Zyklus von Tod und Wiederauferstehung hinter ursprünglich repräsentiert ist, nur mit der Kutte des – mittelalterlichen Mönchs verhängt. Zugleich sind die Verhältnisse eigentümlich umgekehrt: Die Grablegung oder vielmehr die Kreuzesabnahme zeigt die Gottesmutter mit dem toten, dem mit dem Stigma der Kastration, der Verstümmelung bzw. Zerstückelung [Stigmata, Brustwunde, Dornenkrone] gezeichneten Sohn und Erlösergott.

Das wiederholt in einer verzerrten Spiegelung die Konstellation Isis/Osiris, wo Isis den ermordeten Bruder aus der Zerstückelung rekonstruiert, indem sie seinen Leib zusammensetzt und mit Bandagen den Zusammenhalt der Teile fixiert, ein Vorgang, der das Urbild der Einbalsamierung des Toten und seiner Vorbereitung auf die Reise durch das Totenreich, die Unterwelt der Nachseite der Schöpfung darstellt im Verhältnis von Mythos und Ritus. Diese Zusammensetzung aus den zerstreuten Teilen des Zerstückelten [in Partialobjekte zerrissenen, regressiv dekomponierten Selbst ist eine Restitution, die das weibliche, das inzestuöse Liebesobjekt der Schwester vollbringt, als Voraussetzung für den nächsten Schritt, der das Ich dem Totengericht zuführt, das darüber entscheidet, ob er passieren kann um zu der jenseitigen Welt des ewigen Lebens zu gelangen. Das ist von dem Urteil über sein Leben abhängig. In der Handlung der Isis ist indessen die Teleologie des garantierten Ausgangs natürlich schon impliziert: Weil es Isis ist, die den Osiris aus den Partialobjekten rekonstruiert, ist das Urteil des Gerichts schon antizipiert. Denn wie sollten die Totenrichter der Handlung der Isis widersprechen können. Beide Instanzen wirken also zusammen in der Zeitlosigkeit des Unbewussten, der dunklen, der Lichtung des Bewusstseins nicht ohne Weiteres zugänglichen Seite. Es ist nicht entscheidend, ob das die älteste, also die erste Form des Mythos ist. Bedeutsam ist, dass sie sich sowohl im Orpheusmythos, wiederum in einer Verwandlung bzw. Projektion auf eine andere Bewusstseinsoberfläche wiederholt, die die eigentümliche Verzerrung bewirkt, die sich darin abzeichnet.

Orpheus wird von den Mänaden zerrissen, die hier die Partialobjekte zugleich in die inzestuösen Objekte zu einer Einheit der destruktiven und regressiven Bewegungsrichtung zusammenfasst, während die Verwandlung der ‚mebrae disiectae poetae’ in Blumen die aus ihnen entstehende Schönheit des vegetativen Lebens der Naturumgebung hervorbringt. Das wäre dann sozusagen ‚ästhetisch’ umgebogen und als Mythos der Entstehung des Naturschönen, dann aber im Weiteren, seiner Nachahmung in der Kunst aufzufassen und da erklärt dann wiederum den Verzicht auf den Totenritus der mit dem Geschwisterverhältnis des Osiris/Isis Mythos verknüpft ist. Eine weitere Variante ist der Dionysosmythos des Gottes des Rausches, und die ihm verschwisterten Mänaden, die auf eine andere Weise in der Artemis repräsentiert ist, und hier schließen die Muttergottheiten an, die dann auf die Persephone einerseits, aber auf die Gaia im Grunde verweisen, wobei die Teilprojektionen, in die der Mythos selbst zerfällt, und die verschiedenen, jeweils ganz unterschiedlichen projektiven Verzerrungen zu betrachten sind, weil sie sehr aufschlussreich sind. Orpheus und Eurydike ist dann schon ein ins Märchenhafte abgeschwächter Übergang zu ‚einer traurigen Geschichte von einem jungen Mann, der seine Geliebte noch vor der Heirat durch einen Unfall verliert, und ihr in seiner Trauer nachgeht in dem Versuch, das Liebensobjekt zu bewahren und zu retten und sich letztlich gezwungen sieht, die zwischen Leben und Tod gesetzte Grenze hinzunehmen, da er sehen muss, dass seine ‚unwillkürlichen’ Reaktionen, die des Lebenden, der sich vergewissern will, dass die Geliebte lebt, es sind, die zu der Gewissheit führen, die zugleich das geliebte Objekt ‚vernichten’.

Das Realitätsprinzip ist aggressiv gegenüber dem Liebesobjekt und verweist es ins Reich der Toten. Das ist schon sehr ‚praxisbezogen’ und hat fast schon die rücksichtslose Hemdsärmeligkeit der modernen Sozialfürsorge, die „Papperlapapp, das Leben muss weitergehen“, sagt, und: „Kopf hoch, das wird schon werden, man muss nur wollen“, und ähnliche gedanken-  und seelenlosen, aufs bloße Funktionieren abgesehenen Blödsinn plattester Oberflächlichkeit. Historisch schließen hier dann schon Poesie und Seelsorge an, um den Preis der Verflachung und Versandung der menschlichen Existenz im Tausch gegen eine nur möglicher Weise verbesserten ‚sozialen Funktionsfähigkeit’, sowie den Gewinn einer psychodynamisch für den ‚Betreuer’ seelisch kostengünstigeren und konfliktfreieren Lösung seiner eigenen Lebensführungsprobleme und dies wiederum auf Kosten der produktiven Potenz des derart ‚beratenen’ Lebens der Klientel, die zunächst einmal ihre Arbeit [als Leibeigene auf dem Feld und in der Werkstatt] zu leisten hat. Man kann sehen, was der Preis des Übergangs von einer aristokratischen zu einer Sklavenreligion, anders gesagt, von einem auf den Grund gehenden Selbstverständnis zu einer seelsorgerischen Betreuung historisch ist, und von diesem Standpunkt aus sind die entsprechenden Berufe und die ihnen per politischem Design zugeordneten Berufe zu beurteilen, sowie die ihnen entspringenden Formen des ‚professionellen Selbstverständnisses’.

Wer allerdings schon in seinen eigenen Schuljahren in der Oberstufe einer herunter gekommenen Bildungsinstitution das Bild der Isis in eigentlich unübersehbarer weit übermenschlicher Formatierung an die Wand eines Schulraums projiziert hat, ohne dass bemerkt wurde, was das heißen muss, und indem eine zum ‚Verstehen’ des Bildes gänzlich unfähige Verwaltung sich bestenfalls zu einer ‚väterlichen Duldsamkeit’ aus christlich inspiriertem Geist, aber gänzlich ohne die Fähigkeit zu verstehen sich genügend demaskiert sehen muss, vorausgesetzt, das unbewußt projizierte erhebt sich zum Bewusstsein seiner selbst, der muss eigentlich schon wissen, welche Aufgabe er hat und in welcher Institution er diese aus eigenem Verständnis und aus eigener Erbschaft er diese Aufgabe anzufassen gesonnen ist. Es bedarf bloß des Bewußtwerdens des unbewußt schon längst Getanen, das dem Bewusstsein voraus ist, das eine solche ‚Schule’ geschaffen hat, und das sich als das Unterlegene erweist gegenüber der zum Bewusstsein ihrer selbst drängenden und bereits in der Vergangenheit liegenden Handlung.)

[Editorische Bemerkung: Dass das hier in einer Klammer steht, hat mit den Gesetzen der Textentstehung zu tun, über die ich nicht restlos bewusst verfüge. Ich verzichte aber hier nicht nur an dieser Stelle auf eine ‚Bearbeitung’, die das besser lesbar macht, einmal, weil ich Dir den damit gewöhnlichen Einblick nicht verstellen will, und dann auch aus Zeitgründen. Es handelt sich ja um einen Brief. Wie und wo das später einmal erscheint, ist eine andere Frage. Es ist aber in erster Linie für Dich gedacht, und ich meine, dass es nicht viele Menschen auf dieser Welt gibt, die einen solchen persönlichen, nur für sie gedachten und erdachten Brief erhalten, der ihrer Einzigartigkeit aufs genaueste angemessen ist, wie ein einmaliges Kleidungsstück. Ich weiß, dass Annegret gelegentlich ihre Bewunderung für Coutouriers zu erkennen gibt. Aber weder Dior, noch Karl Lagerfeld noch der kürzlich gestorbene Ives St. Laurent können etwas derart. Mir ist das bewusst, und ich respektiere trotzdem die Leistung dieser tertiären Schöpfer, niederen Demiurgen, die sich mitleidig um ein die Riesenmasse einer in sich selbst verschlossenen einsamen Masse von retardierten und von Regression bedrohten Wesen kümmern, indem sie ihr immer wieder kleine Spielsachen hinwerfen, mit deren Reiz sie die Wartezeit eines Lebens verbringen, das wartet ohne jemals über das Warten hinauszugelangen und das Worauf dieses Wartens (in Zorn, Verzweiflung, Resignation, Selbstmitleid, Wut und Apathie usw.) endlich zu erblicken um erlöst zu sein. (Hier lassen sich weiter führende Untersuchungen im Anschluss an Platons Höhlengleichnis anfügen, die um das von ihm nicht behandelte Motiv des Wartens und der Erwartung geordnet sind. Ich will das aber nicht ausführen, weil ich sonst zunächst auch die Grundlage, an die sich anschließen müsste, zunächst darstellen müsste. Ich füge das also nur ein, um eine Erinnerung daran zu markieren, dass es dazu etwas zu sagen gibt. Auch so entstehen Texte.)

Immerhin verbreitet es auf seine Weise durch die Gestaltungsmöglichkeit, die es unproduktiven seelischen und intellektuellen Verfassungen nach dem Ende der religiösen Tröstungen der Seelsorge oder parallel zu dem gerade aus ihrer Eigencharakteristik resultierenden Ungenügen (das schließt die den theologischen nebenzuordnenden institutionalisierten ‚therapeutischen’ Veranstaltungen einer standardisierten Dienstleistungsbranche ein) anbietet, indem es ermöglicht, wenigstens die Oberflächen der seelenlosen Tierexemplare zu ‚verschönern’, indem es sie mit dem ‚Verhängnis der Mode’ bekleidet, das die ‚nackte Wahrheit’ der verhängten Leere verbirgt, indem es Mitleid zeigt mit den orientierungslosen Tieren, die in den Riesengebilden des stählernen Gehäuses des modernen Lebens herumirren auf der Suche nach Futter, Schutz und Tröstung, Das solltest Du wissen, bevor Du es in den Schrank hängst. Im Übrigen ist die Schaffung einer neuen Mode bestimmt nicht meine Absicht. Das ist ja etwas, dass dann jeder für Geld in einem Kaufhaus kaufen kann. Dies hier gibt es in keinem Kaufhaus. Es ist unbezahlbar und einmalig, wenn auch nicht ohne Vorbild. Natürlich habe ich nicht einfach nur aus Nichts etwas gemacht.

