Romantische Landschaft mit Menschenopfer

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Weißt Du wieviel Wolken gehen weithin über alle Welt...
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Montag, 18. November 2013

Die Muttermilch vergiften!

Vergiftete Milch

18. November 2013

Sozialisation unter dem Technototalitarismus

Der Kritik der reinen Vernunft ist die Feststellung Immanuel Kants zu entnehmen, dass eine rationale Psychologie unmöglich ist.

Denn das 'Ich' ist leer, und nicht einmal dieses, denn so wäre es als ein Gefäß aufgefasst, in das sich doch etwas einfüllen, oder dem sich doch etwas entnehmen ließe, denn Schlaumeier kämen sicher darauf, dass ihm dann wenigstens der leere Raum zu entnehmen sein müsste, und da sich in diesem inzwischen wenigstens zwei dunkle Gestalten tummeln, deren eine 'die dunkle Energie', und deren andere die 'dunkle Materie' sei, fände sich also aufgrund des Wissenschaftsfortschritts und der Paradigmenwechsel in der Zwischenzeit reichlich 'stuff', der sich zum Gegenstand wenigstens einer Wissenschaft müsste zunächst – zunächst als abgesteckter claim formal aneignen und dann – verarbeiten lassen, die ihre Wissenschaftlergemeinschaft ernähren könnte, wenn es nur gelingt, dem Master aller Finanzen und Institutionalisierungen das Projekt schmackhaft zu machen und die Finanzierung und Implementierung im gesellschaftlichen Leben zu sichern, samt der Sicherung der Folgekosten, zunächst ohne Rücksicht auf die, die sie dann zu tragen haben werden, mit der unendlichen Geduld etwa der Rinder, die die bloße Existenz des Menschen seit nunmehr tausenden von Jahren für ein ungeheures, mörderisches Monster zu tragen haben, das nicht genug hat an ihrem beispiellos heroischen Opfergang in die Verpackungen der Supermärkte, sondern sich dennoch, nicht zu befrieden, in erster Linie damit befasst, gerade Seinesgleichen erbarmungslos, in einer nicht enden wollenden kannibalischen Orgie, das dieses Wesen als 'seine Geschichte', zumal als Hochkultur feiert und feiern lässt von allen seinen Opfertieren damit befasst, sich wechselseitig abzuschlachten, wenn sich die Knechtschaften nicht stabilisieren lassen, die die friedliche Bewirtschaftung der Biomasse des homo sapiens als einer großen Nutztierherde mittels einer dem Zweck der Nutzung dieses profitabelsten aller Nutztiere dienenden Einrichtung garantieren, die dem Laien und dem Wissenschaftler gleichermaßen bekannt gemacht sind als inzwischen globale Ökonomie.

Nur nebenbei kann man sich fragen, warum diese beiden dunklen Typen, die nunmehr das Universum all pervading mit ihrer Allgegenwart bevölkern, nicht genau genommen als derselbe eine sogleich verstanden werden, gilt doch gemäß der bekannten Formel, dass E=mc2 ist, so dass die dunkle Energie ein Aggregatzustand der Materie so gut sein muss wie die dunkle Materie ein Aggregatzustand der Energie, so dass hier nur das Gesicht des alten Gottes Janus erneut erscheint, des Herrn der Zeit, was wiederum eine Auskunft sein mag über die Natur des Wissenschaftsfortschritts, der offensichtlich die ihm zugrunde liegenden Schemata des Verstandes, die ihm eigenen Allegorien viel weniger oft wechselt als die um sich greifenden, zum Bürokratenalltag gewordenen Paradigmenwechsel suggerieren könnten, denn es vergeht ja kein Tag mehr ohne dass irgendwo einer erst mal, noch vor dem Frühstück, ein Paradigma wechselt, öfter als die Hamburger die Socken, wenn man der Umfrage glauben darf.

Um es in Anschluss an den bekannten Satz des einstigen Vorsitzenden des ZK der SED der DDR

(„Niemand hat vor, eine Mauer zu bauen.“)

zu sagen:

'Niemand kann mehr daran gehindert werden, mal ein Paradigma zu wechseln'.

Ein Reifenwechsel, der der Unterwäsche, des Anbieters (was immer das Angebot ist), des Partners, des Geschlechts, ein Umzug, neue Kleidung, neues Auto, neues Handy: Der Paradigmenwechsel, einst Privileg einzigartiger Geister, Führern der Menschheit, ist demokratisiert worden und steht nun Jedermann frei zur Verfügung, auch wenn gesagt werden muss, dass im Allgemeinen Regierungen die wichtigsten und bedeutendsten Paradigmenwechsel 'vornehmen', was man an den Folgen ersehen kann, die das für die davon Betroffenen jeweils hat, und das sind natürlich nur segensreiche und damit die guten, also auch die richtigen. Der Werbeslogan:

Wechsel' mal Dein Paradigma, Alter“,

oder , in style of the Clingons:

Heute ist ein guter Tag, das Paradigma zu wechseln“

('It's a good day for paradigm change)',

sind zwar noch nicht in aller Munde, aber in Allerseelen. Nur am Totensonntag fällt er aus. Immerhin lässt sich ein new age denken, in dem sich alle am Morgen auf folgende Weise begrüßen:

Moin moin. Na, heute schon das Paradigma gewechselt?“

Dann wären die Grundsätze der Postmoderne endlich in der Basis der Wissensgesellschaft angelangt. Das erfolgreiche Paradigma für deren Ver-Wirklichung steht bereit: Es ist alles eine Frage der erfolgreichen, also der flächendeckenden und nachhaltigen Kollektivierung der Kleinkindsozialisation. Allein das Paradigma des permanenten Paradigmenwechsels wird dann nicht mehr ausgewechselt, z. B. gegen das, das die Welt und die Menschen wenigstens im Maß der Dauer eines Menschenlebens in Ruhe ließe, statt sie zu verändern.

Zunächst kann man sehen. Auf den Inhalt kommt es nicht an. Vor allen Dingen ist es wichtig, dass das Paradigma gewechselt wird. Alles Weitere wird sich dann schon finden. Ist das Paradigma erst mal gewechselt, geht es aufwärts, denn es kann immer nur noch aufwärts gehen, oder? Es ist mindestens die Halbe Miete, das Glas ist schon mal halbvoll, auch wenn es halb geleert wurde. So etwa wäre ein Paradigmawechsel, der sagen wir, die Hälfte der Biomasse des homo sapiens von der Erde verschwinden ließe, dem berühmten halbvollen Glas auf den Diskussionsplattformen der politischen talk-shows gleichzusetzen. Das wäre doch schon einmal was, womit sich etwas anfangen ließe.

Gut, warum nicht. Wechseln wir mal ein Paradigma. Etwas, was so ist, wie es einige Büchertitel versprechen, die mit Rat und Tat sich anbieten, um behilflich zu sein bei 'Etwas, das Sie schon immer tun wollten, sich bisher aber nicht getraut haben'.

Ausgangspunkt können ein paar Fragen sein, die ich mir 'irgendwie' schon immer gestellt habe, ohne sie zu formulieren, oder gar zu artikulieren, so als sei das verboten, und wenn ich es mir recht überlege, dann sind sie auch verboten, zwar nicht so, wie man das meint, wenn man in ein Gesetzbuch sieht und findet, dass dies und jenes verboten ist, sondern vielmehr so, dass das Verbotene darin besteht, dass erst gar nicht ausgesprochen wird, was verboten ist, so dass also niemand darauf kommen kann zu fragen: Was, das soll verboten sein, das lasse ich mir nicht gefallen etc.