Aber ich habe auch nicht nur geerbt, obwohl ich auch geerbt habe, ohne dass ich dabei indessen Jemandem etwas weggenommen hätte. Vielmehr ist dies nicht zu kaufen und nicht zu enteignen. Es geht nur mittels einer Aneignung, und die geht auf eine eigene Anstrengung zurück, die dann den Besitz und den Gebrauch, auch als Geschenk, das nicht nur Nippes auf dem Kaminsims häuft oder Blechkarawanen in der Garage, sondern den unschätzbaren Wert eines von einer – darin sich als privilegiert erweisenden Person zu einer anderen, sich darin, dass sie es ist, die es erhält, als privilegiert erweisenden Person jenseits der Grenzen der durch den Warentausch und den Markt vermeintlich vollständig und als ‚Arbeitsmarkt’ erschlossenen Lebenswelt, der sich auf diese Weise ein unmissverständlich ganz anderes Modell sozialer Beziehungen wie im Spiel, das sich von dem Anblick und der Faszination des Sklavenmarkts und der Bewerbungsgespräche sowie den damit verbundenen Selbstdemütigungen der durch Dressur verkrüppelten Massenexistenzen nicht einen Moment lang aus der Fassung bringen lässt, ohne indessen die Schlechtwetterperioden und die Eisregen zu ignorieren, die das Erfrieren androhen um Unterwerfung zu erzwingen. Du kannst also nicht sagen, dass ich Dich vergessen hätte, und die Maskenspiele sind wesenlose Oberflächen, die mich kaum irritieren. Eher brauchte ich die Pause, um dem Eindruck des diffusen Lärms zu entgehen, der die inneren Stimmen übertäubt hat, die leise sind. Und ich brauchte und brauche Zeit. Ich mache die Komposition des Texts, den Du als Rohtext verstehen kannst, möglichst durch Datierung durchsichtig, und bezwecke damit auch, Dir eine Mitteilung zu machen über meine derzeitigen Einsichten über das Problem ‚Schreiben’ und ‚Produktivität’. Ich gehe dabei davon aus, dass Du Dich damit ohnehin befasst und dass Dich das mithin interessiert.]

[Das wäre dann die Fortsetzung des bereits am Freitag niedergeschriebenen Texts]

Sie sind verbilligte Verkehrsmittel für sozial Schwache, deren Urteilsvermögen keine Ansprüche an die Rhetorik der verlangten Anpassung und Unterwerfung stellen, das seinerseits die materielle Grundlage für das Realistische an diesem Verlangen ist. Angesichts der vollständigen Substanzlosigkeit dieser Anpassungsrhetorik, die nicht imstande wäre, die auf wissenschaftlichem Niveau formulierte Antwort auf die Frage nach dem Woran der verlangten Akkommodation und Adaptation oder auch Assimilierung zu erteilen, weil es dazu eines entfalteten und aus eigener wissenschaftlicher Kompetenz, nicht nur der usurpierten oder zugeteilten Zuständigkeit oder Beauftragung heraus wahnhaft als verfügbar unterstellten Wirklichkeitsbegriffs bedürfte, ist genügend ersichtlich, dass die Inkompetenz in Bezug auf die Grundlagen der leeren Rhetorik, die sich im Ungefähren verwaltungstechnischer Wunschvorstellungen und einer diffusen polizeylichen Ordnungsvorstellung bis hinein in die Inkarnationen der ‚Persönlichkeit’ des jeweiligen Innenministers inflationär aufblähen kann mit einem Minimum an Füllung nur deshalb, weil die vollständige Abwesenheit einer kulturellen Atmosphäre das erlaubt – nichts erreicht einen ähnlichen Umfang wie ein beinahe leerer Ballon im Vakuum – sich bequem mit Rücksicht auf das Sprachvermögen einer retardierten Massenklientel, die maximal den jedenfalls phantasierten Umfang der Klientel der staatlichen Arbeitsverwaltung hat, also alle abhängig Beschäftigten umfasst, eine Klientel, die per Gesetz jederzeit um ihre Arbeits , Bildungs  und Sozialbiographien gebracht werden kann, auf ein Minimum an Investitionen geistes , sozialwissenschaftlicher oder wissenschaftlich-psychologischer Art reduziert werden kann, und den Aufwand kulturtheoretischer, ethnologischer, historischer, sprachtheoretischer oder ‚anspruchsvollerer’ Konzepte von Mensch und Welt und Gesellschaft gar nicht erst ins Auge fassen muss, um ihre angeordneten ‚Integrationsprogramme’ zu formulieren, denn es geht nur um die einfachsten rhetorischen Mittel der sprachlichen Begleitgeräusche und Mantras politischer Zwangsmaßnahmen. Der als ‚irrational’ erscheinende Widerstand der auf den Status von Organismen reduzierten Tiere hat derart gar keinen ausmachbaren Gegenstand. Er ist einfach ‚pathologisch’.

Die an die Grenzen des Staatsstreichs gehende, jedenfalls als Angriff auf das bisher geltende Kulturverständnis gehende und insofern, wenn es das gäbe, als ‚Kulturstreich’ zu verstehende Reform des ‚Arbeitsmarktes’, die unter dem Titel Harz IV nur noch ungern benannt wird, weil sie erinnert daran, dass ein notorischer Prolet und verurteilter Kleinkrimineller und Betrüger mit extremer Neigung zu Opportunismus und zu Nutten (eine kaum zufällige Kombination) der ideelle Produzent dieser ‚Maßnahmen’ an der Population gewesen ist, und die Millionen von bereits in einem langen innerhalb der Institutionen geführten erbarmungslosen Kampf über Jahrzehnte Ausgegrenzten aus allen Bereichen des sozialen Leben mit einem Schlag um ihre Arbeits , Bildungs  und Sozialbiographien brachte, indem sie einheitlich in einen gesellschaftlichen ‚dump’ eingewiesen wurden und ihre Existenzen auf brutalste Weise gleichgeschaltet wurden durch die Überweisung in einen subgesellschaftlichen und subsozialen Raum, in den hinein sich sogleich eine beamtete Masse von Verfolgern ihrer nach Möglichkeit kriminalisierten Selbsterhaltungsversuche ergossen, um ein in dieser Form seit dem Nationalsozialismus und seinen Lagerhaltungs  und Bespitzelungsmethoden nicht mehr da gewesene psychopathologisch kaum zu überschätzende Veränderung des kulturellen Klimas aus diesem ‚in Angriff genommenen’ abgespaltenen Teil der Arbeitsgesellschaft mit stillschweigend normierender Wirkung auf das derart unter verschärften Druck genommene Ganze durchzusetzen, ist der letzte Zug in der im Übrigen konsequenten ‚Entwicklung’ der historischen Sozialdemokratie und dürfte zugleich ihr sich noch etwas hinziehendes Ende bedeuten. Die Reform, der die der Schulen entsprach, die die bürgerlich auch in Hinsicht ihren überlieferten Bildungsbegriffs orientierten Gruppen der Population zu Recht als Angriff des Proletariats und seines organisierten Ressentiments auf diesen Bildungsbegriff verstanden hat, ohne dass es bei dem Versuch, dieser Scylla auszuweichen hat vermeiden können, mit der des technokratischen ‚Fascismus’ – es ist falsch und unzutreffend, diese politische Programmatik, die die brutale und zwanghafte pathologisch symptomatische und pathogene Kontrollwut von Teilen des Berufsbeamtentums ebenso wiedergibt wie die in Politik übersetzte Psychopathologie des im Moment gegen die zugegeben bösen Aberrationen ‚einiger schwarzer Schafe’ des Finanzkapitals und von börsennotierten Großunternehmen vor allem und wenn’s irgend geht solchen aus Übersee von seinen Interessenvertretern gelobten unternehmerischen Mittelstandes.

Es ist richtig, wenn in jeder Hinsicht Schwachsinnige gegenüber jeder Geltendmachung kultureller Essentials, überhaupt kultureller Normen, zu deren intellektuellem Sinnverständnis ein gewisses Niveau der nicht zuletzt auch sprachlichen Differenzierung, aber auch eine gewisse oberhalb eines bloß den Organismus im Raum orientierenden ‚Selbstbewußtseins’ – evtl. als ‚’Kraftfahrer’ – anzusiedelnde sprachlich gestaltete Differenziertheit gehört – die also mehr verlangt als die Bestellung eines Big Mac oder einer Pizza bei einem seinerseits kaum des Idioms mächtigen Koch – sogleich, mit den Worten ihrer Dompteure, erklären, das sei Jammern auf hohem Niveau. Es ist deshalb richtig, weil das wache Ressentiment tatsächlich sofort erkennt, dass das Niveau, das es selbst verkörpert, mit dem Anspruch überfordert ist, den es ja gerade durch die Aufwandsersparnis der Ersparnis eines Ich bzw. Selbst, das sich der Anforderung an seine Flexibilität in den Weg stellen könnte, also dadurch abgeworfen hat, dass es sich eigentlich alles erspart hat um nur noch mit der Anforderung an seine Flexibilität konfrontiert zu sein.

Die so gewonnene Ersparung erweist sich dann aber angesichts der doch immer eher komplexen Anforderungen einer differenzierten Wahrnehmung der Kultur, die man ist, wenn man und sofern man einer zuzurechen ist, also auch einer differenzierten Selbst  und Fremdwahrnehmung, sogleich wieder als fatal, weil der einmal ersparte Aufwand sich in einen u. U. aufwendig zu bewältigenden sozialen Status und in eine Position im Gefüge der kollektiven Hierarchien übersetzt, für dessen einigermaßen erfolgreiche Bewältigung nun plötzlich Kompetenzen erforderlich wären, über die das derart im Dienste der Aufwandsersparnis vereinfachte Bewusstsein nun nicht verfügen kann, während es sie wenigstens so dringend benötigte wie die oft viel einfacher zu beschaffenden, die immerhin eine einigermaßen verlässliche Verwendungsgarantie wahrscheinlich machen könnten. Man kann das einfacher formulieren, um es übersichtlicher für die geliebten Wiedererkennungsautomatiken und die Bequemlichkeit zu machen, die ungewohnte, das Klischee nicht bedienende sprachliche Formen nicht goutieren, die es vermeiden dazu zu verleiten, dass das Bewusstsein, was es als ‚schon mal gehört’ registriert auch schon immer meint richtig verstanden zu haben und dann nur zu leicht einrastet und den Informationsgehalt der Information auf vermeintlich Null reduzieren zu können meint, im Dienste der schon erwähnten Ersparnisaufwände, die zunächst als Aufwandsersparnis attraktiv waren und umschlagen in ihr Gegenteil, indem die derart sich organisierende Bequemlichkeit sich an die Stelle des Denkens setzt und dann aber auch meint, nicht das nicht funktionsfähige Substitut, sondern vielmehr das derart Substituierte auch wirklich zu sein.

Es ist daran zu erinnern, dass jedenfalls in dem hier vorliegenden Bereich neue Möglichkeiten der Beschreibung, einen untypischen, dem Klischee sich entwindenden Sprachgebrauch gerade der Alltagssprache, die mit dem verfügbaren Wissensbestand eines Lebens, dessen Grundlagen wissenschaftlicher Art sind, unbedingt mit zur allgemeinen Entwicklung einer Kultur gehören müssen, die ihre eigenen Vorausposten sprachlich einzuholen haben wird, um nicht eine Lage chronisch werden zu lassen, die einen immer größer werdenden Teil der Population praktisch zwangsläufig sitzen lässt und abhängt, weil es versäumt wird, das allgemeine Verständigungsmedium des Alltagslebens entsprechend dem Stand des verfügbaren Wissens ‚anzupassen’. Das mag sich so anhören als ginge es nur darum, gewissermaßen einen Abdruck zu nehmen von den Vorposten der Wissensentwicklung, und die Aufnahme und Einführung von ein paar ‚wissenschaftlichen Termini’ in die Alltagssprache. Betrachtet man die Effekte dieser Versuche, dann ist meist zu bemerken, dass die ‚Rezeption’ und durch einen eher experimentellen Gebrauch von Vokabeln und Formulierungen, der sozusagen blind vorgenommen wird, indem einer dem anderen etwas Aufgeschnapptes und Angelerntes einfach so weitersagt – oder so ungefähr – wie er/sie es gehört hat, um an der Reaktion des Adressaten abzulesen, ob das als auffällig und unzulässig oder korrektur  und nachfragebedürftig betrachtet wird oder ob das ‚durchgeht’. Die gänzlich falsche positivistische und instrumentelle Auffassung Wittgensteins, wonach die Bedeutung eines Wortes sein Gebrauch sei, kann viel dazu beitragen, diesen Irrtum, den er wohl einfach aus der Form eines Vorurteils der von ihm gelernten Sprache in ein sprachwissenschaftliches Theorem zu übersetzen. Nun, die spätere Sprachspieltheorie Wittgensteins distanziert sich wohl von dieser zu einfachen Theorie, die indessen deshalb nicht notwendig auch als soziales und verbreitetes Vorurteil, sozusagen als ‚Alltagsauffassung’ der Bedeutung verschwindet.

Betrachtet man die beobachtbare Praxis besonders in bestimmten ‚wissenschaftlichen Fächern’, die sich mit Mensch und Welt befassen sowie mit ihrem Verhältnis und ihrer ‚Natur’, dann kann man allerdings eine ungemein weite Verbreitung dieser Theorie feststellen, und Lernprozesse, die sich auf sie stützen. Viele Gespräche unter den Adepten dieser Wissensformen spielen sich dann als eine Art Hin  und Herreichen der aufgeschnappten Sprachtokens in verschiedenen Zusammensetzungen ab, und es spielt sich dann nach einiger Zeit eine Art von Tradition ein, die viele Studentengenerationen über stabil bleibt, ein eigentlich erstaunlicher Vorgang, wenn man bedenkt, dass eine Studentengeneration bestenfalls die Dauer einer Grundschulgeneration hat, aber z. B. Erik Erikson hat sehr gut bemerkt, dass es in Grundschulen etwas gibt, das jeder selbst beobachten kann, nämlich eine die verschiedenen Generationen der Grundschüler erstaunlich stabil überdauernden Kultur der Spiele und der kommunizierten Inhalte innerhalb der Kindergruppe, die auch die Kontrolle und Disziplinierung der Aufsicht entgeht, wo es sich z. B. um oft auf anzügliche und vulgäre Weise versprachlichte Sachverhalte handelt, die die menschliche Sexualität betreffen, aber es gibt auch die Tradition weiter gereichter Spiele und Techniken, Wissensbestände und sogar Witze, die man selbst mit Sicherheit gehört und längst vergessen hatte. Sie verbleiben offenbar in dem Milieu der Schulgemeinschaft und wechseln von Kindergruppe zu Kindergruppe über, während diese jeweils, älter werdend, die Schule verlassen und diese an das Milieu gebundenen Inhalte und Zusammenhänge vergessen. Einen ähnlichen Vorgang kann man in wissenschaftlichen Instituten der Sozial  und Geisteswissenschaften beobachten, oder auch in anderen ähnlichen Fächern.

Die Sprache, die den Wissensbestand wiedergibt und sozusagen den schon erworbenen Kompetenzgrad ablesbar macht – natürlich nur, wenn dieses Ablesen sich an der als korrekt empfundenen Benutzung der entsprechenden Termini in als ‚wohlgeformt’ empfundenen Sätzen orientiert – dient eher mechanischen Aneignung und Kontrolle mittels Versuch und Irrtum anhand von Orientierungen, die um paradigmatische Formulierungen herum in einer bestimmten Technik der erprobenden Erweiterung des Radius der Nutzung der Möglichkeiten zur Anfertigung wohlgeformter Sätze sozusagen Pseudopodien ausbilden, die das Umfeld möglicher offerierbarer und als akzeptabel entgegen genommener Sätze erproben und dabei das sich so durch Versuch und Irrtum bildende Bedeutungsfeld der Termini erproben.

Es ist klar, dass sich dabei einerseits ein Sozialisationsmilieu bildet, das den Sprachebrauch regelt. Was weniger klar ist, ist die Art und Dynamik, die über die auch beobachtbaren Bedeutungsverschiebungen, die sich schließlich auch ausmachen lassen, vor allem langfristig, entscheidet, die im Übrigen mehrfache Wirkungen haben können, indem sie neue Fragen freisetzen, die zuvor nicht gefragt wurden, aber auch so, dass sich endlich eine Verschiebung des Wissenschafts-  und Gegenstands-  oder auch des Methodenverständnisses ergeben kann, dessen Ergebnisse man wohl vor Augen haben mag, und die man durchaus auch als produktiv betrachten kann, die aber, wen man sie anhand eines gründlicheren und vielleicht durch eine umfassendere Übersicht, zu der einen auch die Irritation, die man angesichts dieser sonst offensichtlich nicht bemerkten Verschiebungen über dem gesamten Feld der miteinander verwobenen Bedeutungen zwingen kann, sich entweder methodisch, gegenstandsbezogen oder im zeitverschobenen Vergleich der Verwendung der Bedeutungen als Problem erweisen können, weil sie die Einheit des Wissenschaftsfeldes ebenso wie die Einheit des Gegenstandes zerstört haben ohne dass das bemerkt wird.

Dann kann man u. U. ebenso endlosen wie ergebnislosen Diskussionen auch in der Literatur beiwohnen, die deshalb kein Ende finden können, weil die beteiligen Diskutanten die oft nach Art von Differentialen sich bemessenden Abweichungen sagen wir, um das zu illustrieren, von kleinen Größen zweiter Ordnung, die man an der Verwendung und dem sich darin abzeichnenden Umriss des Bedeutungskerns und des Bedeutungshalos (wiederum ähnlich der schon erwähnten Amöbe bzw. dem ‚dynamischen Spiegelei’, also einem Kern und einem fließenden Halo), einer Art von fließend vorzustellenden Mengenbegriff also. Ich muss das noch etwas ausführen. M. E. gibt es bisher in der Mathematik der Mengen kein derartiges Konzept, das mit einem derart sich bewegenden Mengenbegriff arbeitet. Es müsste aber interessant sein das zu versuchen. Vielleicht kann man dem Problem näher kommen, wenn man die beschriebenen Schwankungen der Bedeutungen in einem Gefüge solcher Bedeutungen genauer untersucht, etwa, was geschieht, wenn man in ein mehr oder weniger geschlossen konzipiertes sprachliches Konzept eines wissenschaftlich erschlossenen und abgegrenztes Gegenstandsbereichs neue Termini gewissermaßen verpflanzt, die aus einem anderen Bereich entnommen sind, der denselben Gegenstand unter anderen Gesichtspunkten, aus anderer Perspektive beschreibt, aber nicht eo ipso ist mit dem anderen Konzept. Als Beispiel kann man die Untersuchungen Piagets und Freuds betrachten, oder auch die transzendentale Erkenntnistheorie der Empfindungen Kants und die späteren sprachtheoretisch orientierten Versuche.

Aus der Physik sind der Partikel/Welle Dualismus als konstitutive Gegebenheiten des indessen von seinem Beobachter bzw. der Beobachtung nicht zu trennenden Gegenstands ebenso bekannt wie die bislang nicht oder nur mit einem aus dem Bereich des mit dem Wissenschaftsverständnis der Physik als empirischer Wissenschaft mit einem bestimmten, mit Sicherheit auch variablen Verständnis von ‚empirisch’ kaum mehr zu vereinbarenden Aufwand, wenn überhaupt, zu überwindende Uneinheitlichkeit von Quantentheorie und Relativitätstheorie. Das sind aber schon recht plakative und allgemein bekannte Fälle im Makrobereich der bedeutungsvermittelten Wirklichkeits(re)konstruktionen.

Im Bereich des Alltagslebens ist dergleichen von der Familientherapie zu beobachten, und verweist auf grundsätzliche und nicht bewusst werdende, mittels Sozialisationsstilen vermittelte Schematisierungen des lebensweltlichen Selbstverständnisses und des auf ihnen als unbewussten Voraussetzungen des bewussten Denkens aufsetzenden Sprachschemas, vielleicht im Sinne dessen, was Wittgenstein als ‚Sprachspiel’, also doch wohl im Sinne eines irgendwie geschlossenen Bedeutungsfeldes, das die nur zum Teil bewussten Bedeutungen der Worte aus sich entlässt eher als das sich die Sprache als System aus ihnen zusammensetzt. Die Grundlagen der Sprache, des Sprachverständnisses und der Art, wie es sich in der Sprache als Inbegriff von deren subjektiven oder (mehr oder weniger umfassend verstandenen) kollektiven Reflexionen in der Kommunikation einerseits, im Verhältnis des Individuums zu seinen nicht-sprachlichen Konstitutionsbedingungen im kulturellen und geschichtlichen Feld andererseits formiert, scheinen also doch selbst nicht nur ihrerseits sprachlicher Art zu sein und sich in zwei Dimensionen zu erstrecken und aus diesen Bedingungen der Möglichkeit des Verstehens von Sprache zu beziehen, die ihrerseits nicht selbst sprachlicher Art sind, selbst dort, wo sie nur in Sprache und Ausdruck erscheinen (können).

Das kann man wohl nur so verstehen, dass der Organismus, als Produkt der Grundlagen der bedeutungsvermittelten Welt, die das sich der Sprache versichernde Gattungsexemplar im sozialen Feld sich erschließt, ist mittels seiner Herkunft aus dieser Grundlage mit dieser verbunden. Er repräsentiert sie, und insofern ist das Rätsel der Erkenntnismöglichkeit schon vorab unterhalb des Bewusstseins, das eine Welt erschließt mittels der Kategorien oder der Sinnlichkeit und der Sprache jenseits von alle diesem und diesem voraus immer so gut ein bleibendes Rätsel als auch seine Lösung im Naturprodukt aus ‚biologischem Anbau’, die die Tiergattung Homo sapiens ist. Darin besteht der bisher von keiner anderen Lebensform und keiner Maschine auch nur annähernd einzuholende Vorsprung der Tiergattung Homo sapiens vor Maschine und allen anderen Lebensformen. Von diesem Grund hat Kant gesprochen als von der Wurzel, in der Sinnlichkeit und Vernunft zusammenhängen jenseits von Sinnlichkeit und Verstand. Dasselbe gilt selbstverständlich auch für eine von Kants Ausgangspunkt auf die einbezogene Sprachlichkeit der Welt, ihre Bedeutungsvermittlung zu Sagende, das zuerst von Ernst Cassirer unter Erweiterung des Einsatzes von Immanuel Kant formuliert hat, und das seinerseits eine Kritik zu überstehen hatte, die das, was daran gewissermaßen zuungunsten der richtigen Einordnung der Bedeutung der Sprachlichkeit noch nicht erreicht war, nachholt und korrigiert (Vg. Paul Ricoeur, Die Interpretation)

Der wohl rätselhafteste und klärungsbedürftigste Aspekt der Welt des Menschen ist der Gegensatz, die augenscheinliche Heterogenität ihrer verdoppelten Existenz in der Form einer sinnlich zugänglichen Erscheinungswelt und ihrer sprachlichen, bedeutungsvermittelten Konstitution zugleich. Einer Momentanpräsenz von geschlossener Flächigkeit ohne Lücke, die prima vista absolut und vollständig, also auch vollkommen ist, entspricht die völlig entgegen gesetzte, nein, in einem ganz anderen Medium sich ereignende, mühsam zu erwerbende, der Gefahr des Vergessen ausgesetzte, linear ausgebreitete und fragmentarische Welt der Schrift und der Sprache. Ich meine, dass diese Eigenarten wohl beide bemerkt worden sind, aber die Betonung und Hervorhebung sowie Analyse der einen, sinnlichen Erscheinungswelt mit ihrer Unmittelbarkeit und deren heimlicher Vermittlung in sich ist einfach nur zugunsten der nach vorne geschobenen ihrer sprachlichen Fundierung entwertet oder in einen unbestimmten Status überwiesen worden. Ich bin der Meinung, dass der Gegensatz und die Heterogenität der beiden Aspekte einer einheitlich bedeutungsvermittelten menschlichen Welt, in der Sprache als lineares Medium und die sinnliche Erscheinung als Momentanpräsenz zugleich und wechselseitig durcheinander konstituiert und fundiert, die analytische Betrachtung erhalten müssen, die diesem Sachverhalt zukommt.