Die besten Verbote sind die, die nicht einmal gedacht werden können. Ein Verbot, das nicht gedacht werden kann, findet keinen Widerspruch, es bietet keinen Widerstand, es ist selbst gar nicht da. Es ergeht aus dem Jenseits der Sprache, einer Transzendenz. So wird dann auch immer davon geredet, woher Gottes Wort eigentlich kommt, aus einem Unvordenklichen, oder ob das Objekt der Erkenntnis für uns erreichbar sei oder, als Noumenon, nur einem intuitus originarius, den das uns seither geläufige Manko einer Doppelköpfigkeit von der Art von Sinnlichkeit und Verstand nicht behelligt, während 'wir' damit beschäftigt sein mögen, die uns unbekannte Wurzel, in der sie zusammenhängen und aus der sich sich zu 'unserem Erkenntnisvermögen' verzweigen, auf irgend eine Weise doch noch zu ermitteln, indem wir dem Unbewussten lauschen etc.

Niemand beschäftigt sich damit zu ermitteln, was 'uns' alles nicht mitgeteilt oder im gänzlich Unzugänglichen verbleibend hintan gehalten bleibt, so dass wir nicht einmal bemerken könnten, dass uns etwas fehlt, abgeht, und die Umstände, die uns betreffen, nicht nur als con-dicio humana von Bedeutung sein könnten, vom Mit-Gesagten her, das mit repräsentiert ist oder vorschweben muss, oder jedenfalls von Bedeutung ist, wenn wir über das Dasein nachdenken und alles, was damit zu tun hat, sondern auch von dem Nicht-Mit-Gesagten her verstanden können werden müssten, damit sie im Ernst verständlich, intelligibel werden könnten.

Denn was ist, wenn man sich zurückblickend fragt, eigentlich verstehbar geworden mit der Wissenschaft, die die Religionen abgelöst hat, die den Aberglauben abgelöst hat, die den Geisterglauben abgelöst hat, der den Animismus abgelöst hat, während alles dies nach wie vor, das Abgelöste, lustig lebt und de facto mehr vom Leben hat als die Wissenschaftsangestellten im Großen und Ganzen selber glauben, wenn sie nicht dozieren oder Bücher verfassen?

Unser Wissen ist nichts, wir lauschen nur dem Gerüchte.“

Die Formulierung ist etwa zweitausend vierhundert Jahre alt und seither haben die folgenden Generationen sie sei es vergessen, ignoriert oder triumphierend überboten. Gut, von Manchem wissen wir, dass es nicht so ist, wie es zuvor vorgestellt wurde, oder sogar gedacht, wenn man entgegenkommend ist, denn dann lässt man offen inwieweit das 'falsch' vorgestellte richtig gedacht war. Denn man müsste sich dann zunächst fragen, ob es falsche Gedanken geben kann, oder nicht vielmehr Denken das des Richtigen sein müsste. Immerhin hat die vage Ahnung, dass Denken das des Richtigen sein müsste, das Denken des Falschen also als Denken nicht durchgehen sollte, auch eine alltägliche Repräsentation bei den Leuten, die zum Beispiel einen Satz beginnen mit den Worten: 'Ich denke mal....'. Hier ist jene Vorsicht zu bemerken, die das nicht leicht nimmt, indem der Sprecher vorsichtshalber nicht immer denkt, sondern nur mal, und dann auch mal nicht, einerseits um das Denken nicht vorzeitig abzunutzen, sozusagen zu verbrauchen, ohne zu wissen, wo es dann Nachschub gibt, an der Denktankstelle oder im Denksupermarkt, im Elektro- und Computershop, dann aber auch, um sich die Option offen zu halten, einmal oder meistens nicht zu denken, damit nicht etwa das Denken dann in die falsche Richtung laufen könnte, was sich dadurch vermeiden lässt, dass man mal nicht denkt, für gewöhnlich, zumal die Erfahrung lehrt, dass das ganz gut funktioniert. Oft ist das eine Erleichterung für alle, auch das Umfeld, das sonst auch leicht schon mal genervt reagiert, etwa: 'Was hast Du Dir dabei gedacht?' etc. , oder noch nachdrücklicher: 'Was hast Du Dir eigentlich dabei gedacht?', was dann die Frage aufwirft, wie wiederum das Denken das Eigentliche am Gedachten vom Uneigentlichen oder wenigstens weniger Eigentlichen unterschieden sollte, den harten Kern sozusagen von dem Überflüssigen, der weichen und der harten Schale – etwa wie bei Walnüssen, wenn sie im Herbst, noch in der grünen Schale, vom Baum fallen.

Ich habe einen solchen Baum im Garten gepflanzt. Ich fand die bereits ausgekeimte Nuss, die die eines der Eichhörnchen des Paares, das in den Gärten lebte, im Herbst an einer anderen, von Bäumen bestandenen Fläche im weichen, lockeren Boden vergraben hatte, und die nun gekeimt und einen schon etwa fünfzehn Zentimeter hohen Spross nach Oben und einiges Wurzelwerk in den Boden versenkt hatte, während die Nussschale noch ganz frisch wirkend die beiden Triebe an der Stelle, aus der sie ausgekeimt waren, ein wenig umschloss. Die Eichhörnchen sind dabei weniger dumm als man meinen könnte.

Der Nussbaum in einem anderen Garten etwa fünfzig Meter entfernt war riesig und schon alt. Sie unternahmen etwas, damit mit seinem Verschwinden nicht etwa auch diese Nahrungsquelle verschwinden würde, betreiben also kluge Vorsorge für die nächsten Generationen, und alles vollkommen ohne Wissenschaft und Technik oder Denken. Sie versteckten einfach ein paar der Nüsse im weichen Boden an günstigen Stellen und 'vergaßen' dann sie abzuholen. Tatsächlich verschwand etwas zwei Jahre später der alte Baum aus dem Nachbargarten, wo er auf einem großen Wiesengrund gestanden hatte vor einem Haus neben der Kirche des Ortes, in dem ich damals wohnte, wo auch das Haus stand, in dessen Garten ich die gekeimte Nuss fand.

Ich hob den Spross mit etwas Erde aus und versetzte ihn an eine andere, besser passende, mit viel Licht versorgte Stelle, und wiederholte das mit weiteren drei Keimlingen dieser Art, die ich nun, einmal aufmerksam geworden, leicht fand. Sie stehen nun an verschiedenen Stellen des alten Gartens und haben erstaunlich unterschiedliche Entwicklungen gemacht, die ich nicht vollständig mit dem Standort erklären kann, an dem sie stehen. Denn zwei davon stehen nur wenig voneinander entfernt und sind ganz unterschiedlich geworden.

Der Nussbaum, der mir gerade durch den Sinn geht, machte eine erstaunliche Entwicklung durch. Er wuchs am schnellsten zu einem enorm starken Baum heran und hat weit überdurchschnittlich große Früchte, die besonders in der grünen Schale geradezu riesig aussehen, denn auch diese Schale ist ausgesprochen dick. Die Flut von Früchten, mit denen er seither jeden Herbst segnet, ist etwas Wunderbares, und immer ist das Eichhörnchenpaar da, das ihn besucht und sich nimmt, was sein Herz begehrt.

Dieser Baum ist auch deshalb in meiner Erinnerung so tief verwurzelt weil er Gegenstand einer Mitteilung aus einem Brief ist, den mir Leah mit dem Datum vom 7. Oktober 2005 zusandte. Es war eines der Jahre, in denen der Frühling zur Zeit der Blüte des Baumes ungünstige Witterung gehabt haben musste. Denn das hatte ich herausgefunden aus der Beobachtung, dass etwa kaltes und nasses Wetter die Blüte ungünstig beeinflusste. Sie schrieb:

Die Eichhörnchen haben uns dieses Jahr fast alle Nüsse weggeholt. Jedenfalls die, die gut waren. Bis jetzt hatten wir nur sechs Stück und zwei davon waren taub. Das waren die beiden kleinsten. Ich habe Anfang der Ferien wieder mit dem Zeichnen begonnen...“

Leah verstand wohl, dass die Eichhörnchen das Recht der ersten Versorgung aus der Ernte hatten, denn sie waren es gewesen, die uns den Keimling gebracht hatten.

Das geht auch daraus hervor, dass sie damit fortfährt, dass es sehr große Kürbisse gegeben hat zu demselben Zeitpunkt und dass ihre Schwester Rebecca damit beschäftigt war, alles Mögliche mit ihnen zu machen um sie zu verarbeiten. Sie schreibt:

Rebecca hat übrigens schon den zweiten Kürbis eingemacht. Den kleinsten möchte Sarah ja gerne als Kopf mit Teelicht. An Birnen hat Rebecca sich auch schon versucht. Das steht jetzt alles im Keller. Die Gewichte von den Kürbissen weiß ich auswendig: 8 Kg, 25 Kg und 28 Kg. Das waren aber echt auch riesige Dinger, die beiden schweren. Zusammen haben sie 64 Kg gewogen.“

Ich wollte, sie hätte mehr geschrieben. Sie hatte einen Stil Briefe zu schreiben, der sie unmittelbar gegenwärtig sein ließ, ohne jede Anstrengung.

Ich bewahre den Brief noch immer auf. Es ist der einzige Brief, den ich von ihr habe. Sonst habe ich auch wenig von ihr zurückbehalten. Sie ist verschwunden für immer und es bricht mir das Herz. Ich habe ihr Verschwinden nie akzeptieren können. Ich habe es niemandem erzählt. Ich kann nicht darüber sprechen. Aber ich bin unendlich traurig darüber, dass sie nicht mehr da ist. Und ich fürchte mich vor den nahenden Tagen intensiver Erinnerung.

Seither bin ich wie tot, mit dem Unterschied, dass ich lebe, und das macht alles zu einem einzigen ausgebreiteten Grauen, einer Wüste aus der mir eine undurchschaubare Drohung entgegen dämmert an jedem neuen Morgen, den ich erleben muss. Oft bin ich voller Angst, so als stünde die Trennung erst noch bevor.

Besonders an trüben Tagen, wenn der Himmel über mir wie die niedrig hängende graue Betondecke eines Bunkers ist oder die eines Luftschutzkellers, scheinen die Wolken eine Drohung zu verdecken, die jederzeit aus ihnen hervortreten und auf mich herabregnen könnte.

Auch die an das diffuse Grau der Wolkendecke montierte Licht der erblassten Sonne des Novembers erscheint dann wie eine dieser von einem Drahtgitter geschützten gelblichen schwachen Lampen an den Decken von unterirdischen Zufluchtsstätten vor dem heran nahenden Grauen, dessen langsam anschwellendes niederfrequentes, wabernden Dröhnen aus einem zunächst kaum hörbaren Ton aus dem Boden zu kommen scheint, um sich aus diesem in den Himmel zu erheben zu einer diesen wie eine riesige tönende Glocke vollkommen auszufüllen, bis sich dieses uniforme Drohen aufzulösen beginnt in die unregelmäßig nach einem aleatorischen Muster sich zu den Sukzessionen einer infernalischen Symphonie eines irren Kapellmeisters und Opernmaestros entfaltet, die über einem derartigen Generalbass das Klirren von Glas, das Kreischen knirschenden Stahls und das dunkle Rumpeln einbrechender Mauern zu einem aberwitzigen Fortissimo aufgipfelt, dem sich, indem der Bass abklingt so wie das Ausschwingen eines riesigen Geläuts, ein unerhörtes Pianissimo anschließt, aus dem sich leise, zögernd und auf Knien um Schonung bittend, das flüsternde Knistern der auf den Schuttbergen liegenden oder aus halber Höhe herabhängenden brennenden Balken der eingestürzten Decken der Bürgerhäuser dem Gehör des immer noch erstarrt lauschenden Ohres darbietet, in das sich das Wimmern eines Säuglings oder der erstickte Schreckensruf einer Frau und Mutter einmischt, die, in den Trümmern umherirrend, die zu schwarzen, zerbrochenen Schneiderpuppen verbrannten Leichen ihrer verbrannten Lieben erblickt hat, die, wie in einem Ofen vergessene Braten, nicht einmal mehr essbar wären, so dass sie, als gute Hausfrau, auch über diesen Aspekt der Verschwendung von Lebensmitteln weint.

An Tagen wie diesen meine ich dann ein unentrinnbares Unheil zu bemerken, das aus allem, das mich umgibt, der Starrheit der Objektwelt, ausdünstet wie eine dünne, unsichtbar bleibende Wolke aus einem alles erstickenden Gas, und etwas in mir kauert sich ängstlich nieder um Schutz zu finden vor dieser Welt und ihrer unerträglichen Gleichgültigkeit gegenüber dem Leben, das ich als eines unter unzähligen, vollkommen bedeutungslosen Individuen einer der auf dem Planeten lebenden Arten dennoch repräsentiere, pars pro toto, vor einem Hinter- und Untergrund, der ein entsetzlicher Friedhof, ein Schlachtfeld, ein sich ständig höher auftürmender Berg, ja ein den Planeten überall sichtbar umspannendes Gebirge, sogar Generationen dieser Gebirge gebildet hat aus den Überresten einst lebender Artgenossen des Lebens, das ich, meiner selbst bewusst auch bin, auf deren Schalen und Skeletten, deren zu Humus vergorenen Leibern ich wandele, ohne den geringsten Anlass zu finden dafür, dies als Triumph des Lebens oder als zumal persönlichen Erfolg betrachten zu können.

Im Gegenteil, es hat etwas derart Unerträgliches, es verursachte einen solchen ungreifbaren und grausamen, zugleich nicht zu ortenden Schmerz, der jeder medizinischen Beschreibung oder Unterscheidung von 'Seele' und 'Körper' spottet, und den Dualismus dieser cartesischen Unterscheidung ad absurdum führt, dass ich mich weg wünsche aus dem Bewusstsein davon, aus mir selbst, meinem bloßen Dasein, angesichts des Zwangs, meine darin sich abzeichnende absolute Nichtigkeit erkennen zu müssen, während mir die Wahl des Wortes dafür sofort klar macht, dass dies alles keine Erkenntnis meint, sondern ein alles Durchdringendes ist, das die Welt um mich herum, den inneren Geist, die Seele der Dinge, die Mauern in ihrer buchstäblichen Materialität mit ausmacht, so dass es nichts gibt, das nicht davon getränkt ist, weder in sachlicher noch in zeitlicher Hinsicht. Es ist eine Art des Seins selbst, absolut und starr wie der inzwischen aus der Physik verflüchtigte Äther.