Die Entgegensetzung von wissenschaftlichem Bewusstsein und Lebenswelt hat nur den Anlass dazu gegeben, das Gemeinte zu zerreden, indem man etwa nachwies, dass die Alltagswelt bzw. das Alltagsbewusstsein immer auch das des Wissenschaftlers selbst sei, sofern er an ihr teilnimmt bzw. in ihr lebt, bzw. dass sich im Alltagsbewusstsein wissenschaftliches oder technologisches Verständnis und Wissen immer schon mehr oder weniger mischen mit dem, was man dann noch als ‚naive’ Einstellung eines Dahinlebens im Unbefragten meint unterschieden zu können, und damit mag man dann gemeint haben, man habe den entsprechenden Beweis der Gegenstandslosigkeit der Unterscheidung geführt. Aber die dabei benutzten Termini schwanken eigenartig und lösen das wohl Gemeinte damit auf, dass sie zunächst andere, ungefähr Dasselbe oder Ähnliches meinende Termini an die Stelle der kritisierten setzen, bis sie nach einigen Verschiebungen der Bedeutungen hierhin und dorthin endlich den Gegensatz auflösen in Nichts.

Das ist indessen eine kaum beeindruckende Verfallsgestalt einer in Rhetorik zurückfallenden Dialektik, die die Gegensätze vermittelt haben würde, ohne sie dabei einfach zu vernichten. Denn worüber hätte man dann geredet als darüber, dass es keine Zentauren und Chimeiren gibt? Man kennt das von der Nüchternheit Lord Bertrand Russels, dessen Standhaftigkeit angesichts des imperialen Krieges man indessen nicht vergessen darf, wenn er davon redet, dass es keine Zentauren gibt. Das ist aber ein Missverständnis der Bedeutung der Partikel ‚sein’. Als Folge eines langen Kampfes gegen theologisch aufgezäumte Volksverdummung ist das sowohl verständlich als auch gerechtfertigt. Es weist einen Anspruch auf Beeindruckbarkeit zurück, auf den eine zur Ideologie und zur Sozialtechnologie verkommene parasitäre Hofreligion meinte ein verbrieftes Recht zu haben. Ungeachtet dessen gibt es Zentauren und ihre Existenz, als ein Kristall, in dem sich verschiedene Linien des affektiven Lebens konzentrieren, sind sie kulturell bedeutsam und nicht ohne enorme Verarmung des Lebens zu vernichten.

Es ist Zeit, alle diese Abschaffungen und Aufklärungen als das zu begreifen, was sie sind, nämlich kulturell zugelassene Formen des Ausdrucks und der Darstellung von affektiv geladenen Kristallisationspunkten innerhalb einer kommunikativ erschlossenen Welt einer in sprachlicher Kommunikation sich wechselseitig füreinander verständlich machenden Welt von Lebewesen, die ihrer Innerlichkeit sonst keinen Ausdruck mehr zu geben imstande sind, weil ihnen die Mittel dazu systematisch entzogen werden, um den Preis ihrer Überantwortung an rücksichtslose Salbader, Marktschreier und Scharlatane. Diese gesamte wissenschaftliche Aufklärung hat bei dem Versuch, sich einer Bande von Gangstern – zu der alle Priesterkasten, ob theologisch oder wissenschaftlich oder einfach säkular verwaltungstechnisch (denn das ist die Zitadelle alles dessen, was sich sonst eingekleidet in die Masken monopolisierter und dann nach Art des ‚Dudens’, einer Parallelaktion dieser Machenschaften normierter kultureller Ausdrucksmittel eingekleidet daher kommt, die man der Population zuerst enteignet, um sie ihr dann um den Preis der Duldung von Parasiten wiedergibt, aber in einer Form, die sie zugleich wirksam derart zensiert, dass die Ausdrucksmöglichkeiten mit dem System der gewaltsamen Kontrolle übereinstimmt, das über zugelassenen Ausdruck entscheidet, und damit über die Ausgrenzung und ihre Methoden) zu rechnen sind – das Kind mit dem Bade ausgeschüttet und ist an dem Punkt, an dem wir mit Russel spätestens angelangt sind, oder vielmehr mit dem Pragmatismus, der dann etwa ‚theories of mind’ von der Art Ayers vorbereitet wie den Behaviorismus Watsons und seiner eklektizistischen Nachfolger, die die Theorienbestände dann als eine Art Waren in einem Supermarkt mit Selbstbedienung betrachten, übergegangen zwar nicht in das Kostüm des Bekämpften (diese Leute bevorzugten Kittel) aber in seinen angeeigneten Geist bzw. seine Funktion – wem die funktionalistische Ausdrucksweise halt mehr sagt. Es ist denn auch die persönliche - Tragik ist vielleicht zu viel gesagt – Russels, dass er eigentlich seinen eigenen Widerstand, für den er die Verantwortung übernahm indem er ins Gefängnis ging, wohl kaum angemessen verständlich machen konnte, weil er die wirkliche Gewalttätigkeit des vollendeten säkularen Staates, der das Hobbessche System faktisch realisiert auch ohne eine persönliche Repräsentation des Souveräns benötigen zu müssen, gegenüber der inzwischen um ihre Wahrnehmungsfähigkeit für diese Gewalt vielleicht nicht so sehr – der verbreitete Alkoholismus und die übrigen Malaisen der Population sind da hinreichende Hinweise – als jedenfalls um die Ausdrucksmittel gebrachten Populationen, deren Bedeutung ja bekanntlich nicht zuletzt darin besteht, dass sie den organischen Impulsen, die sich als Resultanten im Zusammenwirken mit den Umgebungsreizen formen, einen Kristallisationskern von Bedeutungen erst geben, der sich dann zugleich in Kommunikation einbringen lässt.

Es ist erstaunlich, wie widerstandslos dieser Vorgang der fortschreitenden Enteignung des kulturell vermittelten Bewusstseins durch eine angeblich ‚fortschreitende wissenschaftliche Entwicklung’, der die Verblödung der neomythischen Surrogate in privatem Eigentum, die aus systematischen Gründen zugleich wirksam jede Möglichkeit einer intersubjektiven Verständigung, also einer Kommunikation im Wortsinne unterminieren, weil die noch zugelassenen Ausdrucksmöglichkeiten entweder einander auslöschen (jeder versucht sich mittels einer Neomythologie des letzten Kinofilms oder der letzten gerade vorgeschriebenen Lektüre auszudrücken, und jeder muss darauf antworten mit dem, was ihm gerade zur Verfügung steht, und da nichts davon übergreifend gegen die Zeit und die Mode stabilisiert werden kann, weil alles als beliebig variierbar gilt und nach Belieben einfach durch anderes ersetzt werden kann, das keine Kontinuität ermöglicht oder Anknüpfung, und weil das Prinzip der sogenannten beschleunigten Veränderungsgeschwindigkeiten der modernen Welt, über dessen blinde Unterschreibung es der Abschied von der Geschichtsphilosophie nicht hinausgebracht hat (was ein Witz ist, weil zugleich mit diesem Abschied das von den ‚Kommunisten’ übernommene politische Prinzip der Ausübung von Herrschaft mittels des Prinzips der permanenten Revolution von Oben, durch Geistesverfassungen, die ihrerseits eine innere Kontinuität nur in ihrem blinden Opportunismus und Karrierismus finden, der bedenkenlos diesem oder jenem Totalitarismus dienen, sei der nun offen oder getarnt hinter einer im Großen und Ganzen derjenigen Fassade aufs Haar gleicht, die man dem Gegner als demokratisches Rollenspiel zu Recht angekreidet hatte, ) oder konterkarieren, bloß komplementär korrespondieren. Es handelt sich um zwei Seiten derselben Medaille, deren Materialwert als Kultur gleich Null ist.

Man muss zudem wissen, dass dieser Abschied von der Geschichtsphilosophie sich in Stufen vollzogen hat, die von der Opposition gegen die elfte ‚Feuerbachthese’ zu der These führte, man solle die Welt in Ruhe lassen, um dann in die Erklärung des Abschieds von der Geschichtsphilosophie – sozusagen der Marathonform, dem long-range-approach zur These von den beschleunigten Veränderungsgeschwindigkeiten führte, die man gewissermaßen nur noch zu registrieren und denen man sich anzupassen hatte. Die Perfidie an diesem Übergang ist einfach darin zu sehen, dass man jede Machenschaft des aus unsäglichen, aber bekannten Umständen mit Unterstützung der neuen transatlantischen oder osteuropäischen Herren – ein Umstand, der den politischen Rückzug des dem Westen verbliebenen Teils der bürokratischen Intelligenz nach dem erneuten Desaster verständlich macht von einer in den Torsionen des Weltbürgerkriegs verzerrten und aufgrund der seinerzeitigen Konstellationen und Erfahrungen zu sehr von deren Bitternissen verbogenen und durch die polemische Form entstellten Formulierung ihrer politischen Aspekte als Revolutionstheorie tingiert war, die der Analyse der Vergesellschaftungsformen und ihrer geschichtlichen Entwicklung angefügt worden war - konsolidierten Machtapparats zu akzeptieren sich bereit erklärte, wenn es nur sicher stellte, dass man sich nicht darauf einlassen würde, irgend einem Begehren auch nur einen Hauch von Rationalität zuzugestehen, das dem nun an die Stelle des von der ja nun mündig gewordenen Population und ihrem Anspruch auf die Realität der Herrschaft in der Form einer Demokratie artikulierbaren Wunsches nach einer Gestaltung der eigenen Lebensverhältnisse tretenden Prinzip der permanenten Revolution von Oben treten sollte, und in einer Weise schematisiert wurde, als würde man es lediglich zu registrieren haben, und sei nicht selbst sein Propagandist, als Teil dessen, was diese beschleunigten Veränderungsgeschwindigkeiten inszeniert und die Propaganda dieser TUI’s (Berthold Brecht, Tui-Roman) bestellt und bezahlt sowie mit Berufsbeamtenpositionen passabel belohnt..