Es ist wie ein absoluter Raum, isotrop und ewig, das Gefäß und Plasma des allgegenwärtigen Seins selbst. Ich weiß nicht, wie ich damit zu leben vermochte, überhaupt zu sein vermochte im Maß der Ewigkeit ohne zu vergehen in Nichts. Denn ich habe dabei alle Zeit der Welt in diese Ewigkeit absorbiert, die Ewigkeit eines alles erfüllenden Schmerzes, den zu ertragen ich mir endlich angewöhnte ohne eine Miene zu verziehen, indem ich mich einfach so verhielt als gäbe es ihn nicht, während ich meinen Beschäftigungen nachging. Ich lernte meinen Körper locker zu halten, jede motorische Reaktion, die auf ihn überzugreifen versuchen mochte, auszumanövrieren und das zu einem Habit zu machen. So lebe ich hin. Nicht, dass es mich interessiert.

Dabei sehe ich ganz davon ab, was die Befunde über die sonstige weitere Umgebung betrifft, in der ich mich derart vorfinde, und ich meine dabei nicht die mich unmittelbar umgebende Alltagswelt. Dass wir in den Überresten einer ungeheuren nuklearen Katastrophe, der Detonationswolke eines nuklearen Desasters existieren und dieser unser Dasein verdanken, hat die Qualität eines sublimen Grauens, von dem sich die Betrachtungen Edmund Burkes über die Herkunft des Sublimen und des Schönen keine Vorstellung hat machen können.

Er spielt vergleichsweise noch mit Kinderspielzeugen. Was man seinen Ausführungen hinzufügen könnte ist die Einsicht der lange vor ihm über ästhetische Fragen nachdenkenden Griechen, die im Kontext der von Weber ganz richtig als überlegene Realitätsgrundeinstellung gegenüber dem, was wir in Wahrheit sind, als Tragische Weltanschauung früh nicht nur im Bewusstsein der Griechen, sondern, vor den Sozialtechnologien der Hochreligionen, die dem gegenüber eine Regression angesichts des Unaushaltbaren darstellen, indem sie den Stall neu anstreichen, und mit niedlichen Bildchen bemalen, damit die Tiere nicht so traurig sind (und weniger Milch und Fleisch hergeben) im Bewusstsein aller entwickelteren Kulturen vorhanden und in verschiedenen Varianten Allgemeingut war, wonach auch das Schöne nur ein Deckbild des absoluten Schreckens ist, so wie Rilke das ausdrückt, indem er auf die Rhythmen des tragischen Versmaßes zurückgreift, wenn er sagt:

„Aber das Schöne ist nur des Schrecklichen Anfang.“

Dem Bewusstsein der Griechen trat das als das Antlitz der Gorgo, der Medusa entgegen, deren faszinierender, versteinernder Schrecken davon ausging, dass sie schön ist. Zu entgehen ist dem Schrecken, der von ihr ausgeht nur um Spiegel des Schildes, der Reflexion.

Dann bleibt aber nur noch die Auflösung des Scheins, mit dem sich zugleich das Subjekt konstituiert, und die funktionale Nutzung des Scheins für die Kontrolle der Anderen aus der Funktion des Herrschers. Damit wäre der Sinn der Postmoderne auch schon hinreichend bestimmt. Es ist der vom allem dergleichen, vor denen die Priesterschaften der Archäologie anbetend knien um ihre endlosen Anrufungen der Herrlichkeit der Pharaonen und der Erbauer aller ihrer Hochhäuser in nicht enden wollenden Lobgesängen zu preisen. Derart sind das Sublime und das Schöne genau genommen nur zwei Oberflächenerscheinungen desselben.

Die Verbesserung der Welt ist mir gleichgültig geworden. Das war einmal anders. Da hatte ich noch nicht erkannt, dass es dabei darum geht, Proselyten zu machen, Gefolgschaften zu sammeln, die benutzbar gemacht werden für die von ihren Vorbetern und Meisterdenkern für die eigenen unerklärten Zwecke, Selbsterhaltungszwecke, angestrebten Zwecke. Ich hatte noch nicht verstanden, dass der vornehmlichste Rohstoff all dieser Verbesserungsunternehmen und Fortschritte die Befindlichkeiten der Großen Zahl sind, die vor allem der Gegenstand, als Biomasse das Objekt ausmachen, dessen Gewicht je nach Bedarf in dieser oder jener Teilmenge aus dem 'Kuchen', den sie auch in den Diagrammen ihrer Herren und Meister bilden, heraus geschnitten und auf die eine oder andere Weise verwandt werden können. Es ist ihre Lebensenergie, die auf diese oder jene Unterfunktion der riesigen Wärmekraftmaschine gelenkt wird, nach Art der Mühlen, deren Zulauf gesplittet und umgeleitet werden kann auf dieses oder jenes Rad, oder nach Art der Bewässerungssysteme, die mittels eines Handgriffs rationierte Wassermengen nach einem festgesetzten Schlüssel auf dieses oder jenes Feld leiten.

Die in den gerade kurrenten Kinofilmen, in denen mit Schwert und Pfeil und Bogen oder, was auch gern wieder mehr angenommen wird, mit Zauberstäben ausgestattete Squads oder auch Heere abgerissener Desperados gegeneinander antreten im Namen der Gerechten Sache, die dann auch immer vorschriftsmäßig siegt – denn, wie Kierkegaard meinte, Literatur muss erbaulich sein – wieder zu Protagonisten gemachten Helden, denen sich aus zeitgenössischen Gründen der political correctness nicht nur historisch nicht einzuordnende ethnische Typen ebenso einreihen wie weibliche Protagonistinnen, die entsetzlich frieren müssen in den dünnen Fetzen und der halbnackten Verfassung, die belegt, dass es z. B. im Mittelalter vor allem für gut aussehende Frauen keine angemessene Kleidung gab, so dass ihnen, damit sie sich warm halten können, nichts bleibt als der dauernde Schwertkampf, mit dünnen Ärmchen, die dafür garantieren, dass ihnen nach einer Minute das Arbeitsgerät entgleitet, und gegen muskelbepackte Hünen, denen genau genommen ein einziger nicht einmal gut gezielter Hieb genügen müsste, selbst die geschickteste Deckung ihrer Gegnerin einfach zu zertrümmern, treten dem Betrachter, aus der Untersicht des zum Untergang Verurteilten niederen Tieres, eines kleinen Nagers, mit der gezückten Waffe und dem eisigen Blick des narzisstischen Monstrums des durchschnittlichen Erfolgsmenschen auf ihn weisend an der Spitze der hinter ihnen wimmelnden Masse der bunt zusammen gewürfelten kampfbereiten Befreiungstruppen hinter dem alle an Herrlichkeit, Schönheit, Kühnheit und Reinheit des Geistes zur Verbesserung der Welt an der Spitze der Enterbten und Entrechteten an wie Jürgen Habermas und Professor Sauerbruch, Albert Einstein und Edward Teller, Sean Connery und der nichts als die Selbstsicherheit selbst verkörpernde Hauptdarsteller der Scientologen, wie Gunslinger und Body-builder, die zum Supreme Commander oder wenigstens zum Gouverneur aufsteigen (oder war es der zum Terminator, wer weiß das schon noch oder wusste es je?), und ebenso wie diese Hartgummihelden, denen angesichts des Mangels an jedem möglichen Risiko jede Tapferkeit etwa von der Art fehlt, die allen denen als blanker Lebensalltag zugemutet wird (etwa einem der Arbeiter der städtischen Müllabfuhr und der Straßenreinigung, oder einem Angestellten des Wasserwirtschaftsamts, einem Angestellten eines Supermarktes oder einer Telefonfirma, die ihre Produktwerbung auf die Beleidigung der Intelligenz ihrer Kunden gründet) auf die ihre aus dem Bilde heraustretenden Waffen und deren schwarze Mündungen im Vordergrund vor ihren Körperpanzerungen zeigen, mit dem Anspruch auf Führung, und der Generalstab der Wissenschaften und ihre öffentlich sich feiernden Heerführer, die angeblich vom Menschen handeln und seinem Dasein, fügt sich diesem Bild der vorherrschenden Bedeutung von 'Erfolg' problemlos ein, das die derart die Menschheit in die von ihnen und Ihresgleichen p(ea)iecemeal verbesserte Zukunft führenden Heroen des Geistes dieser versprechen, vorausgesetzt sie gehorchen wortlos, oder so, dass ihr Wort nichts gilt, indem sie es äußern dürfen, vorausgesetzt dann ist Schluss und es wird entschieden, unter den zugelassenen und lizensierten Teilnehmern des Diskurses der um den Rang des Höherrangigen miteinander kämpfenden competentes, die sich den oben erwähnten Kuchen hinter verschlossenen Türen teilen, der weniger aus dem Fell des Bären als aus seinem Fleisch besteht, von dem die Bestien leben, die die Jagdbeute und die Herden als Gute Hirten begleiten auf ihrer Wanderung durch die ihr gegebene Zeit, indem sie genauestens ermitteln, was sich im jeweils gegebenen Augenblick aus der Biomasse herauswirtschaften lässt, entsprechend ihrem an der Börse im freien Spiel der Kräfte des Marktes ermittelten Tageskurs.

Die narzisstische Gefühllosigkeit, der eiskalte böse, starre Blick auf den Betrachter, die hartgummiartige Konsistenz der seelischen und körperlichen Verfassung der Avatare des öffentlichen Lebens, denen sich kaum ein Kratzer beibringen lässt, indem sie, selbst wenn sie vom Dache eines Wolkenkratzers fallen, nur ein paarmal 'aufdozzen' um dann gänzlich unbeschädigt sich ein paar Staubkörnchen vom Dinnerjackett zu schnippen, sind nur verständlich als Konsolidierungen der Geländegewinne der organisierten Gewalt nach den totalitären Experimenten, von deren tatsächlichen Erfolgen sich alle die angestellten Reflektoren des Geschehens nicht die geringsten Vorstellungen zu machen imstande scheinen. Der allenthalben unverkennbaren Tatsache, dass die Resultate der kollektiven Lernprozesse unter dem Eindruck des anhaltenden Drucks einer sich eher besser panzernden Gewalttätigkeit gegenüber dem Leben nicht nur in einer Richtung verlaufen, so wie die Konversion des Saulus zum Paulus, die auch keineswegs unproblematisch ist in Bezug auf die ihnen zugrunde liegenden Einsichten oder Intuitionen, nämlich, dass sich auf der anderen Seite das bessere Geschäft machen lässt, sondern dass auch das reinste Motiv, indem es sich dazu gezwungen sieht, der andringenden Gewalt mindestens so weit zu widerstehen, dass Überleben nicht vereitelt wird, bereits in dem Augenblick unabwendbar in die Gewalt verwickelt ist, deren Agieren es zu widerstehen versuchen muss um den schieren Überlebens willen. Selbst wenn die Gefahr glücklich abgewendet ist, ist das Leben, das sich so unter dem Eindruck der Allgegenwart der organisierten Gewalt mindestens zu behaupten lernen musste um zu überleben, nicht mehr dasselbe. Seine irreversible Transmutation durch die Kontamination mit der Gewalt gerät zur Verstrickung mit der Bestialität, der man sich entgegenwarf um sie aufzuhalten, und indem man sie gar erfolgreich besiegt zu haben meinen möchte, ist man angesichts des bloßen Erfolgs der eigenen Selbstbehauptung schon ihr wahrer Erbe, die bessere, die erfolgreichere Gewalt nämlich. Das ist allenthalben offenbar. Es bedarf dazu keines Beweises. Wer den verlangt, sagt nur, wer er/sie selbst ist: Teil dessen, was bewusst werden müsste.

 

Abendlied

Matthias Claudius

*

Der Mond ist aufgegangen,

Die goldnen Sternlein prangen

Am Himmel hell und klar;

Der Wald steht schwarz und schweiget,

Und aus den Wiesen steiget

Der weiße Nebel wunderbar.

*

Wie ist die Welt so stille,

Und in der Dämmrung Hülle

So traulich und so hold!

Als eine stille Kammer,

Wo ihr des Tages Jammer

Verschlafen und vergessen sollt.

*

Seht ihr den Mond dort stehen?

Er ist nur halb zu sehen,

Und ist doch rund und schön!

So sind wohl manche Sachen,

Die wir getrost belachen,

Weil unsre Augen sie nicht sehn.

*

Wir stolze Menschenkinder

Sind eitel arme Sünder

Und wissen gar nicht viel;

Wir spinnen Luftgespinste

Und suchen viele Künste

Und kommen weiter von dem Ziel.

*

Gott, laß uns dein Heil schauen,

Auf nichts Vergänglich's trauen,

Nicht Eitelkeit uns freun!

Laß uns einfältig werden

Und vor dir hier auf Erden

Wie Kinder fromm und fröhlich sein!

*

Woll'st endlich sonder Grämen

Aus dieser Welt uns nehmen

Durch einen sanften Tod!

Und, wenn du uns genommen,

Laß uns in Himmel kommen,

Du unser Herr und unser Gott!

*

So legt euch denn, ihr Brüder,

In Gottes Namen nieder;

Kalt ist der Abendhauch.

Verschon' uns, Gott! mit Strafen,

Und laß uns ruhig schlafen!

Und unsern kranken Nachbar auch!

*

Man kann angesichts dessen die sogleich einsetzenden Dissimulationen, die pseudorationalistischen Plappereien, den Zwang, sich lustig zu machen, die Platzanweiser der schönen Seele angesichts der nun einmal anzuerkennenden Härte des nun einmal ungerechten Lebens, die Systemtheoretiker hören, die das dem soziale Nahbereich zurechnen, und damit, obwohl sie es nicht gelten lassen, immerhin nicht sogleich, oder auf eine andere Art erschlagen, all das zynische Drauflosschlagen schon als Echo in der eigenen Erinnerung auftauchen hören, die sich einen Schatz aus diesem in die Sprache Erbrochenen Brei von Bosheiten in einer eigenen Büchse aufbewahrt hat, gegen die die der notorischen Pandora, der Allbeschenkten ein Schmuckkästchen war.

Als ginge es da um 'Gott und die Welt', einen ‘Glauben’, Wissen, Qualifikation etc., und nicht um uns.

So redeten wir einmal unter einander und, wo wir mit uns allein waren, mit UNS selbst.