Die einzige im Bewusstsein der ‚Marxisten’ und ihrer Gegner in Erinnerung gebliebene Platitüde, dass die Geschichte eine Geschichte von Klassenkämpfen ist, meint die Soziologie mit einer Aufspaltung der in dieser Form einer politischen Formel zusammengefasste Gesamtansicht durch eine Aufspaltung in eine Theorie der sozialen Schichtung, eine Theorie des Konflikts, eine Theorie des sozialen Wandels, die dann wieder in einer Theorie der sozialen Evolution zusammengefasst und mit einer evolutionären Erkenntnistheorie unterfüttert wird letztlich vergessen machen zu können durch eine Differenzierung, angesichts deren am Ende vergessen wird, was das ganze einmal sollte, nämlich Klarheit darüber zu verschaffen, wie das alles funktioniert, damit man die Möglichkeiten für vernünftige und überlegte Eingriffe und Steuerungsmöglichkeiten auffinden und an diese Einsichten anschließen kann. Das wird in einer Flut von für die Intoleranzen des Christentums allgemein typischen wechselseitigen Projektionen erstickt, die so weit unterhalb der griechischen Ansicht der menschlichen und geschichtlichen Welt als einer bis in die Wurzeln des Familienlebens zurückreichenden Konstellationen der fortgesetzten und bisher unbewältigbaren, obwohl in ihren Umrissen längst erkannten Quellen der Tragödie angesiedelt sind, dass man bei einiger Gelassenheit fassungslos sein muss über diesen Kindergarten von in präödipalen Konstellationen hängenden gebliebenen infantilen Führungseliten, die indessen getreulich ihre Untertanen repräsentieren, denn sie sind von derselben Geistesverfassung, die im Wesentlichen, von dem höchsten Verantwortungsträger bis zu den verlogenen Kindern herunterreicht, die als erstes die Sprache einer Ausredenkultur erlernen, die sie dazu befähigt, auf jede kleine Gaunerei eine passende Ausrede zu liefern und die dann zu der inzwischen alles beherrschenden Rhetorik der systematisierten Lüge heranwachsen, bis sie reif dazu sind, in einer derartigen Welt ‚Verantwortung’ zu übernehmen. Wie weit diese Schematisierung der Welt entlang von Polizeiweltanschauungen und Steckbriefdenken, mit denen schon das Endspiel über die Indianerfrage erfolgreich bewältigt worden ist, unter dem bereits in der Antike auf der Höhe des Trojanischen Krieges erreichte Niveau der Einsicht liegt, auf dem die von athenischen Staatsmännern geschriebenen Tragödien anzusiedeln sind, Gebilden, die von Leuten für die von ihnen geführte Population geschrieben und zur Aufführung bei den jährlichen Panathenäen gedacht waren, die wussten, worin ihre praktische politische Aufgabe bestand und sie auch zu meistern wussten, und dafür sich meist auch der Anerkennung der Population sicher sein konnte – was nicht immer ein Ausweis ist dafür, dass damit auch das Richtige getan ist – ist gar nicht zu bestimmen.

Die Denkweisen sind einfach so unähnlich, dass eine räumliche Metapher zur Angabe eines Abstands gar nicht möglich ist. Es kann unter diesen Umständen kein Zufall sein, dass ‚Das Ende der Tragödie’ von einem US Amerikaner verkündet wurde (George Steiner), Natürlich meint er damit das Hofdrama, das erlauchte Spitzensubjekte bei ihrem Ringen mit der Verantwortung die die Macht ihnen auferlegt und die Notwendigkeit, ihren Imperativen gerecht zu werden ungeachtet der dabei hinzunehmenden Folgen, die das für den armen Menschen hatte, der sich dabei unvermeidlich schuldig machte. Das ist das letzte, das diese zur Hofberichterstattung heruntergekommene Reflexion noch an Anamnesis zu leisten imstande ist: Ihre eigene Unfähigkeit noch etwas zu begreifen, angesichts ihrer eigenen Verkommenheit, auf den betrachteten Gegenstand zu übertragen. Das ist auch eine Übertragung, und sie hat exakt denselben Sinn wie ihr klinisches Pendant. Nur dass das nicht als solches auffällt, wo es sich in die Form gelehrter Ausführungen ergießen kann, die einen Wissenschaftsfortschritt darstellen. Es geht in diesem Buch nur darum, dem Menschen des Alltagslebens, dem Unterworfenen, dem bloßen Objekt der Macht das Recht abzusprechen, sich und sein Schicksal im Medium der Tragödie wahrnehmen zu dürfen.

Das erst garantiert, dass der Weg frei ist für die nun zum Einsatz kommenden Sozialtechnologien, die allesamt ihre innere Verwandtschaft mit der erbarmungslosen Ausrottung der Amerikaner kaum leugnen können, vorausgesetzt, man leidet nicht an den vorgeschriebenen Spaltungen des Bewusstseins, die dafür sorgen, dass man nicht versehentlich einen Gesamtüberblick über einen ‚Gegenstandsbereich’ erhält, der sich bei der Aufhebung der Bewusstseinsspaltungen, die die Widersprüchlichkeiten und innere Inkonsistenz einer mit keiner Logik zu vereinbarenden ‚Gegenstandskonstitution’ – es ist zu erinnern an dessen Vermitteltheit und Konstitution im Medium von Bedeutungen – sichtbar machen müsste, als Produkt einer delirierenden Phantasietätigkeit im Gewand wissenschaftlicher oder sonstiger (politischer, verwaltungstechnischer) Spezialitäten präsentieren müsste, so dass die ganz gewöhnliche Besetzung des Bewusstseins durch den rationalisierten und systematisierten, aber arbeitsteilig aus dem Blick gerückten Wahnsinn in dem Moment, in dem die Einsicht ihren Ort im derart konstituierten Gegenstand erkennt, ohne ihrerseits von der von den Bedeutungsgehalten, aus denen er komponiert ist, überwältigt zu werden – denn sie sind stets geeignet, als Bewusstseinsverfassungen auch in das sie betrachtende Bewusstsein überzuspringen und einzusickern, wie illegale Grenzgänger und Immigranten, die sich dann sogleich als Einheimische gerieren, nur dass es hier nicht um die so genannte menschliche Anteilnahme geht, die man ihnen schuldig wäre, indem man ihnen bereitwillig einen Platz einräumt, sondern sie tunlichst dort ansiedelt wo sie hingehören, im Gegenstand, und nicht im Subjekt des Gegenstandes, das ihn hervorbringt in einem Akt der Schöpfung – aber auch unter den Bedingungen einer erfolgreich im Zaum gehaltenen Gegenübertragungsneigung, die immer auf dem Sprung steht, auf die ihr angebotene Provokation (durch die ‚Liebe’, die Feindseligkeit oder den Appell, die Ausrede, die Lüge, die Unterschätzung des Gesprächspartners, die projektiven Unterstellungen usw.) hereinzufallen, und zwar besonders, wenn das verbunden ist mit einer Insspielbringung der Verlockungen, die die sozial und gesellschaftlich bevorzugt zur Darstellung der machtvermittelten und knapp gehaltenen Privilegierungen und Entzüge – die alle nach dem Muster des Umgang mit Kindern strukturiert sind und in der Zuteilung von Nahrung, Versorgung und Spielzeug bestehen – mit mehr oder weniger deutlich erkennbaren Symboliken derart aufgeladen werden, dass von Besitz oder Nichtbesitz alles abzuhängen scheinen könnte, das sich lebensgeschichtlich als seinerseits symbolisierter Erfolg (besser: Dessen ‚Erlebnis’) zu eignen scheint und gewöhnlich derart mit dem Besitz und Entzug von Artefakten unauflösbar verschweißt zu sein scheint, dass das von diesem Schein geblendete Bewusstsein, das derart mit Sicherheit seiner selbst nicht mächtig ist oder werden kann, auf ewig in dem von ihm selbst aufgrund einer ihm unzugänglichen Dressurfolge imaginierten rein symbolischen Gefängnis aus Gründen nicht zu entkommen vermag, die einfach darauf zurückzuführen sind, dass es die von ihm selbst aufgrund einer Dressur mit den Oberflächen der Artefakte verklebten, ihnen eigentlich gänzlich zufällig und aufgrund undurchschauter subbewußter Vorgänge übertragener symbolischer Bedeutungen, die mit den Oberflächen der Dinge scheinbar verschmelzen, Strebungen und die aus ihnen entstehenden Bedeutungen nicht mehr als eine eigene Produktion erkennt und einfach von ihnen abzieht und zurücknimmt, womit sie in das bleierne Grau einer an sich toten Welt zurückfallen müssten, die übrig bleibt wenn ihnen diese Bedeutung, die produktive Imagination des Selbst entzogen wird und dieses sich in den Besitz seiner schöpferischen Produktivität setzt, die sich eine Welt schafft, die dieser Artefakte bestenfalls im Rahmen zu beachtender Notwendigkeiten bedarf und sich selbst dann nicht fürchtet, wenn auch diese nicht zu ihrem Recht zu kommen vermögen.

Es bedarf nicht der Gegenübertragung der von dieser Kontrollwelt ausgehenden mörderischen Zwänge auf sie selbst in der Form einer Reprojektion um diese Welt zu Asche zerfallen zu lassen, sondern nur der unerschrockenen Reflexion auf den Zusammenhang der Angst und der Gewalt, der das Subjekt sich opfern soll, damit nichts sei, das dem Gewaltzusammenhang entkommt und immun ist gegen den von ihr ausgehenden Tod.

Natürlich kann eine ‚materialistische’ Einstellung, die auf der Geschlossenheit des aus Imaginationen erbauten Gehäuses besteht, kaum fähig sein, sich das nicht ihrerseits als bloß spinnertes Gerede vorzustellen. Wie weit das alles wirklich verbreitet ist, zeigt die hartnäckige Einschwörung der politischen Linken auf den ‚Materialismus’ von Marx. Was das Ausmaß des darin steckenden Irrtums bedeutet, kann erst ganz klar werden, wenn man sich die Argumente von Marx noch einmal vor Augen hält, deren Kern darin besteht, dass die gesamte ihm gegenüberstehende Kulturwelt mitsamt allen ihren Einrichtungen zur Knechtung, Täuschung, Vergewaltigung und Gefangensetzung und Ausplünderung von menschlichem Leben auf einer Mystifikation beruhen, die am besten an der scheinbar ganz selbständigen Existenz des Geldes illustriert werden kann, an dessen Existenz sich vielmehr die völlige Verkehrung des Subjekts der Geschichte zu einem Insassen eines von ihm selbst geschaffenen Gefängnis und zum Objekt dieses materiellen Gefüges demonstrieren lässt, das zum Ergebnis hat, dass dieses Subjekt zum Krüppel erniedrigt wird, der als clown und Spielball von organisierten Gewalttätern wird, die sich mittels einer durch die Gewalt dem Bewusstsein oktroyierten Usurpation in den Besitz des gesellschaftlichen Reichtums setzen und die Aneignung und Ausbeutung als natürliches Verhältnis erscheinen lassen können, aufgrund von Gewohnheit, Erziehung Privilegierung bzw. die Verstümmelungen der Gewalt. Wenn dieses offenbare Geheimnis den Proleten, denen man zugetraut hatte, dass zu mehr taugen könnten als dazu Knechte zu sein oder Aufsteiger, die über Leichen gehen, oder dass sie mehr sein könnten als ein unersättliches und feiges Riesenmaul, an das sich ein langer Schlauch von Darm anschließt, der in ein Riesenarschloch ausläuft, dann ändert das nichts an dem beschriebenen und damit ein für allemal geklärten Sachverhalt.

Niemand wird erwarten, dass ein Wesen von der Art eines Wurmes, der aus Maul, Darmschlauch und Arschloch besteht, das verstehen können muss. Und nichts kann sich an der Wahrheit und Richtigkeit eines Sachverhalts ändern, der von einer Intelligenz nicht verstanden wird, die dazu nicht das Format hat. Niklas Luhmanns Bemerkungen sind hier oft auf eine feine Weise ironisch, wenn er meint, nun, wenn die Sachen so liegen, wie sich nun herausgestellt hat, das sie sind, dann könne man das Subjekt bis auf den Theoretiker allerdings – streichen aus der Beschreibung des Gegenstands, und im Übrigen bedürfe es eben einer gewissen Entsprechung der Komplexitäten, um Gegenstand und Theorie in das rechte Verhältnis setzen zu können, dann ist es kaum angebracht, das nun gelehrt zu widerlegen, sondern man sollte sich überlegen, warum ein Mann von diesem intellektuellen Format das so zu sagen sich veranlasst fühlt, und warum das eine so feine Ironie zu enthalten scheint, wenn man es sich genauer anhört. Aber es scheint, dass auf einen groben Klotz eben doch ein grober Keil gehört. Wer an einer Betonwand anklopft, muss unter Umständen einen Bohrmeißel einsetzen. Der Reiz muss dem Sinn entsprechen, dem er sich bemerklich machen will. Aber dazu gibt es dann auch wieder keine unbedingte Verpflichtung.