Dabei sind gerade die am meisten von der Gewalt gezeichneten, die sich in die projektive Identifikation mit dem retten, was als Inbegriff von Erfolg und Männlichkeit oder moderner Weiblichkeit mit der entsicherten mindestens halbautomatischen Waffe auf sie und ihre Nichtigkeit zielt mit der Mordbereitschaft, und dem vollendeten Mord, die diesem Erfolg unvermeidlich zugrunde liegt gerade auch bei dem, die die Avatare der black-box auf Kosten ihrer 'Fans' feiern, am lärmendsten und unter dem automatisch aus ihren 'Seelen' herausbrechenden Johlen dazu bereit, sogleich, angesichts der bloßen Möglichkeit sich als Weicheier beschimpfen zu lassen, den Totschläger zu zücken, indem eine innere Stimme aufs Stichwort oder den bloßen Anblick ihnen befiehlt in Raserei zu verfallen, die, deren einzige Heldentat darin bestehen könnte, sich zu sich selbst und der Wahrheit und Wirklichkeit ihres faktischen jämmerlichen Zustands rückhaltlos zu bekennen und darauf zu bestehen, dass das nicht ein Resultat ihrer persönlichen Vorlieben ist, sondern das, was aus ihnen systematisch gemacht wurde, in jedem Fall wo nicht gegen ihren, dann ohne ihren Willen zu konsultieren für den dazu nicht weiter notwendigen Konsensus einer nach Belieben der organisierten Gewalt kompetent herbei geschwafelten diskursiven Wahrheit.

Der Theoretiker, der Meisterdenker, der diesem allem die Theorie liefert, hat in den von Zuhörern mitgeschriebenen und als Raubdruck verbreiteten 'Thesen zur Sozialisation' deutlich gemacht, dass er weder ein 'Vertreter der Frankfurter Schule' ist, was ja noch gleichgültig sein könnte, indessen angesichts der Verbreitung dieser Lügengeschichte unerträglich ist am Maßstab von Wissen, noch ein Soziologe oder Psychologe, und er beweist mit seinem schon damals gut erkennbaren Gerede, dass er das auch niemals zu sein beabsichtigt haben kann. Die Absicht all dieser Meisterdenkereien ist eine andere, und sie ist keineswegs vorzeigbar, in einigen ihrer unsäglichen Aspekte sogar nicht diskutierbar, kaum thematisierbar.

(Jürgen Habermas, Thesen zur Sozialisation, Stichworte und Literatur zur Vorlesung im Sommer-Semester 1968, ohne O. u. J., Ffm)

Die Grundgedanken des Vorlesungsmanuskripts sind natürlich auch in anderen, besser verfügbaren Schriftlichkeiten des Autors zu erkennen, aber sie haben hier eine Unbefangenheit, die noch nicht gehetzt ist mit den Hunden gerissener Selbstimmunisierung, deren ein Mittel die eigenartige Rezeptionstechnik von Habermas ist, die stets in einer Einheit mit einer auf dem Wege der Rekonstruktion untergeschobenen, verdeckten Interpretation des Rezipierten derart einhergeht, dass sie aus der Art der referierenden Darstellung jedenfalls so wenig zu ersehen wie zu korrigieren wäre.

Man benötigt stets ein von diesen Darstellungen unabhängiges Wissen über das aus dem eigenen Studium zu entnehmende Gesamtbild dessen, was in der darstellenden, referierenden Rekonstruktion zu einer Konstruktion gerät, die zu der nicht direkt mitgeteilten Absicht des Referenten oder Rekonstruierers zu rechnen ist und nicht zu dem derart Dargestellten. Man muss den Junge und Mädels, die das mitgeschrieben und gedruckt haben, wirklich dankbar sein. Es macht vielleicht auch verständlich, warum sich der Autor etwas eingehandelt hat in diesem Semester, das ihn dazu bewegt hat, denen, die sich das nicht bieten lassen wollten, Linksfaschismus' vorzuwerfen, also das, was er selbst auf diese unfassbar perfekte Weise selbst ist, und schon projiziert bevor es Dokument wird. Es ist klar, dass Habermas die Psychoanalyse nicht wirklich zu verstehen vermag, und ihre Zwangseinweisung durch den wissenschaftlichen Platzanweiser und Meisterdenker in die Klinik ist eine besonders leckere Ironie dieser Geschichte.

Die Nichtthematisierbarkeit entspricht der Nichtvorzeigbarkeit der 'Motive'. Das ist indessen in diesem Fall angesichts des Gegenstandsbereichs unerträglicher als anderswo, wo man Ähnliches gut bemerken kann. So nehme ich Edward Teller, dem Bauer der Wasserstoffbombe, angesichts von dessen Plänen der Entwickler der Atombombe, Robert Oppenheimer vor Entsetzen erbleichte, in keiner Weise übel, dass er über das, was ihn vom Bürgersteig gestoßen hatte, ein Damoklesschwert verhängte, das alle Waffenarsenale und Rittersäle der Geschichte in Expeditionsorte für Kinder verwandelt, die in einem alten Schloss auf Schatzsuche gehen.

Aber das ist nach dem Vorgang der Denker der Schule, Max Horkheimer und dem einzigartigen Geist von Th. W. Adorno nicht nur deshalb gänzlich unerträglich, weil es deren Geist nicht angemessen wäre, sondern weil sich ein Fortschritt darüber hinaus unter keinen Umständen als ein solcher überhaupt vorstellen lässt, der sich in die Form der Theorie der Kommunikativen Kompetenz bringen lassen könnte, einmal abgesehen dass das auch dann vom Gegenstand her nicht denkbar ist, weder als Fortschritt noch als Wissenschaft, was sich da Form und Ausdruck verschafft hat auf Kosten alles dessen, was damit vom oben herab im Namen von Wissenschaft, Fortschritt und Zukunft, vom Menschen zu schweigen, systematisch geschändet und vergewaltigt worden ist um eines darauf ausgesetzten erlogenen, ungemein schändlichen persönlichen Erfolgs einer beschädigten Daseins eines Individuums willen, dessen kontingente Verfassung sich inflationär aufbläst zu einem Allgemeinen, das endlich den gesamten Raum und das Bewusstsein einer ganzen Zeitgenossenschaft auf eine ebenso tückische wie unverschämte Art und Weise sich zu unterwerfen versucht hat, darin allerdings nicht weniger dreist und gewaltsam wie andere Erscheinungen dieser Art, die als Kulturindustrie hinreichend auch anhand ihrer verheerenden Folgen für die von ihren Viren und Gehirnwäschen befallenen, aus ihrer Verzweiflung heraus davon faszinierten Biomasse beschrieben wurden bevor Jürgen Habermas sich ihren Praktiken mit den Mitteln der Sprache anschloss.

Denn nicht nur seine Ausführungen sind ein Teil dessen, was als Kulturindustrie bereits beschreiben worden war noch bevor es sich u. a. auch derart manifestiert hat, im Herzen derjenigen Wissensform, die diese Kritik formuliert hat. Es müsste dringend sein einmal ins Auge zu fassen, wie das eigentlich möglich war, zumal wenn man an Adornos Wendung im Vorspann seiner Kritik an Emíle Durkheim denkt, die Habermas gewidmet ist.

Erst langsam, und nicht im deutschen Sprachraum dämmert es einigen, die sich damit befassen, was die Theorie der Kommunikativen Kompetenz und alles was ihr in ihrem Geiste nachfolgt eigentlich bedeutet, nämlich alles Andere als eine Menschenfreundlichkeit, sondern vielmehr eine Reformulierung und Ermächtigung eines postkommunistischen und ebenso postfaschistischen technologisch gestützten Neototalitarismus von unsäglicher Hinterhältigkeit. Was da spricht ist ein von Anfang an (Student und Politik) bedenkenloser Karrierist, den buchstäblich nicht einfach mit den Wölfen heult, sondern ihnen die Musik schreibt.

(Andrew Fraser, A Marx for the Managerial Revolution: Habermas on Law and Democracy, Journal Of Law And Society, Volume 28, Number 3, September 2001, ISSN: 0263-323X, pp. 361-83, Blackwell Publishers Ltd.)