Man kann ebenso gut der Meinung sein, dass es sich nicht lohnen muss, von jedem Organ wahrgenommen zu werden, und von manchen kann man sich nur wünschen überhaupt nicht wahrgenommen zu werden, z. B. von Zecken und Parasiten, Viren und Blutsaugern, Raubtieren und Beutegreifern, und von bestimmten Mitgliedern der eigenen Art. Daß ihn ‚die Marxisten’, die ihm immer wieder in seine Überlegungen hineinrutschen, sozusagen als neuronales Implantat verfolgen, kann man ihm anmerken, aber es ist nirgendwo ein substantieller Einwand gegen die grundsätzlichen Einsichten in das Verhältnis von Kultur und Mensch zu erkennen. Was er vor Augen hat, ist ein bestimmter Teil der ihm begegnenden Studentenschaft, die erklärten, marxistische Einsichten zu haben, und das ist sicher nicht falsch, wenn man nur den Marxismus von Marx als einem Ethnologen und Kulturwissenschaftler unterscheidet. Man muss die enttäuschten Hoffnungen des Mannes vor Augen haben und seine soziale Herkunft als kultureller Außenseiter um in den politischen Versuchen, sich einen Bündnispartner zu schaffen, auf den er sich stützen konnte, eine nicht bearbeitete Schwäche sehen, die dem psychoanalytisch Belehrten nicht in dieser Form unterlaufen wird, wenn ihn die historische Erfahrung mit dem Versuch, an eine theoretische Einsicht eine nicht völlig aus der Luft gegriffene Möglichkeit abzuleiten und nach Möglichkeit dazu beizutragen, dass ihre Verwirklichung praktisch befördert wird. Man kann die Formulierung, wonach eine Theorie dann zur materiellen Gewalt wird, wenn sie die Massen ergreift, ja auch als einfachen Bedingungssatz verstehen, mit der Betonung auf dem ‚wenn’.

Das heißt dann doch: „Und wenn nicht, dann eben nicht!“ Dafür ist der Theoretiker nicht verantwortlich und an den durch seine Fähigkeiten einmal gefundenen Wahrheiten über die betrachteten Zusammenhänge ändert das nicht ein Jota. Denn dafür, „dass nicht…“ ist denn doch nicht jeder, der einen Bedingungssatz formulieren kann, nicht verantwortlich, zumal, wenn er sein Bestes dafür getan hat, dass…Für jede Verantwortlichkeit gibt es Grenzen. Die nochmalige Betrachtung lehrt zumal, dass nicht nur gilt: Habent sua fata libri, sondern das gilt auch für die ‚Popularisierung’ von Ideen.

Denn da gilt dann, das folgt aus der Erfahrung, dass nicht nur die Idee die Massen ergreift, sondern auch die Massen die Idee, und zwar eben stets nach Maßgabe der Verfassung ihrer Verständnisorgane. Da kann es dann schon auch einmal vorkommen, dass bei dieser Ergriffenheit die Idee zwar nicht, aber die Massen, die sie ergriffen haben, um sie im Triumphzug durch die Stadt zu tragen, bei diesen Umzügen nicht nur nicht klüger werden, sondern nur stets verstockter und anfälliger für Demagogen, die ihnen diese ‚Idee’ verständlicher zu machen beanspruchen, wobei dann die Idee zwar leidet, aber ohne dass das bemerkt wird, weil sie sich selbst nicht dazu äußern kann, es sei denn sie würde durch die eigene Anstrengung derer, die sie ergriffen hat, wirklich auch in eine körperliche Gestalt gebracht, und das dann in einer Form, die aus der von ihr ergriffenen Masse eine Versammlung von urteilsfähigen Menschen machen müsste, die in ihrem Sinne gemeinsam zu handeln fähig sind. Wo das nach einer derartig langen Zeitspanne ausbleibt und dann in den jedem aus den entsprechenden Diskussionen belehrten vor Augen stehenden Farcen einer studentischen Subkultur ausläuft, die sich zerfleischen in einem kleinkarierten Karrierismus, der auf die zu besetzenden und zu erobernden Positionen in einem Betrieb aus war, der ist vorsichtiger mit der Idee, für seine analytischen Betrachtungen eines Zusammenhangs, dessen Charakter als stählernes Gehäuse er mit anderen, und unter Umständen ganz anders orientierten oder interessierten Kollegen in der Sache, nicht unbedingt im Amt, denn da hört die Gemeinsamkeit auf und das kann man wenigstens klarmachen, dass man sich dazu nicht hat finden können, komme was da wolle, zumal, wenn man darauf vertraut, dass die Bewährung in der Befolgung der sei es auch undeutlich vorschwebenden Intuition besteht, die den Ausgang auf jeden Fall determiniert, Gefolgschaften unklarer Motivation anwerben zu wollen.

Vielmehr sollte man den Preis wieder auf die Höhe des zum Verständnis des Gemeinten unabdingbaren, ohne Zweifel voraussetzungsvollen Niveaus bringen, so wie es aus der Betrachtung von Subjekt und Kulturwelt sowie aus ihrer unabdingbar normativ korrekten Verhältnisbestimmung hervorgeht. Ich meine, das hat Niklas Luhmann getan und es ist gut nachzuempfinden, dass das auch schmerzen kann bis zur Grenze des Erträglich scheinenden, denn es erzwingt u. U. eine Entscheidung zu einer Trennung von dem, womit man sympathisiert, weil man es auf eine unklare Weise liebt und mit ihm leidet, während sich die Einsicht abzeichnet, dass die in der Haltung des Theoretikers vorgeschlagene Entscheidungsrichtung die unvermeidliche ist, wenn man sich um das bringen will, was dann zugleich immerhin noch möglich ist und sich zugleich erst dadurch eröffnet: Die endlich sich eröffnende Freiheit zu selbständigem Denken, die die symbiotische Anklammerung an regressive Objektrepräsentanzen vereiteln würde. Der Preis für die damit verbundene Enttäuschung, der Verlust des Liebesobjekts, dessen Erhaltung das unerkannte Motiv für die Beschäftigung mit dem Gegenstand, der Theorie, der nicht beschädigten Tradition, die die Rettung der Liebesobjekte verhieß, deren Namen unbestimmt genug Subjekt und Kultur waren, war allerdings eine lange Phase eines sekundären Autismus, wenn es auch nicht zum Äußersten kam,

Samstag, 2. August 2008

sondern nur die allgemeine Richtung und Tendenz der regressiven Bedrohung angibt, indem das Ich am Rand des Abgrunds entlang glitt, immer im Angesicht des Trichters des Mahlstroms, der sich in Abständen einmal links, dann rechts auftat.

In einem Unabsehbaren Ozean der menschlichen Existenz treibend findet sich das Bewusstsein wieder, indem es am Rande der Panik, schwankend zwischen der Furcht zu versinken oder verschlungen zu werden, und der Lust, die ihm die zögernd und zunächst ziellos begonnene Betätigung verschafft, und lernt dabei zunächst, es zu ertragen einfach nur zu sein. Indem es durch die Oberfläche vorstößt in den darüber liegenden Luftraum, und mit dem ersten Atemzug die Umgebung entdeckt und die eigene Körperlichkeit, erschließt sich ihm jenseits der Grenze eine andere Welt, voller klarer Klänge und schärferer Umrisse. Aus den vage vorbei treibenden Konturen tauchen Farben auf und Gestalten, riesige eintönige, perspektivisch verzerrte Flächen und scharf konturierte Bewegungen mit rhythmischem Charakter.

An im Wind und der Strömung treibenden Teilen sich anklammernd erbaut es sich ein primitives Floß, errichtet darauf einen Mastbaum und behängt ihn mit dem Fetzen eines Segels. Nun nennt es sich stolz ‚Sozial Wissenschaftler’ und steuert einen Hafen an um sich als Heimkehrer feiern zu lassen, der den unermesslichen Weltozean umrundet hat. Aber dort findet es eine Welt ebensolcher Heimkehrer, die alle mehr oder weniger dasselbe durchgemacht haben und auf mehr oder weniger seetüchtigen Gefährten in denselben oder andere Häfen eingelaufen sind. Alle sind sie Überlebende und niemand fragt mehr nach der Beschaffenheit, der Güte, der Ausstattung oder der ‚Seetüchtigkeit’ der Gefährte, auf denen sie gekommen sind, wenn nicht einige ohnehin, sich auf ihre eigenen Kräfte verlassend, als entschlossene und gestählte Schwimmer das Land erreicht haben. Es wimmelt an Land nur so von erfolgreichen ehemaligen Seeleuten, die sich alle am Ende ihrer Reise glauben, wenn sie in den Hafen eingelaufen sind. Das Land ist in der Tat übervölkert von ihnen. Da erinnert sich der Heimkehrer auf einmal an die Tage auf der See, den Horizont, die treibenden Wolken, die Gefahr der Stürme, die Todesangst, den Wunsch nach Erlösung, die unnennbare Einsamkeit, die spielenden Delphine, die prüfend vorbeischauenden Raubfische, den ungeheuren Flug des Albatros, der sich nach einigen weiten Kreisen endlich bei ihm niederließ um ihm eine Weile Gesellschaft zu leisten, und mit ihm die aus dem Meer gefischte Nahrung zu teilen. Da erkennt es, dass die Reise gar nicht zu Ende ist, sondern erst begonnen hat. Nicht hier, an land, in der trägen Bequemlichkeit, der oberflächlichen Monotonie des Immergleichen, dem wattierten, gegen den Fluss der Zeit immunisierten Gehäusen, in denen alle Unterschiede auf den von hell und dunkel verschwinden, und dem monotonen Geschwätz der Städte gab es Leben, sondern nur auf dem Wege zu diesem gegenstandslosen Ziel. Der Weg ist das Leben.

Man kann nun meinen, die Wahl dieser Form führe auf etwas, das alle schon lange wissen. Das liegt aber nur daran, dass ich eine Formulierung gewählt habe, die allgemein bekannt ist, so dass zugleich der Schein entstehen kann, ich käme bei etwas heraus, was ohnehin schon alle wissen, die ganze Mühe sei also umsonst gewesen, und enthalte keine Information. Ich überlasse die kritische Prüfung dieses Urteils indessen dem eigenen Rückblick des Lesers und entschuldige mich für die Irreführung. Immerhin kann es witzig sein, sich der Möglichkeit dieser Replik gegenüber zu sehen und sie vor dem Hintergrund, dem ‚back-ground’ (die englische Form enthält auch eine zeitliche Konnotation) des Gesagten aufzuzeichnen.

Die richtige Antwort auf diese Art von Replik, die darin besteht, einem kurzen Gedächtnis oder der Gedächtnisunfähigkeit die Schlagfertigkeit zuzuspielen, die diese Unfähigkeit deckt, ebenso wie die Leere des bloß punktuellen Bewusstseins, das sich einfach an den letzten gehörten Satz halten muss, weil das so genannte Langzeitgedächtnis leer ist oder dem Bewusstsein gegenüber der Zugang blockiert ist – denn es ‚enthält’, besser es ist auch mit unbewussten, und vielleicht am ehesten von unbewussten Objektrepräsentanzen erfüllt und aus ihrem Zusammenhang gewissermaßen komponiert, - und sich deshalb erleichtert hilft mit einer auf diesen, in dem es etwas wieder erkennt, das es schon ‚weiß’ repliziert und damit zugleich das Ganze – verdrängt. Man muss sich um die darin enthaltene Aggression gegenüber dem so traktierten Bedeutungsgehalt kümmern um zu verstehen, was das bedeutet, denn es bezieht sich nicht einmal notwendig auf den ‚Sprecher’/Autor und das was er/sie mitteilt, sondern vor allem auf die eigene Befindlichkeit des Lesers/Zuhörers.