Man kann das so formulieren. Noch nie oder jedenfalls kaum jemals hat sich ein in der Tat 'revolutionärer', gegen seine Objekte in deren Namen gefühlloserer und gleichgültigerer, sozusagen zu allem entschlossener totalitärer Impuls in einer derartigen Weise eine symbolische Form verschafft, mit diesem Appeal.

Das macht das Desiderat eines dem von Popper am Vorabend der Katastrophe und in ihren Verlauf hinein geschriebenen zweibändigen Buches 'Die offene Gesellschaft und ihre Feinde' ersichtlich, die sich diese neuesten Machwerke der in die Schafspelze des paradigmatischen Gutmenschen und Führers der Menschheit eingekleideten Bestien wissenschaftlicher Predatoren vornimmt, die in dieser doch ganz unerklärlichen Zuwendung und ihrer Form die Krallen und Reißzähne des Totalitarismus verbergen, indem sie ihnen den Anschein eines Maximums an unüberbietbarer Rationalität geben, und eine intellektuell für das Vermögen der unmittelbaren Zeitgenossen undurchdringlich gemachte Form, was ja auch eine funktional höchst nützliche Art ist, die zweit- und drittrangigen Lizenznehmer des Geistes, den die organisierte Gewalt rekrutiert, at bay zu halten, bei Fuß, als Form eines unbemerkten und tunlichst nicht thematisierten Leinenzwangs, der dem Schein nach ohne jede Verordnung auskommt und zugleich einen passablen Maulkorb abgibt, hinter dem die Hunde murmeln, dass es weder einen Leinenzwang noch einen Maulkorb gibt.

Braver Hund! Hier, ein Leckerlie. Nur für Dich.

Ich war immer gut zu meinem Hund, soweit ich das durfte. Ich habe dem, den ich liebte, immer mehr zugetraut als die elenden Dompteure, die die Anhänglichkeit und Dankbarkeit dieser Lebewesen ausnutzen um sie lächerlich zu machen, indem sie zwischen einen Happen und seine Erreichbarkeit ein Hindernis einbauen, das das Tier zu überwinden versuchen muss, indem es ein Kunststückchen lernt. Ich habe sie einfach Sein lassen. Das dachte ich auch intellektuell zu realisieren, aber der Lehrer, dem ich mich zuwandte, weil er den Satz verfasst hatte:

Die Philosophen haben die Welt nur verschieden verändert, es kommt darauf an sie in Ruhe zu lassen“,

kam alsbald von einer Weiterbildung aus den Semesterferien zurück und verkündete die Lehren von Lübbe und Kosellek, redete von der Achsenzeit und dem Lissaboner Erdbeben, sowie von der Beschleunigung der Veränderungsgeschwindigkeiten der modernen Welt und war damit auf die andere Seite gewechselt. Ich zögerte mit zu wechseln zumal er sich zugleich von der Geschichtsphilosophie zu verabschieden begann, die er bisher immerhin, wenn auch unter den Auspizien der philosophischen Anthropologie mit betrachtet hatte als geistesgeschichtliche Formation in der Nachfolge des Deutschen Idealismus, während aus seinen Vorlesungstexten die Hinweise auf die Organminderwertigkeitslehren von Alfred Adler verschwanden. Ich hatte sie ohnehin gar nicht verstanden und mich darüber gewundert, was das sollte. Viel später kam mir eine Ahnung darüber, warum das einmal ein Thema gewesen war.

Wohl gab es hier und da einen Hinweis, dass der herbeidiskusivierte Konsensus vielleicht eher auf die Erschöpfung der Beteiligten (oder die begrenzte Information?) zurück zu führen sein könnte als auf alles Andere, am wenigsten die Vernunft, die dem Diskurs innewohnen sollte, und auch vergleichbares, das sich auf den hypertrophen Ehrgeiz von Denkern beziehen ließ, die immer alle jeweils vorhandenen Bestände, soweit sie dafür in Frage kommen derart beerben zu müssen scheinen, dass sie als die jeweils ultimative Inkarnation des Weltgeistes auch dann erscheinen müssen, wenn sie sich just von dieser Idee ausdrücklich verabschiedet zu haben behaupten, nicht ohne Hinterlassung unmissverständlicher Hinweise darauf, wie dieses Erbe nunmehr unter dem Blickwinkel ihrer Einstellungen dazu bestenfalls noch zu verstehen sei, als unerreichbar, aber imponierend, in dieser oder jener Hinsicht zu überspitzt bzw. transzendental usw., zu hoch angesetzter Letztbegründungsanspruch etc. alles Ballast, den man nun besser ablegt zumal es auch niemanden mehr gibt, dem gegenüber man sich unter Zuhilfenahme so hoch gehängter Bezugsgrößen absichern müsse, indem man ihm die Imagination eines auf jeden Fall noch Höheren, das über ihm thront vorgaukelt, eine Mühe, die man sich angesichts der grundsätzlichen Verfassungsänderung des nunmehr zum Souverän erhobenen ewigen Unmündigen derartige Anstrengungen sparen kann, weil die ohnehin immer schon viel früher 'aussteigen', eine nicht zuletzt im Blick auf die Studienabbrecherzahlen empirisch bedeutsamer Hinweis.

Dass man das Erdbeben von Lissabon auch als Fingerzeig (Erdbeben mit anschließenden Tsunami) des angeblich verehrten Ewigen hätte verstehen dürfen, vor allem als Quittung für die Eroberung Amerikas und die Vernichtung ihrer Hochkulturen, also gerade als Bestätigung der Existenz des zornigen Gottes, und nicht, wie berichtet wird, als Enttäuschung an seiner Nichtexistenz mit dem anschließenden glatten Freispruch wegen just dieser durch die Theodizee des Wilhelm Leibniz, der heute nur noch als 'der Keks' überlebt, in der besten aller Welten, die er dem Schöpfer gleichwohl als dessen wunderbares, wenn auch etwas defektives (Es lag an dem schlechten Material!) Werk bescheinigt mit Brief und Siegel, und ohne von diesem, soweit das bekannt ist, darum gebeten worden zu sein, darauf sind diese Theoretiker der Geschichte und der Verabschieder der in der Theorie der kommunikativen Kompetenz sich als fröhliche Wissenschaft im Angesichts des Desasters behauptenden Geschichtsphilosophie für die Managerklasse der globalen Administration der 'Menschheit' nicht im Traum gekommen.

Als hätte nicht der Tod des Religionsstifters selbst bereits einen solchen Anlass geliefert für die Behauptung und Erkenntnis des Todes Gottes, der sich sogar ausdrücklich darin vollzog, im Namen des Vaters. Dass ein derartiger Anlass das kein philosophischer Gedanke sein kann, zu8mal der den Gang der Geistesgeschichte erklären könnte, ist angesichts des Zufalls des Ereignisses eigentlich evident. Aber dieses Denken steigt ab zu dieser deliberativen freien Assoziation eines 'ich denke mal', die erst den Anspruch der Psychoanalyse auf die Übernahme der Alltagswelt durch die Neurosenlehre als letztes Mittel ermächtigt, sich auf den Blödsinn einen Reim zu machen, vor der sich solche Philosophie und solches Denken zu retten suchte, in dem auf 'Irrelevanz' – nur nicht auf die eigene - entscheidet, nach der Logik Palmströms, wonach nicht sein kann, was nicht sein darf.