Die Aufmerksamkeit ist gar nicht auf das Gehörte, Gelesene gerichtet, sondern auf die Aufrechterhaltung des eigenen Gleichgewichts. Steht das nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit, dann wird der Effekt, die Nutzung einer Nebensache als Aufhänger für das Verständnis des ganzen, gar nicht aktualisiert und der Vorgang der aufmerksamen Konzentration läuft gewissermaßen geradeaus weiter ohne eine reduktive Kontraktion des unter dem Reiz erschauernden Selbst, das sich gewissermaßen wie eine Schnecke bei Berührung ihrer Fühlhörner verhält. Wer die entsprechende Alltagskommunikation vor Augen hat und sich damit beschäftigt ihre Funktionsweise und die Gesetze und Regeln der scheinbar zufälligen Abfolgen von aufeinander sprachlich reagierenden Personen besser zu verstehen wird sich damit befassen müssen, bestimmte mit Sicherheit auftretende Stereotype in diesem auf den ersten Blick verwirrend vielfältigen Gefüge zu erkennen und ihren Sinn zu entschlüsseln, der mit Sicherheit nicht auf der unmitttelbar erscheinenden sprachlichen Oberfläche zu finden ist, dort aber oft gesucht oder vermutet oder gar unterstellt wird. Man hört richtig hin, wenn man mit einem zusätzlich aktiven Wahrnehmungsorgan, das keinem ‚Sinn’= unmittelbar physiologischen Wahrnehmungsvermögen wie Auge, Ohr entspricht, sondern sich aus den Synergien verschiedener sinnlicher Wahrnehmung in Korrespondenz mit einem Resonanzboden konfiguiert, eine Konfiguration, in die verschiedenste kognitive und seelische bzw. affektive Aspekte des Wahrnehmungsvermögens als einer komplexen Form eingehen, die nicht einfach an einem Organ lokalisiert werden kann und auf der Grundlage einer ansonsten im Wesentlichen identischen organischen Ausstattung ganz unterschiedlich entwickelt sein kann oder auch nicht. Es hilft da auch – wie immer in solchen Fällen – zu einer technologischen Analogie zu greifen, indem man von einem ‚Radar’ spricht, oder an die Zusammenschaltung von Parabolspiegeln zur Erzielung eines Lupeneffekts denkt.

Wie gewöhnlich sind mit dem jenseits der Führerscheinprüfung angesiedelte Überlegungen zum ‚menschlichen Wahrnehmungsvermögen’, das ja eben kein bloß tierisches ist, technologische Analogien auch unter Heranziehung komplex zusammengesetzter Artefaktkonglomerationen bestenfalls regressive Primitivismen. Erst von daher wird die Begeisterung für die Computeranalogien, die ‚Mensch’ und Computer gern begrifflich und terminologisch, oft mehr oder weniger ‚spaßhaft’ konfundieren, erkennbar als ein Symptom. Das kann man nun noch eine Weile untersuchen, aber es genügt vielleicht sich einmal zu überlegen, was das bedeutet, wenn man jemanden zunächst nicht mehr von sich spricht, sondern von seinem Gehirn, und dann, mittels einer nochmaligen Verschiebung, davon als von ‚meiner Festplatte’ redet, anderseits von seinem Computer sagt, er sei ‚intelligent’, eine in der Produktwerbung für die Geräte selbstverständliche Üblichkeit. Das sollte an die etwas ältere psychoanalytische Untersuchung aus dem französischen Sprachraum über das so genannte ‚penseè operatoire’ (in Nummern des Zeitschrift ‚Psyche’ aus den siebziger und achtziger Jahren des zwanzigsten Jh.) erinnern, von dem dann wieder bezweifelt wurde, ob der Bezeichnung ein ernsthaft konturierbares Objekt entspricht, bevor man sich nicht mehr länger darum kümmerte. Vielleicht ist diese Sensibilität für diesen Typus einer von dem affektiven Leben abgeschnittenen schematischen Denkweise, der im Übrigen eine Verwaltungstechnik entspricht, die mit Sicherheit die Konzentrationslager erst möglich gemacht hat und ihrerseits von Max Weber ja hinreichend hervorgehoben, wenn auch längst nicht angemessen charakterisiert und analytisch bestimmt worden ist, als sozialpsychologisches Produkt des säkularen Staates und als ein von ihm zum Massenprodukt erhobener Typus des Sozialcharakters, von dem eine erhebliche Gefahr ausgeht für die Zukunft aller menschlichen Vergesellschaftung, die übrigens der gemeinsame Nenner aller Modernität in Sachen Staat und Herrschaft ist. Aber das ist anderswo genauer zu besprechen.

Zum Vorgang des Schreibens wäre einiges nachzutragen. Es wird mir erst zunehmend klar. Das spiegelt auch der Text selbst wider, wenn man genau hinsieht. Es geht im Grunde darum, das gesamte Material, das Du so gut wie ich vor Augen hast, was immer es auch konkret ist, in den Rang von Metaphern erhebt, und damit zugleich in seinem Rang als Realität depotenziert. Damit entsteht eine Art Raum, ein Zwischenreich zwischen der blanken Realität, in dem Sinne, in dem sie den Gattungsexemplaren gewöhnlich erscheint und wie man sie wahrnimmt, wenn man an einer Ampel abwartet um die Straße überqueren zu können. Wenn ich das als Spielmaterial verwende kann ich die Ampel jederzeit auf Grün schalten und dann die Strasse überqueren, aber auch trotz Rot gehen, ohne Überfahren zu werden, und ich kann bei Grün gehen, dann aber gleichwohl beinahe überfahren werden usw., kurz, ich kann alle diese Daten einer mir aus meiner Alltagserfahrung zugänglichen ‚Realität’ handhaben als bloßes Spielmaterial und jetzt ist die Frage, wofür ich dieses Spielmaterial verwenden kann. Was macht da Sinn? Das ist deshalb eine Frage von Bedeutung für den angehenden wie den geübten Schriftsteller oder Autor, der sich mit dieser Wirklichkeit beschäftigt oder mit ihrer Komposition, als Didaktiker, als Sprachwissenschaftler, Soziologe (ich meine damit keinen mir bekannten Berufsbeamten, auch keine bekannte Berufsbezeichnung, sondern eine rekonstruktive Betrachtungsweise der ‚sozialen’, jedenfalls der Lebenswirklichkeit der Tiergattung Homo sapiens, immer unter schieden vom ‚Menschen’, auch wenn diese Unterscheidung ungewohnt und artifiziell wirken mag.

Es ist erst vor dem Hintergrund dieser entschlossenen Rückkehr zu einem normativen kulturellen Standard, der in keiner Weise einer demokratischen Ordnung widerspricht, die das Problem der Nivellierung der begrifflich unbedingt aufrechtzuerhaltenden qualitativen Differenzen sichtbar macht und seinen Sinn, der in einem Verschwinden besteht, das nicht auffallen soll, sondern seinerseits verschwinden. Was den ‚Soziologen’ betrifft, so ist die irreführende Bezeichnung also durch die Beschreibung einer Tätigkeit zu ersetzen, die eine bekannte Berufsbezeichnung ersetzt mit höherem Informationsgehalt und unter Vermeidung der Desinformation, die die Wahl der Bezeichnung bedeuten müsste.), oder um eine Beschäftigung dreht, die sich mit dem Verhältnis von Mensch und Welt sowie mit dem, was da in einem Verhältnis steht. (Ich umgehe hier die verschiedenen Möglichkeiten, mich durch eine irreführende Bezeichnung nach Art ‚Lehrer’, ‚Sozialpädagoge’, ‚Psychologe’, ‚Psychoanalytiker’, ‚Philosoph’ etc. im Missverständnis der mit dem Verständnis dieser Bezeichnungen unvermeidlich verbundenen Irreführungen zu verlieren, und die Möglichkeit, verständlich zu werden – was sich nur jenseits dieser Klischees machen lassen dürfte – zu verspielen, jedenfalls aber dazu beizutragen durch einen einfachen Anschluss an diese institutionalisierten Formen einer Lizensierung eines Ausschnitts aus einem sehr begrenzten Überblicks über das verfügbaren und für meine Zwecke notwendigen und verwendbaren Wissens.

Die Formulierung, die sich darin gefällt Leben und Weg durch einfache Gleichsetzung zu identifizieren, ist informationsärmer als das, was sie damit also nicht resümierend zusammenfassen kann. Und sie ist unspezifisch. Zunächst ist es einfache eine Analogie ohne jede weitere Spezifikation, und sie übersetzt einen zeitlichen und in jedem Moment qualitativen und irreversiblen Vorgang in einen räumlichen und im Prinzip reversiblen. Mit ‚Weg’ ist stets weniger gesagt als mit ‚Leben’. Desto mehr muss auffallen, dass die Formulierung so allgemein bekannt wie als Trivialität akzeptiert ist. Das Leben ist kein Weg, und kein Weg kann besagen, was das Leben ist. Theologen meinen dagegen, mit dieser Analogie einen Beitrag zur Erhellung des Daseins zu leisten und benutzen sie gern. Auch gehen sie gern in Gedanken oder auch vor Ostern den ganzen Kreuzweg noch einmal ab. Er endet stets am Wirtshaus neben der Kirche. Das nennt man dann gern Weltzugewandtheit, und erkühnt sich gar, zu der Formel zu finden, die dem Kaiser gibt, was des Kaisers ist, und meint dabei den Wanst, den das Volk auch bereitwillig als ‚seinen inneren Schweinehund’ als existent sich unterstellen lässt, von seinen Unteroffizieren. Ich habe das gewissenhaft untersucht: Ich habe keinen inneren Schweinehund.

Das schliesst nicht aus, dass Andere einen haben. Mir jedenfalls fehlt er nicht. Ich habe ihn auch nie vermisst. Früher hielt ich diesen Mangel für einen Makel. Ich meinte, ich müsste auch einen haben, ich war sogar der Meinung, ich hätte auch einen verdient und man hätte ihn mir vorenthalten, gewissermaßen als eine Strafe für ein Vergehen, von dem man allerdings vergessen hatte mir mitzuteilen worin es bestand. Das warf ich nun wieder denen vor, die mir den inneren Schweinehund nicht zugestanden, zugleich aber fälschlich behaupteten, ich müsste schon einen haben und vor allem: ihn überwinden. Ich rüstete mich zu Kampf. Etwas muss man ja tun, um wenigstens zu zeigen, was man tun würde, wenn man einen hätte. Außerdem konnte ich durch Nachahmung der allgemeinen Geschäftigkeit zugleich gut verbergen, dass mir etwas sehr Wesentliches fehlte, abhanden gekommen war oder dass ich es nicht wahrnehmen konnte, während allen anderen ersichtlich nichts fehlte, sondern sie sogar einen Spielgefährten vorweisen konnte, der zu allerlei Neckereien und Zeitvertreib gut ist, und für Kurzweil sorgt, Langeweile vertreibt und ggf. an allem schuld ist und deshalb bekämpft und besiegt werden muss.

Erst später befiel mich eine Ahnung, dass der Schweinehund gewissermaßen zu reinen Übungszwecken einfach nach Innen verlegt worden war, vielleicht damit er geschont werden kann, nicht nass wird und nicht friert und nicht am Ende schon verbraucht und verschlissen ist, wenn endlich ein richtiger Schweinehund in der Wirklichkeit auftaucht, den man dann auch leicht erkennt, weil man ja schon weiß wie er aussieht, aus langem vertrautem Umgang, wie mein etwas fadenscheiniger Teddybär, dessen Textur unter den verloren gehenden blonden kurzen Haaren zunehmend hervorsah, bis er eines Tages spurlos verschwand. Ich weiß noch, dass ich ihn diffus vermisste, ohne allerdings zu wissen, was ich hätte vermissen sollen, denn ich hätte nicht sagen können, was mir fehlte. Die Welt um mich herum war so vollständig wie immer. Es gab keine Lücke, an der man mittels der Bestimmung des Umrisses, den ich mir vorgestellt hätte wie den einer aus einem Papier ausgeschnittene Kontur, oder wie einen Scherenschnitt, bloß das ich hätte hindurchgreifen können, wo der Scherenschnitt ein ‚Loch’ bloß simuliert, vortäuscht, während er in Wahrheit eine geschlossene Oberfläche schließt an der Stelle, gewissermaßen bloß androht an der er sich befindet, bestimmt sofort gesehen hätte: ‚Ah, hier fehlt doch offensichtlich mein Teddybär.’

Nein, die glatte, vollständig und ohne Riss geschlossene Oberfläche des Seins umgab mich wie immer wie eine vollkommene, mehr oder weniger sparsam möblierte Kugel, und nirgendwo fand sich die Spur eines Hinweises darauf, dass etwas hätte fehlen können. So verschwand mein Teddybär aus der Welt ohne dass er mir hätte fehlen können. Also konnte mir auch nichts fehlen. Denn offensichtlich war doch, dass nirgendwo etwas zu finden war, das mit hätte fehlen können. Was derart verschwindet, damit kann man nicht ‚Fort/Da’ spielen. Die Welt hielt meinem vage fragenden Blick nach dem ‚ich weiß nicht was hier nicht stimmt, stimmt hier was nicht?’ mit dem ganz und gar unschuldigen Gesicht dessen stand, der ganz gelassen antwortet: ‚Ich weiß nicht was Du meinst!’, und so wusste ich auch nicht, was ich hätte meinen sollen. Ich wusste nicht, ob es überhaupt etwas zu meinen gab. Was blieb ist ein vages Gefühl, ein diffuses Unbehagen, ein Anflug von Verstimmung, Trauer. Der Schluss von Kleists Amphytrion ist dafür aufschlussreich: Dies Gefühl, ach! Er kann auch etwas anders sein, (ich müsste das noch einmal nachsehen) aber es geht im Wesentlichen darum, dass ein Gefühl über einen an dem/der, der/die das betreffende Gefühl hat, begangenen Betrug (es geht um einen Ehebruch!) sich angesichts einer Wirklichkeit nicht verifizieren lässt als einer Realität entsprechend, wenn und weil die Struktur des Wirklichen selbst das nicht erlaubt, weil sie die realen Grundlagen des Gefühls, das sehr wohl eine Entsprechung hat in dieser Wirklichkeit verdeckt und weil just die selbst ein Strukturmerkmal des Wirklichen ist. Alkmene hat ja Amphytrion leibhaftig vor sich, in Gestalt der ihr vertrauten Erscheinung, an der nichts anders ist als sonst.

Und dieses Erscheinungsbild wiederum stimmt mit ihrer Erinnerung vollständig überein. Sie erinnert sich an dieses Erscheinungsbild, und es ist eine richtige Erinnerung, denn gerade an diesem ist ja alles so, dass es tatsächlich identisch ist mit sich selbst in Erinnerung und Gegenwärtigkeit. Die Nichtidentität des je Gegenwärtigen (in der Zeit) bleibt unwahrnehmbar an der Identität der Erscheinung (in der Zeit). Das war wohl noch vertrackter als mein Problem. Denn hier fehlte etwas, aber ich hätte es sehen müssen, um zu wissen, was es ist, und dann hätte es nicht gefehlt, also auch der vage Hinweis anhand des Unbehagens, das keinen Gegenstand fand in der Erscheinung, und keiner Erinnerung entsprach, um deren Inhalt die präsentische Gegenwart nun ärmer war. Mit seinem Verschwinden verschwand auch die Erinnerung an das Verschwundene. Aber das war denn auch nicht offensichtlich. Vage frage ich mich, ob ihm nicht ein Arm fehlte, der rechte. Sah nicht an einer Stelle schon etwas Holzwolle durch die Textur? Was ist ein Bewusstsein, aus dem mit dem Verschwundenen auch die Erinnerung daran verschwindet? Ich fand mich mit dieser hermetisch geschlossenen Oberfläche ab. Es gab ohnehin nichts anderes als diese. Alles war immer ganz so wie es jeweils im Moment sich darbot. Eine Frage, ob es einmal ‚mehr’, um etwas reicher oder ärmer, vermehrt oder vermindert war, stellte sich nicht angesichts der glatten Absolutheit und Vollständigkeit der geschlossenen Innenfläche der Kugel in deren Mittelpunkt ich mich eines Tages vorfand. Immerhin war sie wenigstens geschlossen, hermetisch. Das war schon einmal ein Vorteil. Man musste nicht mit allem rechnen. Die Risiken wirkten abschätzbar. Vorerst! Ich bin nicht sicher, ob und ggf, wie ich zur Wartung der Kugel beitrug. Immerhin konnte man dazu beitragen, Absolutheit und Vollständigkeit sowie Geschlossenheit dadurch zu garantieren, dass man die Erinnerung anpasste an die Wahrnehmung. Dann war höchste Perfektion zu erzielen oder in der Zeit zu gewährleisten. Das wurde dann doch irgendwann zu kostspielig. Der Teddybär tauchte wieder auf. Meine Mutter erklärte mir, ihn weggenommen zu haben um ihn aufzuheben, weil ich ihn nicht mehr brauchte. Das war ein Irrtum und ausgesprochen eigenmächtig, außerdem entsprach es nicht dem, was ich selbst auf einmal deutlich empfand als ich ihn unvermutet wiedersah. Denn jetzt fiel ein riesiger Schatten auf die gesamte Zwischenzeit zwischen seinem Verschwinden und seinem Wiederauftauchen und ich bemerkte jetzt zugleich meine Treulosigkeit und meinen Verrat an dem Verschwundenen, den ich feige preisgegeben hatte, um ihn nicht vermissen zu müssen, und um mich nicht damit auseinandersetzen zu müssen, was da geschehen war, denn hätte ich mir das im Ernst überlegt, dann wäre es doch gut möglich gewesen, dass auch ich am Ende verschwinde ohne zu fehlen und ohne dass sich jemand an mich erinnert und mich vermisst. Schließlich waren schon andere verschwunden vor mir und vor allem vor meinen Teddybär, und die waren auch zuvor schon etwas fadenscheinig, irgendwie durchsichtiger geworden, bis sie dann schlagartig verschwanden, auch ohne dass das bemerkt wurde. Das waren mein Vater, mein älterer Bruder und dann alle anderen Geschwister und auch meine Mutter. Alle waren verschwunden, und ich musste sie vergessen, damit die mich umgebende Gegenwart und ich nicht in Streit gerieten oder ich in eine schlimme Verwirrung, weil ich nicht mehr gewusst hätte, was nun wahr ist, das, was in meinem Bewusstsein wirklich und wahr ist, oder das, was ich gerade sehe und was ich an anderen sehe oder zu sehen meine, dass sie sehen oder nicht sehen. Jedenfalls redete keiner mehr von ihnen, also hatte es sie auch nicht wirklich gegeben. Es musste mit ihnen gegangen sein wie mit meiner Einsamkeit nach dem Verschwinden meines Teddys, denn von der hatte auch niemand geredet und daher konnte es sie in der Wirklichkeit auch nicht geben. Jetzt aber war alles ganz anders. Meine Einsamkeit hatte einen Grund gehabt, und war so real wie das Verschwinden meines Teddys und ich hatte ihn auch die ganze Zeit vermisst, obwohl ich mich nicht daran erinnern konnte, oder wusste, was ich dabei fühlte. Und alles das war wirklich, so wirklich wie mein wieder aufgetauchter Teddy. Und jetzt erfuhr ich, dass meine Mutter ihn hatte verschwinden lassen, weil sie der Meinung war, ich hätte ihn nicht mehr gebraucht. Sie wollte ihn aufheben für später, damit ich mich dann an ihn erinnern könnte. Und sie hatte mich nicht gefragt. Ich hatte mich offensichtlich nicht richtig um die anderen gekümmert, deshalb war es zu diesem Irrtum gekommen, ich brauchte sie nicht mehr. Deshalb hatte sie sie alle weggeschafft. Irgendwo bewahrte sie sie auf für später vielleicht, und wer weiß, vielleicht tut sie das ja noch heute. Damit ich mich dann an sie alle erinnern kann, wenn sie sie mir zeigt. Es stimmt wohl, dass sie alle schon mehr oder wenige kaputt waren, aber wenn man immer so mit den Sachen verfährt, die etwas fadenscheinig werden, oder kaputt, dann muss ich mich zusammennehmen, damit ich nicht auch wegkomme. Sie wirkte unberechenbar, und dabei wusste sie nicht einmal, ob ich meinen Teddy vermissen würde, wenn sie ihn mir wegnahm. Und was ich nicht immer im Arm oder im Auge behielt, das konnte dann leicht verschwinden. Ich sollte also aufmerksamer sein, wachsamer, mich mehr kümmern, mehr Anteilnahme zeigen? Ich stellte lieber keine Fragen. Mein Vater kam nicht zurück, mein Bruder auch nicht. Andere kamen zurück, endlich war auch ich zurückgekommen, von einem Ort, an den ich gebracht worden war, wo es keine Ausgänge gab. Ich hätte auch nicht gewusst wohin ich hätte gehen sollen, an wen mich wenden. Ich durfte auch nirgendwo hin.

Das war aber nicht so klar ausgesprochen. Es gab vieles an mir, das nicht so gut war. Die Haare wurden mir abgeschnitten. Ich hatte einen Lockenkopf mit roten Haaren. Das hatte meiner Mutter immer sehr gefallen. Ich erinnere mich vage an ihre Freude darüber. Das war jetzt ganz anders. Ich sah sie vor meinen gesenkten Augen in die Rinne des weit über meine Kopfhöhe gekachelten Pissoirs für die männlichen Kinder des Heims fallen, das eine bequeme Säuberung auch dieses Exkrements erlaubte. Ich könnte nicht sagen, wie viel von mir, von dem was ich war, mit den abgeschnittenen Haaren in diese Rinne fiel um dann achtlos beseitig zu werden, als Abfall. Ich rührte mich nicht. Was dann weiter geschah weiß ich nicht. In einem grellen und ungemein schmerzhaften Blitz war ich verschwunden. Für wie lange? Da war keine Zeit. Da ging keine Uhr. Da war alles für immer und endgültig. Die religiösen Märchen von der Hölle und dem Fegefeuer haben mich nie überzeugt. Die Wahrheit ist anders: Die Erwartung wird enttäuscht. Diesem Zweck dienen diese Erzählungen. Die Ankunft enthüllt dann den wahren Schrecken: Die Hölle ist mäßig temperiert, eher lauwarm, und alle Feuer sind längst erloschen. Der Neuling wandert über längst erkaltete Asche in einem diffusen Nebel, der keine Aussicht zulässt. Die Verwaltung ist von der Gleichgültigkeit von Metzgern gegenüber dem hereingetriebenen Schlachtvieh. Da sind nur Momente eines kurzen Auftauchens, so wie ein von einem Geräusch aufgeweckter Mensch ein Augenlid hebt um dann wieder zurückzusinken in den Schlaf. Ich war in meinem fünften Lebensjahr. Der Krieg war noch nicht zu Ende.

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