Ohnehin ist ja ironisch, wie Freud einen der Grundbegriffe der bürgerlichen Gesellschaft, die Freie Assoziation, die den Tanzboden des Liberalismus abgab, nach 1848 und der Übernahme Deutschlands durch die Preußen, zum bloßen Material für den Denker macht, der in seinem Strom die Bruchstücke auffischt, die, von dem nunmehr als Therapeuten institutionalisierten Denker richtig (in einer Rekonstruktion!) zusammen gefügt, dem Subjekt des blind dahinfliessenden Stroms zur Vernunft zu verhelfen geeignet sein könnten, mit dem Ergebnis, dass es sich zuletzt mit einem Mythos abgespeist sieht und den 'akzeptieren' lernen soll.

Der Hohn und die Chuzpe in dieser terminologischen Wahl ist Einigen bis heute nicht aufgegangen, tatsächlich genau genommen überhaupt nicht bewusst geworden. Wer von 'Freiheit' weiter redet, sollte sich das noch einmal genauer ansehen, vor allem auch das 'Arzt/Patient-Verhältnis'. Es enthält einen ebenso unverfrorenen Bonapartismus wie die Theorie der Kommunikation Kompetenz einem neototalitären Impuls entstammt, den sie modernisiert, sozusagen updated und auf den Stand der Technik der hochkulturellen Kannibalischen Ordnung bringt, die als 'Ökonomie', als thermodynamische globale Maschine die Energie der Biomasse des Nutztiers homo sapiens verwertet, die, schlicht gesagt, nichts ist als der SPRIT („...jumping jack flash, it's a Gas...“: It's a gas, stupid.) und das Schmiermittel, mittels dessen sie betrieben wird, eben in der Form von nicht-fossilem, reichlicher denn je nachwachsendem Brennstoff, für den, der Bilder liebt, unter Hinzunahme der Lebensformen denen der homo sapiens das Meiste verdankt und schuldet, die Haustieres, zugleich das Futter ist und der Brennstoff der Wärmekraftmaschine der globalen Ordnung, deren Steuerungsmannschaft unablässig an der Optimierung des Designs arbeitet wie die Techniker in anderen Teilbereichen auch, und dazu auch Handbücher von der Art braucht, wie ihnen Habermas eines anbietet.

Man liest es zwar nicht, aber es kann nicht schaden, wenn man es hat. Es ist damit wie mit den Firmengeschichten, die man von Praktikanten verfassen lässt, die sich um einen Job in der Firma bewerben. Wenn alles Richtige darin steht, sind die Aussichten auf eine Übernahme und die Festanstellung auf jeden Fall besser.

Das beantwortet zugleich einige andere Fragen der Rekrutierung und der Lizenzierung der organisierten 'Intelligenz' unter diesen gegenüber den Vorgängerregimen unendlich perfektionierten Strukturen, deren Fortschritt ersichtlich ist und nicht zu leugnen, nur, dass es sich in keiner Weise um einen handelt, der den Menschen zugute käme, denn es ist einer der Strukturen, von denen sie immer rücksichtsloser beherrscht werden.

Tatsächlich hat er sein Maß an dem der von diesen verordneten und durchgesetzten allgemeinen Regression, deren Maß das Denken ist, das schon einmal, unter den Umständen eines Zufalls, der eine Lücke offen gelassen hatte für den Geist Gedachten, das als verleugnetes Maß peinlich in den Bibliotheken steht und der interpretierenden Begleitung bedarf, damit keiner auf den Gedanken kommt, daraus Maßstäbe schnitzen zu wollen, mit denen man der Gewalt der Verhältnisse Maßnahmen vorschlagen könnte, die nicht an den von ihr zu Objekten ihrer Gewalttätigkeit, sondern an ihr zu vollziehen wären.

Auf dem unvermeidlichen Zwang, solches Maß zu unterlaufen, auf einer strukturierten, in den Studiendesign eingebauten Amnesie beruht die bemerkliche Verblödung des Personals, das den Menschen die Welt erklärt, und aus seiner Dummheit die Waffe der Volksnähe macht, die andererseits den Populisten, den 'Falschen Propheten' der Politikerklärer zuvorkommen muss indem sie populistischer ist als diese.

Alles dies führt zu einer durch die damit verwandte Produktwerbung unterstützte unerträglich verblödeten und verkalauerten Durchpolemisierung des Lebens, an der sich allenthalben sogleich Steuerungsinteressen parasitär andocken, die so oder so einen Profit versprechen oder einen Wachstumsgewinn an Kontrolle. Dasselbe gilt für den Widerstand dagegen, wie z. B. in den 'hackern', die eigens bestellt werden, und genau genommen schon Angestellte des Apparats sind, beauftragt, erwünscht und geduldet, um die Schwachstellen der Selbstimmunisierungsstrategien der Systeme zu finden nach dem Motto:

Join us, we need your assistance and intelligence, and if you are against us, join us the more you are against us..“

Er ist schon Teil des Plans und wird zur Optimierung mittels einer Rückkoppelung an den Design 'zurück gefüttert' (feed-back) an den Systeminput, und ist ausdrücklich so erwünscht, dass sich ganze Branchen damit befassen, ihn zu erfassen, als Trend, auf den man reagieren kann bevor er sich selbst als solcher manifestiert und erkennt in den Individuen, in denen er heranreift wie ein Traum.

Sie sind noch nicht recht erwacht zu Leben, da wird ihnen schon das Handtuch hingehalten, das den Wunschzettel bildet, auf dem diese verzeichnet sind, das sie nur noch zu werfen, der Löffel, mit dem sie die Weisheit ihrer Lernprozesse fressen, der nur noch abgegeben werden muss, damit alles im Gleichgewicht bleibt. Nicht, dass dies beklagt würde. Es steht hier um eine Entwicklungsrichtung zu erläutern und ihren unausweichlichen unübersehbaren intrinsischen Totalitarismus.

Die Diskursmaschine des Professor Habermas ist in dieser Apparatur nur ein kleiner Chip auf einem Nebenschaltkreis. Die Maschine funktioniert auch ohne sie. Denn nach wie vor sind Lernen und Gewaltanwendung substituierbar durch einander und im Zweifel ist die Gewalt das wirksamere und zuverlässigere Mittel, so sie nur dosiert eingesetzt wird, als ultima ratio für die abnehmende Zahl von Einzelfällen im Normalbetrieb, in dem sie in unbemerkten Nischen bleiben kann, die nicht paradigmatisch auffällig werden als Paradigmen, die über den Status des Ganzen Auskunft geben, so wie der Rinderhalter auch 'nicht ohne Grund' zur Peitsche greift, weil es gewöhnlich ohne geht.

Wie eingangs schon bemerkt scheint alles eine Frage der erfolgreichen, also der flächendeckenden und nachhaltigen Kollektivierung der Kleinkindsozialisation zu sein. Es kommt darauf an, kein Kind zurückzulassen, also nichts auszulassen. Die Anordnung erinnert an das Szenario von Bethlehem. Es darf keine abweichende Sozialisation mehr möglich sein, auch nicht aus Zufall. Denn Nachlässigkeit rächt sich mit exzentrischen Produkten, die off-line entstehen und nicht die unablässigen Qualitätskontrollen passieren.

Die Diskurstheoretiker, die Therapeutik, die Sozialarbeit und die Kulturindustrie, der sie ausnahmslos zugehören und assistieren, haben nur die Welt der Erwachsenen kontaminiert.

Es kommt darauf an, die Muttermilch zu vergiften.“

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